Landwirte schauen sich Feldversuch mit ungedüngten Zwischenfrüchten an

Viele positive Effekte

Die sehr gute Wurzelbildung der Grünlandmischung zeigt Peters an einem Ballen.
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Die sehr gute Wurzelbildung der Grünlandmischung zeigt Peters an einem Ballen.

Jeddingen – Grundwasserschutz und „rote Gebiete“ durch erhöhte Nitratwerte im Sickerwasser gehören zu den die Landwirtschaft im Landkreis Rotenburg bestimmenden Themen. Weite Teile der Ackerflächen wurden als rotes Gebiet deklariert. Dort sind bei den Messungen die Nitratwerte über 50 Milligramm pro Liter gewesen, was von einer Landesbehörde in ganz Niedersachsen untersucht wurde. Die Folge ist, dass hier von den Landwirten nach der Novelle der Düngeverordnung im neuen Jahr 20 Prozent weniger gedüngt werden darf und die Zwischenfrüchte sogar gar nicht mehr mit Dünger im Wachstum gefördert werden dürfen. Es müssen Alternativen her. Dazu experimentiert die Ingenieursgemeinschaft für Landwirtschaft und Umwelt (Iglu) in einem Feldversuch auf den neun unterschiedlichen Flächen in der Region, um die jeweiligen Anforderungen für Zwischenfrüchte herausfinden.

Die Pflanzen müssen bei der Nulldüngung mit den Nährstoffen zurecht kommen, die im Boden nach der Ernte der Hauptfrucht noch vorhanden sind. In Jeddingen drillte der Nindorfer Kartoffelbetrieb Lüdemann spezielle Saatmischungen in Kooperation mit der Deutschen Saatveredelung (DSV) ein, die nun erste Erkenntnisse zur Bewirtschaftung mit Zwischenfrüchten ohne Düngung brachten. „Wir liegen hier am südlichen Ende des roten Gebiets vom Landkreis Rotenburg“, zeigte Carsten Meyer (Iglu) auf der Karte, bevor es ins Feld ging.

Dort schauten sich die interessierten Landwirte die verschiedenen Saatmischungen und ein extra ausgebuddeltes Bodenprofil mit rund einem Meter Tiefe an.

Die Zwischenfrucht habe dabei gleich mehrere positive Effekte. „Es geht darum, dass das Sickerwasser von den Pflanzen gebunden wird“, sagte Meyer, weil sonst die Rate des Wasseraustausches 1 bis 1,5 betrage. Dies führe zum Auswaschen des Stickstoffes im Boden und letztendlich zu erhöhten Nitratwerten im Sickerwasser. „Ein Ziel ist, das Wasser in die Zwischenfrucht zu bekommen. Damit der Nitratwert nicht über 50 Milligramm kommt“, sagte er. Vorherige Versuche in Jeddingen hätten ergeben, dass die Zwischenfrucht viel Sickerwasser binde, bis zu 36 Liter auf einem Quadratmeter. Das reduziere die Auswaschung von Nitrat erheblich.

Eine entsprechende Wurzelbildung der Pflanzen lockere außerdem den Boden auf, was wichtig für die Fruchtbarkeit des Ackers sei. Das Krümelgefüge des Bodens, wie die Fachleute sagen, sei dann ideal für die ertragbringende Hauptfrucht vorbereitet. Zur Demonstration buddelte Marco Peters von der DSV ein Stück Wurzelballen bei der Grünlandmischung mit Klee und Gräsern aus. Die feinen Wurzeln binden Wasser und Stickstoff. Außerdem sorgen sie für das gewollte Krümelgefüge. Zusatznutzen für Landwirte mit Rinderhaltung sei, dass sie mit der Zwischenfrucht noch im Herbst Grünfutter gewinnen können. Nach einem trockenen Sommer sei dies eine tolle Option in Zeiten von Futtermittelknappheit.

Nebenan hatte zum Beispiel der Ölrettich mit der Hitze zu kämpfen, nachdem er eingedrillt wurde. So werde für jeden Standort eine geeignete Zwischenfrucht sowie der optimale Zeitpunkt für die Aussaat von den Iglu-Fachleuten ermittelt.

Auf der Nachbarparzelle wachsen Pflanzen aus einer Mischung mit einem anderen Schwerpunkt. Denn Felderbsen, Bitterlupinen, Perserklee oder der Öllein haben besondere Fähigkeiten den Stickstoff, also das Nitrat, im Boden zu binden. Diese Pflanzen können den Stickstoff nämlich in kleinen Knöllchen an der Wurzel mit einem ähnlichen Stoff, wie der Blutfarbstoff Hämoglobin binden und sogar im Pflanzenstoffwechsel den Luftstickstoff in den Boden transferieren. Deswegen sollten die Knöllchen innen rot eingefärbt sein. „Der Stickstoff muss in den Boden kommen oder bleiben. Von oben drauf kommt eben nichts mehr“, nahm Peters Bezug auf die ausbleibende Düngung mit Gülle.

Arten wie Ölrettich und Rauhafer wirkten zudem als biologische Waffe gegen Pflanzenschädlinge, wie Würmer bei Kartoffeln, wodurch weniger chemischer Pflanzenschutz durch den Landwirt nötig sei. Außerdem böten die Blühpflanzen wie Ölrettich oder Phacelia jetzt im Herbst eine wichtige Nahrungsgrundlage für die Insektenpopulation.

Das Bodenprofil zeigte den Landwirten, wie wichtig die Durchwurzelung des Bodens ist, weil sonst eine Staunässe entsteht. „Nach der 30 Zentimeter starken Deckschicht haben wir in Jeddingen die Lehmschicht aus der Saaleeiszeit, die eine Sperrzone im Boden sein kann“, sagte Bodenkundler Andreas Rode. Regenwürmer leisteten die wichtige Arbeit im Lehmboden, wo auch in Trockenheit noch Wasser sein könne. Die mit Humus ausgekleideten Gänge der Regenwürmer seien die „Schnellwuchsstraßen“ der Ackerpflanzen auf der Suche nach Wasser im Boden.

Im ausgegrabenen Loch konnten die Fachleute kleine Wurzeln in einer Tiefe von deutlich mehr als 50 Zentimetern finden, was den Flächeninhaber Karsten Lüdemann positiv stimmte. „Die belastbaren Ergebnisse sehen wir aber erst in den nächsten Jahren“, sagte er bezogen auf den Kartoffelertrag auf dieser Fläche. 2021 sollen hier sowieso zunächst Zuckerrüben wachsen.  lee

Bodenkundler Andreas Rode (Iglu) erklärt die Beschaffenheit der Deck- und Lehmböden des Bodenprofils. Besonders Regenwürmer leisten darin wertvolle Arbeit.
Marco Peters hat ziemlich tiefe Pflanzenwurzeln im Lehmboden entdeckt.

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