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Vissel muckt auf

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Der Visselhöveder Marktplatz ist zur Kundgebung gut gefüllt. Fotos: Wieters
Der Visselhöveder Marktplatz ist zur Kundgebung gut gefüllt. Fotos: Wieters © -

Visselhövede - Von Jens Wieters. Visselhövede hat eine neue Stadthymne. Nach dem Kanon „Bruder Jakob“ stimmten gestern Mittag zum Abschluss der Kundgebung zum weltweiten Klimatag rund 200 Menschen das Lied „Vissel gegen den Klimawandel“ an. So wurde musikalisch das gefordert, was die Bevölkerung überall auf dem Planeten zurzeit umtreibt: Sofortige Maßnahmen zum Klimaschutz.

Aber auf dem Marktplatz ging es nicht nur um die Rettung der Eisbären und um den Erhalt des Regenwalds, sondern die Referenten zeigten deutlich auf, was jeder Einzelne tun kann, um seinen Beitrag für den Klimaschutz zu leisten. Mehr Fahrradverkehr, weniger Rindfleisch aus Südamerika, Lebensmittel aus heimischer Produktion oder Energie sparen in den Häusern: Die Palette der Forderungen und Angebote war lang und interessant.

Die frisch gegründete Gruppe „Vissel for Future“ hatte sich dem weltweiten Protest gegen den Klimawandel der Bewegung „Fridays for Future“ angeschlossen und eine entsprechende Kundgebung angemeldet.

Die örtliche Polizei hatte vorsorglich den Marktplatz in eine Einbahnstraße verwandelt, damit die Demo pünktlich um 11.55 Uhr startet konnte. „Denn es ist für unseren Planeten wirklich fünf vor zwölf. Wenn es uns allen nicht gelingt, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, dann droht uns eine Klimakatastrophe, die nicht mehr aufzuhalten ist“, so Harald Gabriel, der die Kundgebung eröffnete.

Der Ex-Biolandchef brach eine Lanze für die regional erzeugten Lebensmittel und informierte über die Pläne der Future-Gruppe, die demnächst mit einigen Aktionen wie zum Beispiel das Projekt „essbare Stadt“ auf sich aufmerksam machen will. „Und wir sollten uns nicht auf die große Politik verlassen, sondern auch im Kleinen können wir etwas tun“, so Gabriel, „egal ob jung oder alt“.

Angelika Franz vom Visselhöveder Kompetenzzentrum Ökolandbau forderte, „doch lieber einmal öfter auf ein Steak zu verzichten“, da das Methangas, das von Wiederkäuern produziert werde, als „großer Klimakiller“ gelte. „Darum brauchen wir mehr Teilzeitveganer.“

Die Naturschutzbeauftragte Christiane Looks hatte das Sparen von kostbarem Trinkwasser im Blick und appellierte an die Anwesenden, unter die sich auch drei Klassen der Oberschule samt Plakaten gemischt hatten, besonders beim Wässern des eigenen Gartens aufzupassen: „Nach 10 und vor 18 Uhr bringt das nämlich gar nichts.

Hartmut Wallin von den Visselhöveder Grünen forderte grundsätzlich mehr Radwege im Land und ein Umdenken auch in der Kommunalpolitik, wo „immer noch eher das Auto im Fokus“ stehe. Er finde es „toll“, dass sich so viele Visselhöveder Gedanken über das Klima machen und auch bei der Gruppe „Vissel for Future“ aktiv sind: „Denn wenn es so weitergeht wie bisher, können wir schon in 20 Jahren nicht mehr so leben, wie wir jetzt leben“.

Bürgermeister Ralf Goebel appellierte an die jüngere Generation, die „Entscheider zu scheuchen“ und „bloß nicht den Kopf in den Sand zu stecken“. Die Kommunalpolitiker würden sich zurzeit intensiv Gedanken machen, wie man auch vor Ort das Klima besser schützen könne. „Den Anfang haben wir bereits mit einer Stromtankstele und der energetischen Sanierung von vielen öffentlichen Gebäuden gemacht. Aber es geht immer noch mehr.“

Große Hoffnung setzten alle Redner auf die Berliner Politik, die „hoffentlich während der aktuellen Klimadebatte die richtigen Entscheidungen“ trifft. „Aber bis die greifen und das Klima sich erholt, werden wir weiter aufmucken und unsere Hymne noch häufig singen“, waren sich die Streikteilnehmer nach den zwei Stunden einig.

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