Respekttables Ergebnis der AFD

Union siegt auch an der Vissel

Gemütlich geht es im kleinsten Wahllokal zu: 50 Dreeßeler waren aufgerufen, bei Hiltraud Bode (v.l.), Irene Westermann, Annegret Seidler, Heike Meinke und Sandra Ohlendorf ihre Kreuze zu machen. So wie Heinz-Hermann Bostelmann. ·
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Gemütlich geht es im kleinsten Wahllokal zu: 50 Dreeßeler waren aufgerufen, bei Hiltraud Bode (v.l.), Irene Westermann, Annegret Seidler, Heike Meinke und Sandra Ohlendorf ihre Kreuze zu machen. So wie Heinz-Hermann Bostelmann.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Ebenso wie in der Bundeshauptstadt stimmte die Mehrheit der Visselhöveder Wähler bei den gestrigen Bundestagswahlen für die CDU. Denn sowohl bei den Erststimmen (Grindel 2495/Klingbeil 2400) als auch bei den Zweitstimmen (2443 zu 1857) lagen die Christdemokraten vor der SPD.

Die Wahlbeteiligung (Durchschnitt 72,15 Prozent) war im Haus der Bildung mit 50,11 am niedrigsten, in Lüdingen mit 75 Prozent am höchsten.

Auch an der Vissel musste die FDP eine herbe Schlappe einstecken, denn sowohl der Kandidat der Linken (Lennart Onken, 231 Stimmen) als auch Hans-Peter Ludewig (Grüne, 265) ließen Henrik Schröder (102) weit hinter sich. Gleiches gilt bei den Zweitstimmen. Dort verbuchte die FDP 236 Stimmen, während die Linken zwar 244 Kreuzchen schaffte, sich jedoch von den Grünen mit 538 Stimmen weit abhängen lassen musste.

Der Sprung von null auf 40 Stimmen gelang der AFD im Wahllokal Rathaus (FDP 33). Aber auch in Wittorf, Schwitschen, Bleckwedel und Drögenbostel lagen die Neulinge vor der etablierten FDP was die Zweitstimmen angeht.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten sich die beiden favorisierten Direktkandidaten Reinhard Grindel (CDU) und Lars Klingbeil (SPD). Während der Sozialdemokrat in den Wahllokalen der Stadt die Nase vorn hatte, punktete der CDU-Mann in den Dörfern. Bis auf Buchholz, wo die Wähler traditionell eher rot als schwarz wählen. Alle anderen Direktkandidaten spielten in Visselhövede keine Rolle.

Die Visselhöveder Kommunalpolitiker saßen gestern Abend lange vor den Fernsehern oder den Computern. Unsere Zeitung fing einige Stimmen ein.

„Ein großartiger Erfolg für die Union und ein eindeutiges Signal der Deutschen, dass Angela Merkel weiterhin Kanzlerin bleiben soll“, zieht der CDU-Fraktionschef im Visselhöveder Stadtrat, Dieter Carstens, ein positives Fazit des Abschneidens seiner Partei. Die Wähler hätten keine Experimente gewollt und hätten die gute „Wirtschafts- und Haushaltspolitik mit der niedrigen Arbeitslosenquote“ entsprechend honoriert.

Das relativ gute Abschneiden der Linken hat aber den Jeddinger ebenso überrascht wie das Aus der FDP und das Ergebnis der AFD. Und: „Sollte es für die Union nicht zur absoluten Mehrheit reichen, würde ich mir eine Koalition mit der SPD wünschen, die schon in der Vergangenheit gute Arbeit geleistet hat.“

SPD-Ortsvereinschef Torsten Burmester zeigte sich gestern am späten Abend als fairer Verlierer: „Glückwunsch an die CDU. Der Erfolg der Union ist ebenso eine Überraschung wie die niederschmetternde Niederlage der FDP. Unser Kandidat Peer Steinbück war der richtige Mann, auch wenn er zu Beginn des Wahlkampfs kein Fettnäpfen ausgelassen hat.“

Während in Berlin noch bis tief in die Nacht fleißig gerechnet wurde, sieht Burmester seine Genossen lieber in der Opposition denn als Juniorpartner einer großen Koalition. Und: „Künftig werden wir uns von der Linken klarer distanzieren müssen“, so der Ortsvereinsvorsitzende, der diese Partei zurzeit als keinen Partner für die Sozialdemokraten betrachtet.

Enno Precht, Fraktions-chef der Grünen im Visselhöveder Stadtrat, wollte sich gestern Abend noch nicht recht festlegen, wie es in Berlin weitergeht: „Das müssen die Gespräche ergeben, vielleicht ja doch schwarz-grün.“ Klar war für ihn jedoch, dass „ich das Abschneiden unserer Partei nicht als ganz so demoralisierend betrachte“, aber man habe die für die Grünen typischen Themen im Wahlkampf nicht so recht rübergebracht.“ Die Union könne sich auf jeden Fall mit diesem Ergebnis nicht mehr verstecken und müsse künftig einen klaren Kurs steuern.

Die Bundestagswahl lief laut Mathias Haase, Chef des Ordnungsamtes, „wieder einmal reibungslos“. Er dankt den Wahlvorständen für die „ehrenamtliche Arbeit“. Manche Zähler saßen in Wahllokalen, die nicht überall so gemütlich waren wie in Dreeßel. In der Ecke der Diele auf dem Hof der Familie Bode brannte Holz im Kamin, auf dem rustikalen Tisch lagen Prospekte und die fünf Frauen des Wahlvorstands schrieben ihre Einkaufzettel. Die Atmosphäre war sehr humorvoll. Ob es das lustigste Wahllokal war, weiß man nicht, bestimmt aber eines der kleinsten! 51 Einwohner waren zur Wahl aufgerufen. „Seit rund 40 Jahren ist das Wahllokal hier auf dem Hof“, informierte Hiltraud Bode. „Die Wahlbeteiligung lag hier immer zwischen 60 bis 70 Prozent“, berichtet Wähler Heinz-Hermann Bostelmann. „Immerhin haben wir bereits 20 Prozent Briefwahl“, verzeichnete Hiltraud Bode. Eine Nische im Flur, in der sonst die Garderobe hängt, diente nun als Wahlkabine und im Nebenraum ist bereits der Kaffeetisch schön gedeckt. „Das ist für später, am Nachmittag“, freuten sich die Wahlhelferinnen.

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