Boden- und Luftuntersuchungen sollen für Klarheit sorgen

Unterhalb der Oberfläche: Ralf Goebel zeigt alte Bohrschlammgruben

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Die Waldschneise in Lüdingen lässt zumindest erahnen, dass hier mal eine Bohrschlammgrube war. 

Visselhövede - Von Joris Ujen. Erschreckend leise schwebt das E-Auto der Stadt Visselhövede über den Asphalt. Wie durch Geisterhand werden Bürgermeister Ralf Goebel und der Redakteur durch das Straßennetz gelotst. Einzig die auf der heißen Fahrbahn klebenden Reifen sind zu hören. Doch der Spuk trügt, und der Verwaltungschef hält das Lenkrad fest in der Hand. Mit dem Schreiberling an seiner Seite will er zu den alten Bohrschlammgruben der Kleinstadt fahren.

Warum das Ganze, möge man sich an dieser Stelle fragen. Dem Sommerloch ist der kleine Roadtrip nur in dem Sinne geschuldet, dass der Bürgermeister etwas mehr Zeit hat als üblich. Ihm scheint es ein wichtiges Anliegen zu sein, den Zustand der Bohrschlammgruben ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Was für Restbestände sind noch in den Böden, und welche Folgen hat das? Fragen, die Goebel geklärt wissen möchte. Nach einem kurzen Vorgespräch im Bürgermeisterbüro geht es auch schon los zur ersten Grube nahe Hiddingen.

Dieser Turm verfüllt die Versenkbohrstelle mit Spezialzement.

Redakteur und Verwaltungschef hüpfen in das Elektroauto. Goebel stellt das Gefährt in den Sparmodus, kleinere Stromverbraucher wie die Klimaanlage sind nun reduziert, die Reichweite, verrät das Display, ist aber erhöht. Nach ein paar Hintergrundgeschichten zur Stadt und einigen Radioliedern ist das erste Ziel erreicht, unscheinbar, mitten im Wald: die ehemalige Versenkbohrstelle Gilkenheide Z1 zwischen Hiddingen und Riepholm. Hier wurde vor nicht allzu langer Zeit Lagerstättenwasser verpresst, das bei der Erdgasproduktion anfällt. „Allerdings nur knapp 1 000 Meter tief“, erläutert der Bürgermeister vor Ort. „Das hat viele Menschen beunruhigt.“ Die geänderte Gesetzeslage gibt allerdings vor, dass die Ablagerung von Lagerstättenwasser ab August 2021 nur noch in tiefer liegende Versenkungen von rund 5 000 Metern zurückgebracht werden darf. Die Versenkbohrstelle Gilkenheide ist „die erste, die hier tatsächlich vom Netz gegangen ist“, so Goebel. Wohncontainer und ein großer Turm, der die Bohrung mit Spezialzement verfüllt, zeugen von dem Rückbau der Versenkbohrstelle. Ist dieser vollzogen, „findet die Rekultivierung statt, damit die Fläche wieder in ihrer ursprünglichen Form genutzt werden kann“, schreibt Exxon-Mobil auf ihrer Internetseite. „Nach und nach kann sich hier der Wald dann wieder entfalten“, sagt Goebel.

Keinerlei Hinweise auf eine ehemalige Lagerstätte von Bohrschlamm sieht man hingegen bei der zweiten Station der kleinen Rundreise mit dem Bürgermeister. Kaum zu glauben, dass unter der gut wachsenden Wiese in Bleckwedel früher mal Bohrschlamm gelagert wurde. Wann genau das war, „kann keiner genau sagen. Deswegen wird das nun untersucht,“ erklärt Goebel. Eine histologische Untersuchung soll feststellen, zu welchem Zeitpunkt die Grube aktenkundig war, eine orientierende, ob im Boden und im Grundwasser krebserregende Stoffe vorhanden sind. Goebel möchte zudem, dass beauftragte Prüfer Luftmessungen für die Krebsuntersuchung vornehmen. Das hatte er bereits bei der Sitzung der Arbeitsgruppe Erdgas im Mai gefordert. „Denn gerade in der Nähe von Bohrschlammgruben ist die Krebsrate auffällig hoch.“ Ob die Prüfer auch für Luftmessungen zertifiziert sind, und was das zusätzlich kosten würde, prüft aktuell der Landkreis und arbeitet an den Ausschreibungen. „Ich hätte gedacht, dass das Verfahren schon weiter fortgeschritten ist“, so Goebel, will damit aber keine Kritik äußern, sondern nur die Dringlichkeit der Untersuchungen betonen. Unmittelbar neben der ehemaligen Deponie in Bleckwedel sind ebenfalls Wohnhäuser, auffällige Krebszahlen gibt es hier laut dem Bürgermeister aber nicht.

Kaum zu hören: Bürgermeister Ralf Goebel im stadteigenen E-Auto auf dem Weg zur ehemaligen Versenkbohrstelle Gilkenheide Z1.

Zurück auf die Straße: Ralf Goebel steuert mit seinem Fahrgast, der sich auf der holprigen Piste eifrig Notizen macht, die letzte Station an: Lüdingen. Jemand, der die Vorgeschichte dieser Waldschneise nicht kennt, wundert sich wahrscheinlich, warum dieses Feld umringt von Bäumen ist. Auch hier war einst eine Bohrschlammgrube. Wie auch in Bleckwedel sollen Untersuchungen Fakten schaffen.

Nach der zweistündigen Tour endet die Reise am Ausgangspunkt, dem Rathaus, und das E-Auto an der Stromladesäule. Das ist übrigens auch einer der Protagonisten der heutigen Veranstaltung „Tag der Mobilität“, ab 17.30 Uhr auf dem Marktplatz.

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