Anwohner des Visselhöveder Friedhofs nutzen Abkürzung

Trampelpfad übers Familiengrab

Der Trampelpfad führt quer über Gräber auf dem Visselhöveder Friedhof
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Der Trampelpfad führt quer über das Stelenplateau. Wer noch hüpfen kann, nimmt dann den großen Absatz links. Wem das zu sportlich ist, der geht über das Familiengrab rechts.

Visselhövede – Die Spur führt nicht nach Berlin, so wie einst ein großer Kino-Hit hieß, sondern die Spur führt quer über eine Grabstelle auf dem Visselhöveder Friedhof. Genau genommen ist es keine Spur, sondern ein Trampelpfad. Und den nutzen offenbar nicht wenige Leute aus dem Baugebiet Schwitscher Straße und Heelsener Kirchweg als Abkürzung, um quer über den Friedhof schneller zur Schule zu kommen oder auch die Innenstadt ohne den Umweg über die Soltauer Straße oder Auf der Loge zu erreichen.

Das passt natürlich nicht jedem. Vor allem nicht den Pflegern der Grabstellen und auch Irene Becker von der WiV-Fraktion im Stadtrat nicht. „Ich wurde bereits mehrfach auf das Problem angesprochen. Zuletzt von einer Bekannten, deren Angehörige genau dort zur letzten Ruhe gebettet werden soll, wo aktuell noch der Trampelpfad entlang führt“, so die Rentnerin. Für sie gibt es nur eine Lösung: „Es muss dringend ein Zaun dort gezogen werden. Dann ist der Spuk hoffentlich vorüber.“

Der städtische Friedhof ist zwar von drei Seiten von einem Maschendrahtzaun beziehungsweise am Haupteingang von einem hübsch gestalteten Tor umgeben, aber eben von der nordöstlichen Seite nicht. Dort gab es auch nie eine Einfriedung, weil die Flächen dahinter ehemals für eine Erweiterung des Friedhofs gedacht waren und lange Zeit brach lagen.

Irene Becker zeigt auf die Abkürzung, die von vielen Anwohnern genutzt wird. „Das muss doch nicht sein“, so das WiV-Stadtratsmitglied.

Diese Pläne hatte die Stadt vor geraumer Zeit aber aufgegeben, weil die Nachfrage nach Grabstätten immer rückläufiger war. Der Grund dafür: Die Bestattungskultur hat sich geändert. Immer weniger Angehörige von Bestatteten wollen den immensen Pflegeaufwand eines konventionellen Grabs auf sich nehmen. Der Trend geht darum zur Beisetzung in einer Urne. Und eine Urne braucht nun mal weniger Platz als ein Sarg. Darum wurde das Areal zur Bebauung freigegeben – ohne Zaun.

Auf dem Plateau haben Angehörige die halbanonymen Grabstellen liebevoll mit Steinen, Grablichtern und Blumen dekoriert. Der Pfad führt mitten durch.

„In der Grenzbepflanzung gibt es sehr große Lücken, sodass es ein Leichtes ist, dort durchzuschlüpfen“, hat sich Irene Becker vor Ort ein Bild gemacht. In einer Ecke des Friedhofs steht eine hölzerne Stele, an der die Namen einiger Gestorbener angebracht sind. Ringsherum haben Angehörige ein paar Steine mit Aufschriften wie „In Liebe“ oder „Wir vermissen Dich“ drapiert.

Daneben stehen einige Grablichter und auch mal ein paar Blumen in einer Vase – und mittendurch führt der Trampelpfad. „Und das geht doch nicht, denn auch das ist doch eine Ruhestätte, wenn auch etwas anders als gewohnt“, so Becker.

Die, die den Trampelpfad nutzen und noch ein wenig sportlicher sind, hüpfen einfach den etwa 40 Zentimeter hohen Absatz vom Stelen-Plateau auf den normalen Friedhofsweg. Wer das nicht kann, tritt weniger tief auf ein Familiengrab, um von dort auf den Weg zu gelangen – den Spuren nach zu urteilen sind das nicht wenige Leute. „Und das finde ich unverschämt“, appelliert Becker an die Bewohner des Baugebiets, doch besser einen kleinen Umweg zu nehmen, statt die Totenruhe zu stören. Aber noch mehr drängt sie die Verwaltung, Abhilfe zu schaffen.

Und Bauamtsleiter Gerd Köhnken versprach in der vergangenen Ratssitzung, dass er sich schnell darum kümmern werde. „Der Zaun wurde damals wohl schlicht und einfach vielleicht auch wegen der Bepflanzung als nicht notwendig angesehen. Das werden wir ändern.“

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