Versammlung zum Flüchtlingsheim / Dritte Ankunft am Mittwoch

Furcht und Akzeptanz

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Bürgermeister Ralf Goebel moderierte die Bürgerversammlung im Haus der Bildung.

Visselhövede - Von Matthias Röhrs. „Nichts ist schlimmer als Gerüchten ausgeliefert zu sein“, sagte Bürgermeister Ralf Goebel (parteilos) am Montagabend auf der Bürgerversammlung des Landkreis Rotenburg und der Stadt Visselhövede. Sie wollten falschen Behauptungen vorbeugen und die Bürger aufklären, was es mit der Flüchtlingsunterkunft in der Kaserne Lehnsheide auf sich hat.

„Infos aus erster Hand“ versprach Goebel den etwa 150 Anwesenden im Haus der Bildung zu Anfang der Versammlung. Denn es gelte zuzusehen, wie man vernünftig in die nächsten Monate oder Jahre gehe.

Etwa 160 Menschen sind jetzt im „Camp“, wie Landkreis-Mitarbeiter Gerd Hachmöller die Kaserne nennt, untergekommen. Einige seien bereits kurz nach der Ankunft wieder abgereist – beispielsweise zu Verwandten, die bereits in Deutschland leben. Am Mittwoch sollen die letzten mit Flüchtlingen besetzten Busse ankommen. 300 Menschen soll die Unterkunft zunächst beherbergen.

Landrat Hermann Luttmann (CDU) erläuterte noch einmal, was sich genau seit dem Amtshilfeersuchen des Landes am vergangenen Mittwoch zugetragen hat. Hachmöller berichtete von den ersten Ankünften, was auf dem Gelände passiert; wer dort jetzt lebt und wer das Leben vor Ort organisiert. Vielen der Zuhörer schien es dabei um Bestätigung zu gehen. Die Bestätigung, dass sie keine Angst vor den neuen Nachbarn haben brauchen.

„Angst“, ein Stichwort, das immer wieder in den Redebeiträgen vorkam. Die Bereitschaft, die Notunterkunft oder das wahrscheinliche Erstaufnahmelager (Luttmann: „Ich gehe davon aus, dass es klappt“) in der Nähe zu akzeptieren, schien vorhanden – allerdings auch die Furcht, diese Bereitschaft später zu bereuen.

Einige der Besucher waren bereits als freiwillige Helfer in der Kaserne und berichteten von ersten positiven Erlebnissen und Erkenntnissen, um genau diese Furcht zu nehmen. Andere haben gute Eindrücke auf der Straße sammeln können. Auch Luttmann beschwichtigte: „Sie brauchen keine Angst zu haben.“ Nach aller Erfahrung komme es nicht vermehrt zu Straftaten.

Auch gab es inhaltliche Fragen. So lernten die Anwesenden beispielsweise, dass die Flüchtlinge in der Kaserne Lehnsheide keinen Einfluss auf die Quote der Stadt Visselhövede hätten, und bekamen generelle Fragen zum Asylverfahren beantwortet.

Sollte die Kaserne tatsächlich ein offizielles Erstaufnahmelager werden, werde die Kapazität auf 400 Personen festgeschrieben – im Vertrag mit dem zukünftigen Eigentümer der Kaserne, JBS. „Kommen mehr, muss der Landkreis sie an anderen Stellen unterbringen“, so der Landrat.

Was passiert, wenn diese Zahl überschritten werde und der Eigentümer wegen Vertragsbruchs die Räumung veranlasse, wollte ein Anwesender wissen. „Wird der Landkreis die Kaserne dann tatsächlich räumen?“ Hier wand Luttmann sich. Er würde den Vertrag einhalten, sagte er. Aber würde er in diesem Falle räumen, fragte der Besucher nochmal. Es dauerte kurz, bis Luttmann sich zu einem eindeutigen „Ja“ durchrang.

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