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Visselhövede wird zum Zentrum für Tiny Houses

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Von: Jens Wieters

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Blick ins Tiny House mit Sofa, Schrank und Küche.
Alles, was man braucht auf engstem Raum. © Rolling Tiny House GmbH

Tiny House: Das Visselhöveder Wüstenhof-Gelände an der Straße nach Buchholz wird Stück für Stück zu einem Zentrum für Mikrohäuser. Jetzt ist dort eine Mini-Bauernkate im Fachwerk-Stil zu bestaunen, für die es sogar eine KfW-Förderung wie für ein „echtes“ Haus gibt.

Visselhövede – Zugegeben, man muss es mögen, auf engsten Raum zu leben, nur drei bis vier Schritte vom Fernsehsessel bis zur Dusche zu gehen und ebenso viele zu brauchen, um ins Bett zu krabbeln, wobei man an der Küchenzeile vorbei muss. Aber: Mikrohäuser sind im Trend. Und im Visselhöveder „Heidedorf Visseltal“ an der Straße nach Buchholz steht jetzt eine Version dieser Tiny Häuser, für die es beim Kauf sogar noch Geld dazu gibt.

Tiny House kaufen: Die Mini-Häuser sind im Trend

„Denn das Zwei-Zimmer-Minihaus ganz im Stil einer klassischen Bauernkate mit typischer Fachwerkfassade ist das erste Tiny House überhaupt, das über die KfW-Bank mit bis zu 18 000 Euro nicht rückzahlbarem Tilgungszuschuss förderfähig ist“, teilt die PSD Bank aus Hannover mit, die nach eigenen Angaben seit Jahren erfolgreich die Finanzierung dieser Häuser übernimmt. „Gemeinsam mit der Rolling Tiny House GmbH aus Neumünster haben wir ein besonders zinsgünstiges Tiny-House-Hypothekendarlehen entwickelt“, heißt es weiter. Damit stuft die Bank erstmals Tiny Houses als vollwertige Wohngebäude ein, womit der Weg für „individuelle Baufinanzierungslösungen freigemacht“ werden konnte.

Der entscheidende Durchbruch sei dazu der Firma aus Schleswig-Holstein gelungen, die mit ihrer neuesten Modellreihe, der Tiny Kate, erstmals ein mobiles Mikrohaus mit weniger als 30 Quadratmetern Wohnfläche so konstruieren konnte, dass es die hohen ökologischen Anforderungen eines KfW-55-Energieeffizienzhauses erfülle. „Wir haben lange getüftelt und probiert, bis wir den entsprechenden Wärmeschutznachweis mit ökologischer Nachhaltigkeit, der Bedingung ist für eine KfW-55-Förderung, erreichen konnten“, sagt Peter Pedersen, Geschäftsführer der Tiny House GmbH. Nach seinen Angaben sei sein Unternehmen so ziemlich das einzige am Markt, das diese Entwicklungsstufe erreicht habe, „rund 95 Prozent der anderen Produkte sind quasi nur Wohnwagen“.

Tiny-House-Gelände in Visselhövede soll noch wachsen

Pedersen hat übrigens auf dem ehemaligen Wüstenhof-Gelände im Visselhöveder Norden noch eine Menge vor: „In Zusammenarbeit mit dem Eigentümer des Areals, Kai Stockhausen, wollen wir dort nicht nur die große Ausstellung unserer Häuser weiter ausbauen, sondern Stockhausen wird demnächst auch unser Vertriebspartner, sodass Visselhövede eine Anlaufstation für Kunden aus ganz Deutschland sein wird.“ Der lobt die Gegend rund um den Badesee direkt am Visselbach in den höchsten Tönen. „Wir haben zum Beispiel Kunden aus Bayern, die eigentlich ihr Tiny House mit nach Süddeutschland nehmen wollten, aber ihnen hat es in Visselhövede so gut gefallen, dass sie auf dem Gelände geblieben sind.“

Dort gibt es bereits jetzt 14 Grundstücke exklusiv für Rolling Tiny Houses sowie 13 weitere für die etwas größeren Rolling Bungalows. „Alle erforderlichen Anschlüsse für Strom, Wasser und Abwasser werden auf jedes einzelne Grundstück gelegt, sodass jeder Hausbesitzer seine eigenen Verträge mit den zuständigen Versorgern schließen kann“, preist die Firma auf ihrer Website an. Ein rechtsgültiger Bebauungsplan, offizielle Baugenehmigungen und langfristige Pachtverträge böten eine Grundlage für jeden Hauseigentümer sowohl für die private Nutzung als auch für eine Ferienhaus-Vermietung.

Die Minihäuser haben allesamt Räder und theoretisch könnten die Eigentümer sie einfach per Lkw mitnehmen, falls sie mal ihren Wohnort wechseln wollen. „Aber das ist eher was für Romantiker, denn fast alle lassen ihr Tiny House dort stehen, wo es von uns platziert worden ist“, so Pedersen. Aber dennoch müssten seine Produkte die Vorgaben des Baurechts erfüllen und obendrein eine Straßenzulassung besitzen.

Was für die Generation Ü50 – nachdem die Kinder ausgezogen sind

„Aber im Grunde ist diese Art zu wohnen eher was für die Ü50- oder Ü60-Menschen, die ihre großen Häuser verkaufen, weil die Kinder ausgezogen sind, und sie sich darum reduzieren wollen, um nicht so viele Quadratmeter zu putzen und üppige Gärten zu pflegen“, weiß Pedersen aus Erfahrung. Aber erst einmal freut er sich, dass „unsere jahrelange Forschungs- und Entwicklungsarbeit von Erfolg gekrönt ist und wir die Förderfähigkeit erreicht haben, denn so bekommen wir ein noch breiteres Spektrum an Interessenten“.

Bisher habe es nur eine Möglichkeit der Finanzierung eines Mini-Hauses über einen Privatkundenkredit gegeben, weil es bislang nur als Mobilie eingestuft worden sei, so die PSD Bank, die aber „schon frühzeitig ein Produkt für die Finanzierung eines Tiny Houses entwickelt“, habe, das bereits eine Mischung aus Verbraucherdarlehen und Baufinanzierung darstelle. „Eine klassische Immobilienfinanzierung, die in der Regel durch Grundpfandrechte besichert ist, schied aber auch weiterhin aus – bis jetzt.“

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Allerdings: „Tiny House-Bauherren sollten sich mit der Beantragung einer KfW-55-Förderung beeilen, weil diese nur noch bis zum 31. Januar eingereicht werden kann. Danach sind nur noch die Effizienzhaus-Stufen 40 Plus oder 40 förderfähig“, schränkt Pedersen ein.

Tiny Houses sind im Trend: In Niedersachsen gibt es viele Mini-Haus-Projekte, die diesen Wunsch erfüllen wollen.* kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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