Aktionsbündnis gegen Gasbohren ist zufrieden / Bleckwedel blockt

„Totenstille“ rund um Vermilion

Der Protest ist vor allem im Heidekreis in vielen Dörfern sichtbar.
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Der Protest ist vor allem im Heidekreis in vielen Dörfern sichtbar.

Bleckwedel/Dorfmark – Vor jetzt fast zwei Jahren sollte die Genehmigungsphase für die Erkundungsbohrung des Gaskonzerns Vermilion Energy Deutschland beendet sein und vor gut einem Jahr sollte sich der Bohrer auf der Suche nach Erdgas bis zu 4 600 Meter tief in die Erde bei Bleckwedel und an einigen benachbarten Standorten rundum Bad Fallingbostel in die Erde fressen. Das ist bisher ausgeblieben.

„Sicherlich auch ein Stück weit unser Erfolg“, jubelt das Aktionsbündnis gegen Gasbohren, das sich nach dem Bekanntwerden des Vermilion-Engagements in der Region gegründet hatte. Mit den Bohrungen will das Unternehmen Vermilion prüfen, ob sich Gas unter der Erde befindet und ob es sich auch lohnt, den fossilen Energieträger zu fördern.

Ein Produktionstest, der für dieses Jahr geplant war, sei jedoch in weite Ferne gerückt, wie die Bohrgegner den Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil (SPD) während eines Besuchs in Dorfmark informierten. Denn für Vermilion sieht es an allen vier geplanten Standorten in Kroge, Dorfmark, Oerbke und Bleckwedel offenbar gar nicht gut aus: In Bleckwedel bei Visselhövede habe Vermilion laut Aktionsbündnis immer noch keinen geeigneten Bohrplatz beziehungsweise keinen Flächeneigentümer gefunden, der verpachten will. Das bestätigt Heiko Twiefel aus Egenbostel, der Ortsvorsteher der Visselhöveder Gemarkung Bleckwedel ist: „Seit rund eineinhalb Jahren herrscht absolute Totenstille. Vielleicht auch darum, weil Vermilion bei uns niemanden findet, der Grundstücke für eine Bohrung zur Verfügung stellt.“

Er selber habe auch Flächen in dem von Vermilion favorisierten Bereich, aber „der Unterhändler, der uns Zuhause besucht hatte, hat eine Absage bekommen, weil ich und die gesamte Familie dieses Vorhaben nicht gut finden“.

Der bestehende Bohrplatz in Kroge sei vom Verpächter gekündigt worden, aber die Kündigung sei von Vermilion nicht angenommen worden, so das Bündnis. Das Landesbergamt (LBEG) als Aufsichtsbehörde habe Vermilion aber die Aufsuchungserlaubnis zugesprochen. „Interessant ist dabei, dass diese Bohrung laut aktuellen Beschluss des Kreistags Heidekreis zur Raumordnung im Vorranggebiet für Trinkwasser liegt“, so die Gegner der Erkundungsbohrungen.

Der Bohrplatz in Dorfmark sei vom Verpächter ebenfalls gekündigt worden, Vermilion habe wieder nicht angenommen. Dabei spiele aber die Wegegemeinschaft den Bohrgegnern in die Karten, denn ohne deren Zustimmung kann der Konzern den gepachteten Bohrplatz per Landweg nicht erreichen.

In Oerbke stehe Vermillion im Austausch mit der Bundeswehr, die ein Betretungsrecht für ihre Grundstücke für dortige Bohrvorhaben gestatten müsse. Dieses Recht sei aktuell noch in Prüfung. Es sei unklar, wann mit einem Ergebnis zu rechnen ist.

Während des vorangegangenen Klingbeil-Treffens sei es auch um die Petition des Aktionsbündnisses und die Unterstützung des Bundestagsabgeordneten bei der Organisation von Gesprächen mit Fachpolitikern in Berlin gegangen. „Die Petition ist wichtig und sie wird helfen, die politische Debatte voranzubringen“, unterstrich der Bundestagsabgeordnete.

Klingbeil berichtete zudem, dass er auf Bundesebene an einer Änderung des Bundesbergrechts arbeite, die eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung vorsehe. Dazu führe er in Berlin Gespräche. „Eine Reform des Bergrechtes ist zwingend erforderlich und sie muss die Einführung einer verpflichtenden Umweltverträglichkeitsprüfung beinhalten“, unterstrich der Bundestagsabgeordnete. Die Änderung des Bergrechts sei auch eine der beiden Hauptforderungen der laufenden Petition des Aktionsbündnisses, machten Vertreter in Dorfmark deutlich.

Und der Konzern Vermilion? Der hält sich auf Anfrage unserer Zeitung sehr bedeckt, was das Engagement im Bereich Bad Fallingbostel/Bleckwedel angeht. „Für den Projektstandort auf dem Gebiet der Gemeinde Visselhövede laufen derweil noch die Vertragsverhandlungen beziehungsweise die Suche nach einem geeigneten Grundstück“, berichtet Sandra Finger, Leiterin der Vermilion-Unternehmenskommunikation. Dasselbe gelte für den Raum Oerbke. „Sobald wir hier einen Schritt weiter sind, werden wir im Abgleich mit unserem operativen Tagesgeschäft und anderen geplanten Arbeiten eine zeitliche Planung konkretisieren.“ Insgesamt sei es nicht untypisch, dass sich Projekte aus betrieblichen oder genehmigungsrechtlichen Gründen verschieben können. Das breite Portfolio von Vermilion in der Exploration und Produktion in Niedersachsen erlaube es dem Konzern in solchen Fällen, andere bereits geplante Maßnahmen vorzuziehen.

Bündnis gegen Gasbohren ist zuversichtlich

Das Aktionsbündnis gegen Gasbohren aus der Region Bad Fallingbostel/Visselhövede ist sehr zuversichtlich, was die Verhinderung der Erkundungsbohrungen von Vermilion angeht: „Ein kollektiver Widerstand der Grundeigentümer an allen vier Standorten zeigt Wirkung: 16 000 Unterschriften wurden gesammelt, Resolutionen gegen neue Bohrungen der betroffenen Kommunen wurden beschlossen. Eine ganze Region wehrt sich gegen neue Bohrungen.“

Das zeige sich auch bei der Änderung des Regionalen Raumordnungsprogramms des Heidekreises: Das habe der Kreistag geändert, wonach Förderbohrungen unter anderem nicht mehr in Wasserschutzgebieten oder Vorranggebieten zur Trinkwassergewinnung stattfinden dürfen. Darüber hinaus soll es für jedes Bohrvorhaben in Zukunft eine Umweltverträglichkeitsprüfung, ein Grundwassermonitoring und Umluftmessungen geben.

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