Verein veröffentlicht Prüfergebnisse / Landvolk: „Unseriös“

Zu viel Nitrat im Grundwasser

Ein Leser unserer Zeitung vermutet, dass der Mais auf einem Schwitscher Acker durch zu viel Gülle vergiftet wurde und nicht mehr geerntet werden konnte.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Deutlich überhöhte Nitratwerte in den privat genutzten Brunnen in der Region Visselhövede hat der Verein VSR Gewässerschutz festgestellt. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die der Verein jetzt veröffentlicht hat. So hätten die Untersuchungen ergeben, dass sich 119 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser in einem Schwitscher Brunnen befinden. Die deutsche Trinkwasserverordnung sieht einen Grenzwert von 50 Milligramm vor. Der Verein vom Niederrhein hat auch einen Verursacher für die überhöhten Werte ausgemacht: „Die intensive Landwirtschaft, bei der die Felder so gedüngt werden, dass der höchstmögliche Ertrag erzielt wird“, wie VSR-Vorsitzende Susanne Bareiß-Gülzow in der Mitteilung zitiert wird.

Das Landvolk Rotenburg/Verden zweifelt die Messungen hingegen an, weil bestimmte Kriterien nicht erfüllt worden seien: „Die aussagekräftige Untersuchung von Wasser ist kompliziert und muss bei der Probeentnahme bereits bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Lage und Zustand der Brunnen bestimmen nämlich wesentlich die Ergebnisse“, so Landvolkvorsitzender Jörn Ehlers auf Nachfrage unserer Zeitung.

Laut VSR wurde das Wasser von 66 privat genutzten Brunnen aus dem Raum Visselhövede analysiert. Neben den 119 Milligramm im Schwitscher Brunnen hat Diplom-Physiker Harald Gülzow nach Aussage des Vereins stark verschmutzte Brunnen in Hemsbünde mit 91 Milligramm pro Liter, in Wittorf (72), Nindorf (105), Jeddingen (108), Kettenburg (66), Visselhövede (71) und in Hiddingen (93 Milligramm) festgestellt.

„Am Info-Stand in Visselhövede und auch bei der telefonischen Beratung zeigten viele Brunnenbesitzer, dass sie über die Nitratbelastungen der Region wütend sind. Sie möchten es nicht mehr einfach hinnehmen, dass ihr Brunnenwasser nur eingeschränkt nutzbar ist. Ärgerlich ist insbesondere, dass das Wasser nicht zum Befüllen von Gartenteichen geeignet ist. Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Abgestorbene Pflanzen können anschließend zu Fischsterben führen“, so Harald Gülzow.

Auch beim Gießen des Gemüses sollte das Brunnenwasser nicht zu einer Nitratanreicherung führen. Brunnenbesitzer könnten das vermeiden, in dem sie die Nitratbelastung in die Düngeberechnung einbeziehen.

Der VSR zieht Bilanz: Die Nitratbelastung im Grundwasser blieb aufgrund von zu laschen Düngeverordnungen unverändert hoch. So wurden auch im Raum Visselhövede viel zu hohe Düngemengen aufgebracht“, heißt es weiter.

Der Meinung ist auch ein Leser unserer Zeitung, der die Situation auf einem Schwitscher Maisacker als beispielgebend bezeichnet: „Die Wintergerste dort wurde in diesem Jahr bereits im Juli gedroschen. Nach ein paar Tagen Ruhe wurde Gülle ausgebracht, sodass der Boden einem Jauchesee geähnelt hat, der am selben Tag eingegrubbert wurde. Zwei Tage später wurde Mais gedrillt, der erst gut gewachsen war und seit Wochen immer mehr verkümmert und auf dem Stängel praktisch verfault und vergiftet aussieht“, so der Mann, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Landvolk-Chef Ehlers weiß, dass „die Landwirtschaft einen Einfluss auf den Zustand des Grundwassers“ habe. „Das ist auch uns bewusst und wird nicht bezweifelt.“ Dennoch hält er den VSR „für ein fragwürdiges Geschäftsmodell, das dadurch lebt, Ängste zu schüren“. Für die Untersuchungen würden Gebühren genommen und gleichzeitig auch um Unterstützung durch Spenden gebeten. Hinter dem Verein steckten nur wenige Personen. „Die pauschalen Anschuldigungen des VSR in Richtung Landwirtschaft sind unsachlich und dienen der Spendensammlung“, so Ehlers. Schaue man sich die auf der Internetseite der VSR veröffentlichten Nitratergebnisse an, widerspreche sich die Argumentationskette des Vereins. „Es wird grundsätzlich eine Nitratbelastung mit Biogas und Tierhaltung in Zusammenhang gebracht. So werden hohe Werte auf der Karte ausgewiesen, in denen beides fast nicht vorkommt wie in Ostniedersachsen und im Braunschweiger Raum. Wir halten es darum für unseriös, ein Geschäftsmodell auf Anschuldigungen an eine Berufsgruppe aufzubauen“, betont Jörn Ehlers.

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