Umsätze deutlich rückläufig / „Sehen keine Zukunft in der Stadt“

„Ernsting’s family“ verlässt den Standort Visselhövede

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Bis Ende Dezember ist die Filiale noch geöffnet.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Ein weiterer schwerer Schlag nach dem Aus für den Optiker „Glashaus“ im März wird die Visselhöveder Einzelhandelsvielfalt am Ende des Jahres treffen: Das Handelsunternehmen „Ernsting’s family“ wird die Filiale an der Goethestraße zum 31. Dezember schließen.

Das bestätigt Torsten Burmeister, der Eigentümer der Immobilie, auf Nachfrage unserer Zeitung. „Der Mietvertrag hätte sich optional stillschweigend um ein weiteres Jahr verlängert, wurde aber von ,Ernsting’s’ fristgerecht gekündigt“, so der Visselhöveder, der jetzt natürlich Hände ringend einen Nachfolger für die rund 200 Quadratmeter große Ladenfläche sucht.

Aus der Zentrale des seit 1968 am Markt agierenden Modeunternehmens gibt es eine ganz einfache Begründung für den kompletten Weggang aus Visselhövede: „Die Umsatzzahlen sind seit Jahren deutlich rückläufig.“

Thomas Holstiege, Expansionsleiter bei „Ernsting’s“, erlebt es nicht oft, dass eine Filiale des an 1744 Standorten in ganz Deutschland vertretenen Konzerns ganz aufgegeben wird: „Vielleicht acht Mal in zwei Jahren.“

„Aber wir sehen in Visselhövede keine Zukunft mehr. Die Einwohnerzahlen gehen deutlich zurück. Vor allem Familien mit Kindern verlassen die Stadt und besuchen nicht mehr unser Geschäft, so dass eine Wirtschaftlichkeit der Filiale nicht mehr gegeben ist“, so Holstiege.

Seit Mai 1976 ist „Ernsting’s family“ in Visselhövede angesiedelt und seit rund zehn Jahren in dem Gebäude, das vor dem Umbau über viele Jahrzehnte die Fleischerei Meißner beherbergte.

„Wir expandieren zwar weiter, konzentrieren uns aber auf die Standorte mit rund 15000 Einwohnern, alles andere lohnt sich nicht mehr“, sieht Holstiege aus wirtschaftlicher Sicht dramatische Zeiten auf die kleineren Ortschaften zukommen. Nur das Internet und den damit verbundenen Online-Einkauf der Kunden auf Vissel bezogen verantwortlich zu machen, sei laut Holstiege zu einfach: „Bei der Planung und Ansiedlung der Aldi- und Combimärkte sowie Rossmann hätte man vielleicht anders vorgehen müssen, um einen Center-Effekt zu haben.“

Was mit den vier Mitarbeitern in der Filiale geschieht, weiß auch Holstiege nicht: „Dazu kann ich nichts sagen.“ Auch in der Filiale wissen die Angestellten nicht, ob sie ihre Jobs an einem anderen Standort behalten: „Darüber wurde nicht mit uns gesprochen.“

Ulf Timmann, Vorsitzender des Visselhöveder Gewerbevereins, war gestern erst einmal ein wenig geschockt, als er von der Schließung durch unsere Zeitung erfuhr: „Wir bedauern natürlich jede Schließung und müssen nun neue Ideen entwickeln, wie man diese Lücke stopfen kann.“ Die großen Filialisten würden als erste auf die nackten Zahlen gucken und entsprechende Konsequenzen ziehen.

Einen kleinen Silberstreif am Horizont gibt es aber doch, denn gleich nebenan tut sich offenbar etwas. „Wir sind in aussichtsreichen Verhandlungen mit einem neuen Mieter“, war am Montag aus dem Hause der Familie Schlake zu hören. Dort war die Bäckerei Hewekerl mit einem Ladengeschäft ansässig und Bäcker Schlumbohm aus Neuenkirchen sollte eigentlich schon lange einziehen. Das sei aber nun vom Tisch und ein anderer Mieter stehe in den Startlöchern, so Familie Schlake.

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