Keine „One-Woman-Show“

Theaterherbst des Metronom startet mit einem Abend der Vernetzung

Metronom-Betreiberin Karin Schroeder im Theater Metronom
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Metronom-Betreiberin Karin Schroeder will das Theater unbedingt erhalten.

Wohin geht die Reise vom Theater Metronom? Darüber hat Eigentümerin Karin Schroeder in den vergangenen Wochen zahlreiche Gespräche geführt. Fest steht erst einmal: Es gibt einen Theaterherbst – und zum Auftakt am Mittwoch einen Stammtisch.

Hütthof – Die rostbraune Stahltür unter dem Schild „Metronom“ ist von einer dicken Efeuschicht bedeckt. Kein Wunder, hat das freie Theater in den vergangenen eineinhalb Jahren doch fast ausschließlich draußen auf dem Piratenplatz in Hartböhn gespielt. Im Foyer türmen sich Programmhefte – „fast alle für die Tonne“, meint Eigentümerin Karin Schroeder lakonisch. Die wenigsten dort aufgelisteten Stücke wurden tatsächlich auch gespielt.

Wir müssen ausloten, wo man netzwerken, sich helfen und die Kultur wieder auf die Beine bringen kann. Denn wir alle müssen Kultur wieder lernen.

Karin Schroeder

Tonne ist indes ein gutes Stichwort – die vier formatfüllend vor der Theke platzierten Weinfässer werden beim ersten Termin des Theaterherbstes eine zentrale Rolle spielen. Dort versammeln sich am Mittwoch, 3. November, ab 19 Uhr Politiker, Kulturschaffende, Wirtschafts- und Pressevertreter zum „Talk & Tummelplatz“-Stammtisch. Unter der Moderation des Hamburger Regisseurs Michael Bandt soll es jedoch nicht um Kontroversen gehen, sondern eher ein Vernetzungstreffen mit dem Ziel: „Ausloten, wo man netzwerken, sich helfen und die Kultur wieder auf die Beine bringen kann“ – denn dass „wir alle wieder Kultur lernen müssen“, ist der 60-jährigen Schauspielerin und Regisseurin klar.

Sie hat die Zeit nach dem Theatersommer genutzt, um die Fühler auszustrecken. Zahlreiche Kulturschaffende sind in Hütthof ein- und ausgegangen, viele Gespräche wurden geführt – darüber, wohin die Reise des Theaters, aber auch der gesamten Szene gehen kann.

Hilfe von Technikern und Vertrieblern

Dabei ist Corona nur ein Teil der Herausforderung. Nach dem Ausscheiden von Partner Andreas Goehrt, laut offizieller Begründung aus gesundheitlichen Gründen, muss sich Schroeder neu aufstellen. Denn als „One-Woman-Show“ will sie das vor mehr als 20 Jahren gegründete Metronom auf keinen Fall weiterführen. „Das geht auch gar nicht!“ Schon jetzt hilft ein Team aus Technikern und Vertrieblern im Büro und beim Licht.

Aber auch die Frage einer Nachfolge steht, wenn auch noch weit entfernt, im Raum. Oberste Prämisse: „Das Metronom muss bleiben“. Interessenten gäbe es laut Schroeder schon. Viele der Besucher geraten ins Schwärmen angesichts eines gut etablierten Theaters mit treuem Stammpublikum auf Augenhöhe, regelmäßigen Förderern und viel Unterstützung durch Helfer. Die haben mit angepackt, um den Theatersommer zu ermöglichen. Als „rettende Engel“ bezeichnet Schroeder die Kuchenbäcker des Vereins „EigenArt“, den Heimatverein Visselhövede und die Feuerwehr Brochdorf – stellvertretend für viele.

Der Kontakt zu den neuen Nachbarn, Zsuzsa und Moritz von Zeddelmann, mit dem sie schon mehrere Stücke realisiert hat, auch eine himmlische Fügung? „Auf jeden Fall ein großes Glück“, meint die Schauspielerin pragmatisch.

Eigenproduktionen und Gastspiele im Programm

Von Zeddelmann wird mit einer „Indoor“-Version des Schimmelreiters auch den Theaterherbst am 5., 6. (je 20.30 Uhr) und 7. November (19.30 Uhr) eröffnen. Ein spannendes Unterfangen, lebte die Aufführung draußen doch davon, „dass wir gegen das norddeutsche Grau angespielt haben.“ Das Wetter, auch darüber muss man im Resümee des Theatersommers sprechen. Nur zwei Mal mussten Vorstellungen ausfallen, „aber wir haben auch ein fantastisches Publikum“, konstatiert Schroeder und meint damit nicht nur das Ausharren unter Folien und Regenschirmen, sondern auch so manchen geduldig abgewarteten Regenschauer vor dem Start der Show.

Wie es weitergeht? Das Programm für den Theaterherbst mit Eigenproduktionen und Gastspielen steht. Der Erfolg und das Überleben des kulturellen Kleinods wird in Zukunft wohl davon abhängen, inwieweit die Vernetzung gelingt und Synergien geschaffen werden können. Erste Schritte sind gemacht: Die Heide-Express-Busse fahren mit Metronom-Flyern an Bord durch die Lande, Pläne für Gasttourneen werden gesponnen. Und vielleicht wird beim Brainstorming am kommenden Mittwoch (Eintritt frei) ja auch die ein oder andere Idee geboren.

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