„Man kommt nicht davon los“

Über Wolle, Hunde und die Lämmerzeit: Heiner Gerken ist seit 20 Jahren Schäfer

Schafe und Lämmer im Stall.
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Im Winter kommen die meisten Lämmer zur Welt – eine arbeitsreiche Zeit für Schäfer.

Wittorf – 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag ist Heiner Gerken für seine rund 300 Schafe, davon 140 Mutterschafe, da. „Seit vier Wochen geht es hier hoch her, da kommen die Lämmer Schlag auf Schlag“, berichtet der Wittorfer Schäfer, der nach den ersten 80 noch 100 Jungtiere zusätzlich erwartet.

Vor 40 Jahren hat der ehrenamtliche Ortsbürgermeister zu seinem 17. Geburtstag zwei Schafe geschenkt bekommen. „Wenig später kam ein Bock hinzu“, erinnert sich Gerken, der vor 20 Jahren dann endgültig sein Hobby zum Beruf machte. Der Grund? „Ich bin total gerne draußen“, lautet die einfache Antwort des gelernten Fleischers, der mit 17 Jahren bereits Geselle war und in vierter Generation Hausschlachter ist.

„Heute schlachte ich nur noch für den Eigenbedarf. Die Tiere kommen zu einem sehr guten Bio-Schlachter nach Hemmoor“, informiert der Schäfer, der vor 20 Jahren seinen Betrieb auf Bio umstellte. „Meine Berufsbezeichnung lautet übrigens Tierwirt mit Schwerpunkt Schafhaltung“, informiert der 57-Jährige und lacht.

Lämmer werden vor allem im Winter geboren

Bevor er sich ganz den Vierbeinern widmete, restaurierte und handelte er mit Antiquitäten. Das ist nun zum Nebenerwerb geworden, für den er eigentlich keine Zeit mehr hat, denn die Schafe nehmen ihn ganz in Anspruch. „Sicherlich, man muss nicht bei jeder Geburt dabei sein, doch manchmal gibt es eine Steißlage.“

Mit etwa 300 Geburten im Jahr hat sich der Wittorfer zu einer guten Schaf-Hebamme entwickelt und weiß, wann seine Tiere soweit sind. „Im Winter ist für die Tiere die beste Zeit. Sie bringen am liebsten ganz in Ruhe ihre Lämmer zur Welt.“

Nach der Deckung sind die Mutterschafe fünf Monate trächtig. Ein bis zwei Lämmer wirft ein Mutterschaf, das mit ihrem Nachwuchs die erste Zeit im Stall verbringt. Mitte März kommen die Tiere, wenn das Wetter es zulässt, auf die Weide. In Gerkens Fall sind das 20 Hektar eigene Fläche, plus 30 Hektar gepachtetes Grünland.

Heu und Gras auf dem Speiseplan

Bei den bereits geborenen Lämmern ist bislang lediglich ein Problemkind dabei, das mit der Flasche versorgt werden muss. Nur die Mutterschafe bekommen nach der Geburt Getreide zugefüttert. Ansonsten fressen sie das ganze Jahr Gras und Heu. Salz und Mineralien stehen immer zur freien Verfügung.

Einmal im Jahr, je nach Wetterlage, von Mai bis Juli, kommen die Scherer, die sich die 140 Texel-Schafe, je bis zu 80 Kilo schwer, vornehmen. Ein echter Knochenjob und für den Schäfer ein Zusatzgeschäft. „Mit Wolle ist kein Geschäft zu machen. Die kommt in Säcke und wird abgeholt. In den 40 Jahren habe ich lediglich nur zwei Mal den Schurlohn rausbekommen.“ Dabei handele es sich um ein super Produkt. Nur, durch den Lohn und den Aufwand der Verarbeitung bleibt nichts übrig.

Gras und Heu steht im Wesentlichen auf dem Speiseplan der Tiere.

Ist der Wolf auch in Wittorf ein Thema? „Eher sind es die Hunde“, ärgert sich Gerken vor allem über die Uneinsichtigkeit auswärtiger Hundehalter. Vier Mal habe es im letzten Jahr Übergriffe mit Hunden gegeben, die vier tote Lämmer zur Folge hatten. „Wenn ich meinen Hund nicht zurückrufen kann, muss ich ihn an der Leine lassen – und zwar ganzjährig“, meint er.

Klar, zum Schäfer gehört ein Hütehund. Den Job erledigt Border Collie Bob. Ansonsten schützt ein Elektrozaun, der immer wieder versetzt werden muss und viel Zeit und Arbeit in Anspruch nimmt, die Tiere auf der Weide vor Isegrim zu bewahren. Trotzdem fordert Gerken eine Obergrenze für Wölfe. „Das ist dringend notwendig, wir haben hier in Niedersachsen die höchste Wolfsdichte. Das Verhältnis passt einfach nicht.“

Erlebnisse würden ein Buch füllen

In den 40 Jahren Schafzucht hat Gerken viel erlebt und könnte ein Buch darüber schreiben. Viele negative Ereignisse – von Tschernobyl, über ausgebüxte Schafe auf der Straße bis hin zu Silvesterböller –, aber auch viel Positives würden es füllen. „Die Lammzeit ist total klasse – wie Ostereier suchen. Wenn man plötzlich morgens bei einem Schaf Zwillingslämmer beim Säugen entdeckt, geht einem schon das Herz auf.“

Nach wie vor mache ihm der Job Spaß. „Man kommt einfach nicht davon los.“ Zum Glück hat Heiner Gerken eine Vertretung gefunden, sodass der zweifache Familienvater auch mal im Sommer mit Ehefrau Heike in den Urlaub fahren kann. „Das idyllische Bild vom Schäfer, der mit Grashalm im Mund auf der Weide bei seinen Schafen liegt, gibt es nicht. Es gibt immer etwas zu tun – und das 365 Tage im Jahr“, weiß er.  

Aus Naturverbundenheit ist Heiner Gerken Schäfer geworden. Er verbringt gerne draußen Zeit, auch im Winter.

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