Stadtoberamtsrat und Techniknarr geht nach 41 Jahren im Rathaus in den Ruhestand

Twiefel nimmt Abschied von der „zweiten Familie“

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Ein Platz, an dem Klaus Twiefel nur allzu gerne sitzt und jetzt auch die Zeit dafür hat: Am Steuer seines Cabriolets.

Hiddingen - Von Jens Wieters. Er hat einen Stadtdirektor erlebt, drei Bürgermeistern und Mitgliedern von neun Stadträten das Einmaleins der Kommunalverwaltung beigebracht sowie unzählige Visselhöveder Haushalte verabschiedet. Damit ist jetzt Schluss: Denn Stadtoberamtsrat Klaus Twiefel ist ab Sonntag offiziell Pensionär.

„Das ist aber gar nicht so schlimm“, lacht der Hiddinger, der über mehr als vier Jahrzehnte das Visselhöveder Rathaus als seine zweite Heimat und die Mitarbeiter und Kollegen als zweite Familie betrachtet hat. Dieser Satz kommt dem 63-Jährigen aber eher halbherzig über die Lippen – zu gerne hat er doch seinen Dienst versehen, der für ihn immer mehr war als nur ein Job. „Öffentliche Feste oder private Feiern: Man wird immer angesprochen. Aber das hat mir gefallen und ich habe gerne geholfen oder Hinweise gegeben.“

„Ich liebe alles, was smart ist“

Der ab Sonntag ehemalige Chef des Visselhöveder Hauptamts und der Kämmerei hat aber im Laufe der Jahre nicht nur mit Zahlen und Satzungen zu tun gehabt, sondern packte auch kräftig mit an. So erinnert sich Twiefel gerne an einen kalten Wintermorgen in den 1980er-Jahren als der Schnee über Nacht meterhoch gefallen war: „Da haben wir mit einem städtischen Unimog die Straßen geräumt. Willi Baumbach saß am Steuer und ich habe den Schneepflug bedient. Es war an dem Morgen jede Hand der Verwaltung gefordert.“

Der technikvernarrte Verwaltungsmann, „ich liebe alles, was smart ist: Smart-Home, Smart-Watch, Smart-Phone und Smart-TV“, wollte eigentlich Landwirt werden, weil ihn schon immer die großen Geräte wie Trecker oder Mähdrescher gereizt haben. „Außerdem hatten wir auf dem Böschenhof 20 Pferde und eine Hofschänke.“ Aber es sollte ganz anders kommen: 1971, just in dem Jahr, als er seine spätere und jetzt immer noch Ehefrau Gitta kennengelernt hat, begann der damals 17-Jährige eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei den Honig- und Bonbonwerken Winkelmann. „Ich durfte meinen Chef Dieter Winkelmann, der mir die große Welt gezeigt hat, auf Dienstreisen begleiten und natürlich seine Autos bewundern wie den Lamborghini Espada, den es damals sehr selten gab.“ Von Winkelmann habe er auch den Autospleen übernommen, der ihn auch heute noch nicht loslässt. „Stundenlang kann ich über Marken und Modelle schnacken“, lacht Twiefel und wischt ein Herbstblatt von seinem schwarzen Cabriolet mit dem Stern vorne dran.

Mehr Zeit für Pflege seiner Autos

Für die Pflege seiner Autos und einer Vielzahl von anderen Motorgeräten hat der zweifache Familienvater jetzt mehr Zeit.

Das war aber nicht immer so, denn nach der Ausbildung ging es zur Bundeswehr, in – natürlich – die Visselhöveder Kaserne. „Dort war ich im Stabsdienst tätig und bei Julius Holtz habe ich Teamgeist, Loyalität und Verantwortung gelernt.“ All diese Eigenschaften wurden gebraucht, als Twiefel 1976 Angestellter der Visselhöveder Stadtverwaltung wurde. Es folgte ein Abschluss als Diplom-Verwaltungswirt und der Aufstieg in den gehobenen allgemeinen Verwaltungsdienst.

In den vielen Jahren hat Twiefel die Entwicklung der Stadt erlebt und mitgestaltet: „Das Anlegen der Visselseen, die Errichtung des Hauses des Gastes, der Ausbau des Tourismusgeschäfts, die Erweiterung des Rathauses und die Eröffnung des Hallenbads sind sicherlich einige der Höhepunkte“, zählt Twiefel auf. Aber auch nicht so schöne Dinge hätten sich in den Jahrzehnten in Visselhövede abgespielt: Das Feuer in der Hauptschule, mehrere Überschwemmungen in der Kernstadt und in den Dörfern und das Sinken der Einwohnerzahl auf unter 10. 000.

Zwischendurch war Twiefel sogar auch mal Chef im Rathaus: Nämlich als Bürgermeister Jens Kullik Visselhövede 2006 verlassen hatte und Bürgermeisterin Franka Strehse erst noch gewählt werden musste. „Damals war ich ihr Gegenkandidat und wäre auch gern Bürgermeister geworden, aber die Wähler haben halt anders entschieden.“

Irgendwie komisch sei es auch gewesen, dass er als Soldat damals in die nagelneue Kaserne eingezogen war und „ich als Verwaltungsmann mitgemacht habe, sie wieder zu schließen“, sagt Twiefel, der jetzt viel Zeit mit seiner Frau und den vielen Freunden verbringen will, Kurzreisen plant und „ab und an auch mal“ bei seiner zweiten Familie vorbeigucken wird.

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