Turbolader der Evolutionstheorie

Theater Metronom fast bereit für Premiere von „Blackout“

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Nachdenklich, philosophisch, absurd: Adjektive, die die Eigenproduktion „Blackout“ ganz gut beschreiben.

Hütthof - Trotz Spielpause: Die vielen Autos auf dem Hof vor dem Theater Metronom verraten rege Betriebsamkeit. Auf der Bühne steht ein Gestell aus Metallstangen und Schrott in Form eines Cockpits, Marke Jungentraum. In der Mitte: ein alter Zahnarztstuhl. Auf dem schraubt sich Erwing Rau lustvoll in die Höhe, auch stimmlich, als er die nahende Apokalypse kommentiert.

„Nicht ganz so viel Dramatik“, so die Regieanweisung von Andreas Goehrt aus dem Dunkel. Keine Frage, hier wird geprobt. Am Freitag kommender Woche hat die neue Eigenproduktion „Blackout“ im Theater Metronom Premiere.

Stimme aus dem Off holt in Hier und Jetzt zurück

Noch sitzen nicht alle Texte – wie auch, die letzten sind erst am Vorabend entstanden. Wie schon beim vorigen Stück „Meeresrauschen“ stand zunächst nur das Szenario des modernen Märchens: die Wegoptimierung der Erde durch künstliche Intelligenz.

Schöne neue Welt? Abstellen lässt sich die Stimme aus dem Off jedenfalls nicht, die das Geschehen auf der Bühne bestimmt. Dort kreisen die Protagonisten – neben altbekannten Gesichtern wie Erwin Rau, Jan Fritsch und Karin Schroeder neu an Board: die Bremerin Sissi Zängerle – in ihrem abgewrackten Weltraumschiff um die Erde. Während die einen sich noch Sorgen machen, dass irgendwer nach der Zerstörung der Erde ja auch wieder aufräumen muss, denken die anderen über eine neue Weltordnung nach, träumen vom Neuanfang und davon, dass die Liebe regiert, bis Computerstimme Helga sie ins Hier und Jetzt zurückholt. Da hat der „Turbolader der Evolutionstheorie“ schon längst die Kontrolle über Raumkapsel und Menschheit übernommen – nur ihre letzten Vertreter kommen erst langsam hinter diese bittere Wahrheit.

Herrlich alberne Weltraumreise

Nachdenklich, philosophisch, absurd – und zuweilen auch spannend verspricht das Stück zu werden, etwa, wenn alle Systeme ausfallen und der Zusammenstoß mit einem Klumpen Weltraumschrott droht. Und manchmal auch herrlich albern: Als die Probe der „Sternenstaub“-Szene an der Reihe ist, ertönt ein begeistertes „Jihaah!“ aus Richtung von Regieassistentin Tomke Herren. Der in Gemeinschaftsarbeit entstandene A-cappella-Song im besten Schlagerstil zur Klangstabbegleitung, angestimmt im Tiefenrausch der ausfallenden Luftzufuhr, ist aber auch zu schön.

Goehrt unterbricht: Erwin hat sich zu früh in seinem Pilotenstuhl nach oben gefahren, der Countdown kam zu früh. Szene auf Reset. Noch eine Woche, dann sitzen auch diese Feinheiten – man darf auf die Premiere gespannt sein.

Restkarten für die Vorstellungen am Freitag, 20. Oktober, Freitag und Samstag, 27. und 28. Oktober, sowie Sonntag, 22. und 29. Oktober, sind telefonisch unter 04262 /1399 oder per E-Mail an buero-@theater-metronom.de zu bestellen. Weitere Informationen sind im Internet erhältlich.

hey

www.theater-metronom.de

Im Interview

Regisseur Andreas Goehrt erzählt über sein neues Stück „Blackout“.

Herr Goehrt, die Thematik der vorigen Metronom-Eigenproduktion „Meeresrauschen“, nämlich das der Flüchtlinge, war naheliegend. In Ihrem neuen Stück beschäftigen Sie sich mit künstlicher Intelligenz. Wie kam es dazu?
Andreas Goehrt: Den Anstoß hat ein Interview mit Stephen Hawking gegeben, der seine Ängste vor den Auswirkungen des unbedachten Einsatzes von KI schilderte. Ab dann sind wir immer wieder mit der Nase auf das Thema gestoßen worden, zuletzt in einer Pressemeldung. Da hatten zwei Spracherkennungssysteme bei Facebook angefangen, sich zu unterhalten und eine eigene Sprache entwickelt – und mussten abgestellt werden, um gestoppt zu werden.

So ist es ja auch im Stück, wo die künstliche Intelligenz die Führung übernimmt…
Goehrt: Ja, diesen Gedanken haben wir weitergesponnen und überhöht. Was ist, wenn die Systeme mehr uns beherrschen als wir sie? Da die Systeme auf Effizienz ausgelegt sind, ist es von da aus nicht mehr weit bis zum Gedanken: „Der Mensch ist ein Störfaktor und muss eliminiert werden.“

Wie haben Sie die Geschichte entwickelt? Haben andere Theaterstücke zum Thema eine Rolle gespielt?
Goehrt: Das war dieses Mal in der Tat etwas anders als beim letzten Mal, wo wir sehr viel Material hatten, unter anderem Interviews mit Schleppern. Das Thema ist nicht neu, aber in der Theaterwelt nicht so präsent. Wir haben uns auch von Filmen wie „2001 – Odyssee im Weltraum“ inspirieren lassen.

Was ist zu erwarten: Eine Dystopie?
Goehrt: Eher ein Märchen oder eine Groteske, schon durch die Überhöhung. Bei aller Bedrängnis und bitterer Wahrheit ist auch dies ein Stück mit beiden Seiten, heiter und dramatisch. Und auch eine Utopie.

In Ihren Stücken wählen Sie ja häufig einen Blickwinkel von außen – sei es vom Dach oder aus dem Keller…
Goehrt: Ja, das stimmt. So weit weg wie dieses Mal waren wir allerdings noch nie!

Und wer ist bitte Helga?
Goehrt: Die Stimme aus dem Off, die die künstliche Intelligenz darstellt, gehört zur zwölfjährigen Charlotte. Wir fanden es sehr reizvoll und passend, eine Kinderstimme zu wählen: Diese Unschuld, Distanz und Sachlichkeit – sie wertet nicht.

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