„Verbrennen von Wasser“ kostet viel Geld

Klärschlammvererdung klappt nicht

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Der Ausschuss für Landwirtschaft, Grünanlagen, Umwelt und Energie hat sich am Donnerstag die Klärschlammvererdungsanlage angeschaut. Die funktioniert nicht richtig. Jetzt sollen Regenwürmer arbeiten.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Die Stadt Visselhövede stellt die Naturgesetze auf den Kopf, denn sie lässt Wasser verbrennen. Und das sogar regelmäßig und für viel Geld. Der Klärschlamm in der Vererdungsanlage wird nämlich nicht, wie vor 17 Jahren von der Firma Eko-Plant beschrieben, zu „bestem Kompost, der sich sogar verkaufen lässt“, sondern enthält viel zu viel Wasser und muss kostenintensiv in besonderen Anlagen verbrannt werden.

Der Ausschuss für Landwirtschaft, Grünanlagen, Umwelt und Energie hat sich am Donnerstagabend auf der Anlage umgeschaut und sich von Kläranlagenleiter Wolfgang Hühner und Bürgermeister Ralf Goebel über die Problematik informieren lassen.

Eigentlich funktioniert eine Vererdungsanlage nämlich ganz einfach: „Mit Hilfe der Schilfpflanzen werden in weitläufigen Pflanzenbecken Wasser und Feststoffe effektiv getrennt. Der Klärschlamm wird dabei in einer Art Kompostierungsprozess ab- und umgebaut. Die einhergehende Volumenreduzierung von bis zu 95 Prozent wird durch das Zusammenspiel von Entwässerung und Organikabbau erreicht. Alle acht bis zehn Jahre wird das Beet geräumt.“ Soweit die Theorie. „Die funktioniert bei unserer Anlage aber nicht“, erläuterte Goebel. „Durch den hohen Wasseranteil haben wir ein sehr großes Volumen. Das abzufahren und zu verbrennen ist sehr teurer.“ Denn aufgrund der neuen Düngeverordnung ist ein Ausbringen des Klärschlamms auf landwirtschaftlichen Flächen so gut wie gar nicht mehr möglich.

„Das wäre aber auch ohne Düngegesetz nicht praktikabel, weil unser Klärschlamm erhöhte Werte an Kupfer und Quecksilber aufweist. Und niemand weiß, wo diese Schadstoffe herkommen“, rätselt Wolfgang Hühner.

Damit die Abfuhr-Lkw nicht so viel Gewicht zur Verbrennungsanlage kutschieren müssen, wird der Klärschlamm aus dem Schilfbeet entnommen und auf einer separaten Fläche zwischengelagert, wo die Flüssigkeit über ein Kanalsystem in Richtung Kläranlage ablaufen kann. „Außerdem wird der Schlamm mit Stroh vermengt, der ebenfalls das Wasser aufnimmt“, erklärte Hühner das Dilemma. Das habe in diesem, sehr trockenem Jahr auch gut funktioniert, aber „bei Regen hätten wir auch auf unserem Zwischenlager nur Matsch statt Trockensubstanz und hätten noch mehr mit Stroh arbeiten müssen“.

Rund 90 Euro pro Tonne werden der Stadt von den Verbrennungsanlagen berechnet. „Damit stehen wir noch ganz gut da. Andere Kommunen zahlen bis zu 180 Euro“, so Hühner. Aber dennoch schlage sich das auf die Abwassergebühren nieder, deren Erhöhung am kommenden Donnerstag während der Ratssitzung beschlossen werden soll. „Wir zahlen im Jahr nämlich rund 200 000 Euro für die Verbrennung“, so Bürgermeister Goebel.

Aber es gibt noch ein weiteres Problem: „Die Verbrennungsanlagen sind alle knackevoll. Wir haben Mühe, dort unseren Schlamm loszuwerden“, ergänzte Hühner. Also müsse unter allen Umständen das Volumen verringert werden. „Versuche mit einer Zentrifuge, die wie eine Art überdimensionale Wäscheschleuder funktioniert, haben den Wasseranteil um 80 Prozent reduziert. Aber die Stromkosten sind immens, sodass auch das auf Dauer keine Lösung ist.“

Jetzt ruhen die Hoffnungen der Verantwortlichen auf kleinen Ringeltieren. „Wir werden Ende Oktober ein Versuchsfeld mit Regenwürmern starten, die das Volumen des Klärschlamms reduzieren sollen“, berichtete Ralf Goebel dem verblüfften Ausschuss. Andere Länder hätten damit bereits gute Erfahrungen gemacht.

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