SOMMER ZUHAUSE Bürgermeister Ralf Goebel auf zwei Rädern unterwegs

Viertakt-Sound und viel Geschichte

Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel (r.) mit seinen beiden Freunden beim Start in Travemünde.
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Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel (r.) mit seinen beiden Freunden beim Start in Travemünde.

Visselhövede – Drei Männer, drei Roller, ein Abenteuer. Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel (60), bekannt für Urlaube der etwas anderen Art, hat jetzt für sechs Tage den bequemen Chefsessel im Rathaus mit der harten Sitzbank eines 125-Kubikzentimeter-Rollers getauscht, um gemeinsam mit seinen beiden Freunden Udo und Gerd (60 und 69), die in diesem Beitrag nur beim Vornamen genannt werden wollen, die ehemalige innerdeutsche Grenze auf zwei Rädern zu erkunden.

„Ein Abenteuer war es zwar nicht so wirklich, aber ein bisschen spannend schon“, sagt Goebel nach einem 1300-Kilometer-Ritt auf den beiden kleinen Rädern. Und dabei stapelt er sogar noch ein bisschen tief, denn den Visselhöveder Verwaltungschef hätte bei der Tour auf dem insgesamt 1400 Kilometer langem Grünen Band Deutschlands fast der Blitz getroffen.

Begonnen haben die drei Freunde, die in den vergangenen 18 Jahren vor allem viele Länder in Nordeuropa und Landstriche in Norddeutschland per Hanomag-Trecker und Zirkuswagen besucht hatten, ihre Roller-Tour bei Travemünde, um gen Süden zu fahren. „Nachdem wir das Treckergespann verkauft hatten, weil es an der Zeit für neue Ideen war, kam die Idee mit den Rollern auf“, berichtet Goebel, der zuvor für 800 Euro einen gebrauchten Peugeot-Viertakter erworben hatte. „Eigentlich sollte es der Reise angemessen eine Schwalbe der Firma Simson aus DDR-Produktion sein. Doch dafür bin ich zu groß gewachsen. Und der lärmende Zweitakter wäre auf Dauer sicherlich auch nichts für meine Freunde gewesen.“

Von der Trave führte der Weg ein großes Stück weit an der Elbe entlang bis in den Harz. Mit gerade so viel Gepäck, wie es sich unter den Sitzbänken der Roller verstauen ließ. „Übernachtet haben wir in einfachen Pensionen. Trotz Corona gab es genügend Möglichkeiten bei freundlichen Wirten“, so Goebel, der die „Marotte“ hat, sich bei jedem Urlaub und sei er auch noch so kurz, in einem ihm unbekannten Friseursalon die Haare schneiden zu lassen. „Dieses Mal war es ein Barbier in Nordhausen im Südharz.“

Frisch gestutzt unterm Halbschalenhelm ging es weiter in Richtung Thüringen. Goebel: „Wir hatten bei der Planung allerdings nicht bedacht, dass das Grüne Band für Radfahrer und Wanderer ideal erschlossen ist, für Rollerfahrer kann das aber ganz schön anstrengend sein, denn nicht immer sind die Straße und Wege zweiradgerecht ausgebaut.“ So wurden die drei Zweiradfahrer von kilometerlangen Kopfsteinpflasterpisten ganz schön durchgeschüttelt. „Ab und an vibrierte dann auch mal ein Kennzeichen ab.“

Aber sehenswert sei vor allem die Natur rechts und links der ehemaligen Grenzanlagen. Eigentlich hätten die Roller die drei Männer, die viel deutsch-deutsche Geschichte in den unzähligen durchquerten Orten geatmet haben, bis ins bayerische Hof bringen sollen, „aber heftige Gewitter haben uns einen dicken Strich durch die Reise gemacht“. So hatten sie gerade Gotha erreicht, als ein „wahrer Wolkenbruch“ niederging. „Wir haben uns in einer Bushaltestelle untergestellt. Weil die aber für uns drei samt Rollern zu klein war, sind wir auf die andere Straßenseite auf das Gelände eines Alterheims geflüchtet, um uns dort einen trockenen Unterstand zu suchen. Gerade noch rechtzeitig, denn mit einem ohrenbetäubenden Knall schlug ein Blitz neben das Buswartehäuschen ein“, erinnert sich Goebel.

Nach der Schrecksekunde brachen die drei die Tour ab und lenkten ihre Zweiräder in Richtung Nordwesten. „Dabei haben wir uns per Handy vom Wetter-Radar leiten lassen und sind immer entgegen der Zugrichtung der dunklen Wolken gerollt.“

Nach sechs Tagen, vielen Erlebnissen und einigen Schmerzen am Hinterteil kam das Ortsschild Visselhövede wieder in Sicht. „Wir haben es zwar nicht ganz geschafft, aber solch eine Tour lohnt sich – nicht nur zu Corona-Zeiten“, zieht Goebel ein positives Fazit. Gemeinsam mit Udo und Gerd werden nun die Wintermonate genutzt, um ein neues Abenteuer auszubaldowern.

Das Grüne Band Deutschland, das 1989 vom Umweltschutzverband BUND initiiert und den Titel „vom Todesstreifen zur Lebenslinie“ erhalten hatte, ist ein Vorhaben mehrerer Bundesländer zum Naturschutz. Der fast 1400 Kilometer lange Geländestreifen entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze ist überwiegend ein Grüngürtel. Der 50 bis 200 Meter breite Streifen, eingebettet in Felder und Wälder, reicht von Travemünde bis zum Dreiländereck bei Hof. Das Grüne Band ist der größte Biotopverbund Deutschlands. In den dazugehörigen 150 Naturschutzgebieten kommen 600 in Deutschland bedrohte Arten vor. Das Grüne Band Deutschland verläuft fast vollständig auf der Ostseite der ehemaligen Grenze. Eine Ausnahme ist unter anderem das Nordostufer der Elbe bei der niedersächsischen Kommune Amt Neuhaus.  jw

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