Viele Ziele und Wünsche für das Visselhöveder Haus der Bildung

Das Visselhöveder Haus der Bildung hat nun eine Zeitkaspel vor der Tür. Darin sind Wünsche für die kommenden zehn Jahre, die die Zukunft des Hauses betreffen.
Visselhövede – Eine ältere Visselhövederin informiert sich beim Seniorenbeirat über Angebote für die betagtere Generation. Nebenan spielen Kinder der Krabbelgruppe des Familienvereins Simbav. Ein paar Schritte weiter plant die Gruppe Vissel for future ihre nächsten Aktionen, um ein Stück weit das Klima zu retten. Gegenüber baut Gemeinwesenarbeiterin Iris Weis ihr Netzwerk aus, um für mehr Gemeinsamkeit in der Stadt und den Dörfern zu sorgen.
Und mittendrin wuselt eine Gruppe von Bewohnern der Außenstelle der Rotenburger Werke herum und sorgt für frischen Kaffee und leckeren Kuchen. Eine Szene, wie sie fast jeden Tag im Visselhöveder Haus der Bildung (HdB) an der Emmy-Krüger-Straße zu finden ist – und das seit mittlerweile gut einem Jahr. „Und das soll auch möglichst lange so bleiben“, sagte Kryzstof Synak, einer der Betreuer der Menschen mit Handicap, am Mittwochvormittag.

Darum ist er auf die Idee gekommen eine Zeitkapsel aus Edelstahl in die Erde vor dem Gebäude einzulassen. Alle Mieter, natürlich auch die Stadt Visselhövede als Eigentümer des Hauses, und jeder, der wollte, haben ein paar gute Wünsche unter dem Titel „wie sehe ich das Haus der Bildung und die gemeinsame Arbeit der Gremien in zehn Jahren?“ auf Zettel geschrieben. „2033 werden wir die Kapsel wieder öffnen und schauen, welche Wünsche realisiert worden sind“, so Synak.
„Und das sind hoffentlich ganz viele“, betonte Bürgermeister André Lüdemann. der sich persönlich das Ziel gesetzt hat, dass das „Haus so bleiben soll wie es jetzt schon ist: Ein Haus der Zusammenkunft, ein Haus für Visselhövede.“ Er stellt sich das HdB auch weiterhin als einen Ort vor, an dem Menschen verschiedener Ethnien, Altersklassen, Religionen, Bedürfnissen, aber auch mit unterschiedlichen Ansichten zusammenkommen. „Ein Ort, an dem diskutiert, gelehrt, gefeiert geholfen und nicht zuletzt gelebt wird. Ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, um Mensch zu sein.“

Sabine Ulrich, seit einem Jahr Geschäftsführerin der Rotenburger Werke, war schon „mal ganz privat und fast unerkannt“ im Haus der Bildung und habe sich „einfach mal Kaffee und Kuchen bestellt“. Sie sei damals völlig erstaunt gewesen, wie das Haus von komplett unterschiedlichen Menschen, die jeden Tag ein- und ausgingen, gemeinsam mit Leben gefüllt werde. „Und es gibt hier so viele Dinge, die ohne Barrieren, ohne Berührungsängste, ohne Vorbehalte erledigt werden. Hier verschwinden die Grenzen“, dankte Ulrich allen Beteiligten für diese besondere Form der Inklusion. Natürlich nicht ohne das HdB entsprechend zu segnen, denn Ulrich ist nicht nur Werke-Chefin, sondern auch Pastorin.
Kryzstof Synak und Sebastian Faltermann, Leiter der Visselhöveder Tagesförderstätte der Werke, gingen auch auf die geduldige Starthilfe vor gut einem Jahr ein, die ihnen besonders der ehemalige Gemeinwesenarbeiter Christian Oddoy gegeben hatte.
Der wurde am Mittwoch während des feierlichen Rahmens offiziell aus seinem Dienst für die Allgemeinheit verabschiedet. Oddoy ist jetzt Regionalmanager des EU-Leaderprogramms Hohe Heide. Die Visselhöveder Gemeinwesenarbeit leitet seit Juli Iris Weis, die – wie soll es auch anders ein – ihren Bürokaffee von Menschen der Rotenburger Werke im Haus der Bildung serviert bekommt.
Ein Haus mit einer langen und wechselvollen Geschichte
Das Haus der Bildung, das über Jahrzehnte Haus des Gastes hieß, wurde im Oktober 1978 eingeweiht. Es war das Zentrum für Tourismus in der Stadt am Rande der Lüneburger Heide. Parallel dazu wurden nach und nach die Visselseen angelegt. Ab den 1980er-Jahren tagte der Visselhöveder Stadtrat regelmäßig im dem Haus. Oft haben sich Politiker und Bürger anschließend bei Gyros und Ouzo beim „großen Leo“ getroffen, denn auch ein griechisches Restaurant war dort über Jahrzehnte untergebracht. Anfang der 1990er-Jahre waren der damalige Fremdenverkehrsverein und die Tourist-Information ins Gebäude eingezogen, nachdem immer mehr Menschen aus den neuen Bundesländern ihren Urlaub an der Vissel verbracht hatten. Es wurden legendäre Vissel-Sonntag mit Musik und Vorführungen auf dem Gelände und der Terrasse für die Touristen veranstaltet. Ab dem Jahr 2000 wurde das Haus Stück für Stück saniert, der Kinderhort ist dann ins Obergeschoss eingezogen, das Restaurant wurde später geschlossen und das städtische Archiv hatte dort ebenso seinen Platz gefunden wie die Musikschule. Da der Umbau mit vielen Fördermitteln von der EU unterstützt worden war, wurden die idyllisch gelegenen Gemäuer in das Haus der Bildung umgetauft. Denn das Geld gab es nur mit der Vorgabe, dass dort entsprechende Veranstaltungen regelmäßig stattfinden. Angesichts einer klammen städtischen Kasse stand auch schon mal ein Verkauf des Hauses im Raum. Es hatte sich aber kein Käufer gefunden. Seit Anfang 2022 sind die Rotenburger Werke Ankermieter dort, aber auch der Familienverein Simbav, der Seniorenbeirat, die Gruppe Vissel for future, die Reservisten und auch der Stadtrat nutzen regelmäßig die Räume.



