Überflutete Gräber

Randalierer auf Visselhöveder Friedhof

 Friedhofsgärtner Torsten Rosebrock vor einem der Wasserhähne, die von unbekannten Zeitgenossen immer wieder aufgedreht werden.
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Visselhövedes Friedhofsgärtner Torsten Rosebrock vor einem der Wasserhähne, die von unbekannten Zeitgenossen immer wieder aufgedreht werden. Das Familiengrab rechts wurde schon völlig überflutet.

Visselhövede – Überflutete Gräber, unterspülte Sandwege und aufgeregte Angehörige: Andächtige Ruhe auf dem Visselhöveder Friedhof ist zurzeit partout nicht angesagt. Denn unbekannte Zeitgenossen machen sich aktuell wieder einen zweifelhaften Spaß daraus, einige Wasserhähne, die überall auf der rund zwei Hektar messenden Ruhestätte verteilt sind, aufzudrehen und das kostbare Nass über Stunden laufen zu lassen.

„Und das ist mehr als ein Streich und schon gar keine Mutprobe“, schimpft Friedhofsgärtner Torsten Rosebrock. Denn das Wasser, das mit enorm viel Druck aus den Hähnen strömt, hat in den vergangenen Tagen auf zwei Familiengräbern für erhebliche Schäden gesorgt.

Rund 1200 Liter pro Stunde

Denn ungehindert haben die Fluten sich über die nahe am Hahn gelegenen Ruhestätten ergossen – aus jeder Zapfstelle schießen bis zu 1 200 Liter Wasser pro Stunde. Und das mit viel Power, damit auch die entlegensten Stellen des Areals mit Wasser versorgt werden können. „Klar, dass es zu Unterspülungen kommt, wenn das Wasser so herausströmt“, so Rosebrock, der natürlich auch sofort die Stadtverwaltung eingeschaltet hat. „Wir haben jetzt Anzeige bei der Polizei erstattet, denn die Haftungsfrage muss ja auch geklärt werden“, sagt Michael Drews, im Bauamt für das Friedhofswesen zuständig.

Bislang hat Torsten Rosebrock gemeinsam mit den Angehörigen der Verstorbenen die Gräber wieder „halbwegs in Ordnung bringen“ können. „Aber leider ist das Aufdrehen der Wasserhähne kein Einzelfall.“ Und ruckzuck würden die Schäden in die Tausende gehen, wenn erst mal teure Grabsteine aus dem Gleichgewicht gerieten.

Bereits im vergangenen Jahr hatte es einige Überflutungen gegeben, „seit einigen Wochen ist es nun wieder der Fall“, bilanziert Michael Drews. Er und Rosebrock vermuten, dass es sich um Leute handelt, die den Friedhof als Schleichweg nutzen und so im „Vorbeigehen mal eben den Hebel umlegen“.

Denn die insgesamt 27 Wasserhähne auf dem parkähnlichen Gelände mit altem Baumbestand sind nicht mit einem Knebelverschluss, sondern mit einem Einhebelschieber ausgestattet. „Die Technik haben wir vor einigen Jahren installiert, weil es viele Beschwerden vor allem von älteren Frauen gab, die den Knebel nicht öffnen konnten, wenn der Vorgänger ihn nach der Wasserentnahme zu fest zugedreht hatte“, erläutert Rosebrock.

Den Haupthahn nur am Tag zu öffnen, kommt auch nicht infrage: „Gerade in den Sommermonaten müssen die Blumen in den Pflanzschalen am besten frühmorgens oder spätabends gegossen werden, sonst ist das Wässern nicht effektiv und bei starker Sonneneinstrahlung würden die Pflanzen sogar geschädigt“, betont der Fachmann.

Friedhofsgärtner kann nicht rund um die Uhr Wache schieben

Auch eine Art Pfandsystem, das nur eine bestimmte Menge Wasser pro Chip oder Euro zulässt, sei „technisch sehr aufwendig“, und „auch überhaupt nicht nötig“, wenn es diese Randalierer nicht gäbe, so Rosebrock. Er habe zwar seine „Augen fast überall“ auf dem Friedhof und guckt „zurzeit auch einmal mehr und zu unterschiedlichen Zeiten, ob alles noch in Ordnung ist“, aber natürlich könne er nicht rund um die Uhr Wache schieben.

Es geht hoffentlich niemand achtlos an einem geöffneten Wasserhahn vorbei.

Michael Drews vom Bauamt

Darum setzen Rosebrock und Michael Drews jetzt auf die Hilfe der Bevölkerung: „Besucher, die entsprechende Beobachtungen gemacht haben, sollten sich bei der Friedhofsverwaltung unter der Telefonnummer 04262 / 301137 melden.“

Drews sieht es auch als eine „Selbstverständlichkeit an“, dass die Hähne wieder geschlossen werden, wenn jemand den ungenutzten Wasserstrahl entdeckt. „Es geht hoffentlich niemand achtlos vorbei.“

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