Restaurants und Cafés wieder geöffnet / „Wirtschaftlich nicht darstellbar“

Viel Aufwand, wenig Ertrag

Silke Bölling (l.) und Sigrid Meyer vom Café „NebenAn“ stellen die Tische auf Abstand.

Visselhövede - Von Jens Wieters. „Das ist ja jetzt ein bisschen wie früher in der DDR“, scherzt ein Besucher des Bäckerei-Cafés Tamke an der Visselhöveder Goethestraße. „Dort durfte man sich in den Gaststätten auch nicht einfach an einen freien Tisch setzen, sondern bekam vom Kellner einen Platz zugewiesen.“ Seit Montag dürfen Gaststätten, Imbisse und Cafés wieder öffnen. Aber nichts ist mehr wie vorher.

Wer zum Beispiel im Restaurant „NebenAn“ die beliebten Burger oder auch die Spargelgerichte genießen will, kommt direkt an dem Spender für Desinfektionsmittel vorbei, der natürlich genutzt werden muss. Im Eingangsbereich steht ein Hinweisschild, auf dem jeder Gast lesen kann, wie es weiter geht.

Denn auch hier weisen die Servicekräfte den Gästen einen Platz zu. „Dort werden Name, Adresse, Telefonnummer und E-Mail erfasst. Zusätzlich die Dauer des Aufenthalts“, erläutert „NebenAn“-Kellnerin Silke Bölling. Das diene dazu, eine mögliche Infektionskette nachzuverfolgen. Die vorhandenen Plätze dürfen übrigens nur zu 50 Prozent belegt werden.

Eine Maskenpflicht haben die Gäste nur beim Betreten und Verlassen der Lokale, an den Tischen können sie sich demaskieren. Bedient werden sie aber von Personal, das einen Mund- und Nasenschutz tragen muss.

„Zum Glück wurde die zunächst angedachte Reservierungspflicht nicht umgesetzt. Sie wird allerdings empfohlen, um einen Besucherandrang und Warteschlangen zu vermeiden“, informiert „NebenAn“-Chef Kristian Kettenburg. Die Begründung ringt ihm nur ein müdes Lächeln ab. „Denn wirtschaftlich darstellen lässt sich eine Öffnung unter diesen Umständen leider nicht“, seufzt der Visselhöveder, dem es lieber gewesen wäre, dass man mit den Lockerungen noch „bis nach Pfingsten“ gewartet hätte. „Um dann vielleicht wieder ohne Einschränkungen öffnen zu können.“

Wie im „NebenAn“ achten Bäckermeister Heiner Tamke und natürlich auch seine Angestellten in den Kaffee-Ecken der verschiedenen Filialen darauf, dass genügend Abstand zwischen den Tischen besteht. „Da müssen mindestens zwei Meter dazwischen sein.“

Wer einen Cappuccino trinken oder ein belegtes Brötchen essen will, der betritt das Café mit Maske und muss dabei auf die 1,5 Meter Abstand zum Vordermann achten – wenn es denn einen Vordermann gibt. Bei der Bestellung an der Theke bekommen die Bäckerei-Kunden mit ihrem Stückchen Kuchen auch das Registrierungsformular, das sie beim Verlassen des Hauses in einen Behälter geben. „Die Zettel bewahren wir 28 Tage auf, dann werden sie geschreddert.“

Tamke hält zum Ausfüllen Kugelschreiber bereit, die fein säuberlich in „Benutzt“- und „Unbenutzt“-Schälchen aufbewahrt werden. „Besser wäre noch, jeder bringt seinen eigenen Kuli mit“, sagt der Handwerksmeister.

Mit dem Tablett in der Hand können die Kunden dann zu dem ihnen zugewiesenen Platz gehen und dürfen dort die Maske abnehmen. Dort ist Tamke dann aber sehr streng: „Die muss aber in die private Tasche gesteckt werden und darf nicht auf dem Tisch liegen.“

Verlassen die Gäste die Tische in den Gaststätten und Restaurants, rückt sofort die Putzkolonne an. Die Stühle und Tische werden komplett desinfiziert. „Das hat wiederum schon so manchen Gast stutzig werden lassen. Aber so sind nun mal die Vorschriften“, betont Tamke.

Auch der Wittorfer unterstreicht, dass der Umsatz den großen Aufwand inklusive Personalschulung „in keinster Weise“ rechtfertige: „Das kann man getrost vergessen.“ Darum würden Wirte und Bäcker wohl auch den Monat Mai wirtschaftlich komplett abhaken können.

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