Fachmann für Entsorgungsprobleme bei der Gasförderung informiert Wittorfer WUG

„Unkalkulierbare Risiken“

Wolfgang Calmano (r.) informierte die rund 70 Zuhörer über die Probleme bei der Entsorgung von Rückständen der Erdgasförderung. - Foto: Richter

Wittorf - Die Entsorgungsprobleme bei der Gasförderung beleuchtete Professor Wolfgang Calmano auf Einladung der Initiative „Wittorfer für Umwelt und Gesundheit“ (WUG) vor mehr als 70 Besuchern. Und der Chemiker von der Technischen Universität Hamburg wurde laut WUG-Mitteilung sehr deutlich: „Als Wissenschaftler rate ich zum Verzicht der Fracking-Technologie, weil die Risiken unkalkulierbar sind.“

Zwar soll das Fracking künftig ohne giftige Hilfsstoffe auskommen, in der Vergangenheit seien aber die flüssigen Rückstände, das sogenannte Flowback, in die Versenkbohrungen wie zum Beispiel in Grapenmühlen eingepresst worden. Bei einer oberirdischen Entsorgung müsste das Abwasser, laut Calmano, aufwändig in mehrstufigen Reinigungsprozessen aufbereitet werden. „Die Gasförderung wäre dann nicht mehr rentabel und müsste durch die Unternehmen eingestellt werden“, wird der Experte zitiert. Der zog demnach ein Fazit: „Die chemischen Reaktionen im Untergrund sind wissenschaftlich nicht ausreichend erforscht und bergen ein hohes Risiko für die Umwelt.“ So könnte Methan durch Risse an die Oberfläche austreten und Flüssigkeiten das Grundwasser verunreinigen. „In der Bohrschlammgrube bei Stemmen lagert eine mit Schadstoffen belastete Altlast der Gasförderung. Wenn der Grundwasserspiegel in Zukunft ansteigt, ist eine Verunreinigung wahrscheinlich“, heißt es in dem WUG-Bericht.

Die gesamte Gasförderung habe nach dem Vortrag von Professor Dr. Calmano bei vielen Zuhörern große Fragezeichen hinterlassen, so die WUG. Beispiel: „Wie konnte ein Industriezweig jahrzehntelang unkontrolliert diese Mengen an Schadstoffen unbehandelt in die Umwelt entsorgen?“

Calmano habe auch an den Koalitionsvertrag der Bundesregierung von 2013 erinnert: „Demnach ist die Entsorgung des Flowbacks aus Frack-Vorgängen in Versenkbohrungen wegen fehlender Erkenntnisse über die Risiken derzeit nicht verantwortbar.“ Er glaube auch nicht, dass das Lagerstättenwasser künftig thermisch an der Oberfläche entsorgt werde: „Die Kosten für den Energieaufwand würde den Gewinn der Gasförderung übersteigen.“ Auch andere Behandlungsmethoden seien wohl nicht rentabel: „Viel Theorie, die nicht angewendet wird, da zu teuer.“

Nach dem Vortrag findet die WUG krasse Worte: „Es ist unbegreiflich, wie fahrlässig Politiker quer durch die Parteienlandschaft den Anspruch der Bürger auf gesundheitliche Unversehrtheit missachten. Peinlich, wie ein Gesetzentwurf zum Thema Fracking in das Parlament eingebracht wird, der die Interessen der Förderkonzerne mehr berücksichtigt als die Ansprüche von Millionen Bürgern.“ - jw

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