Visselhövedes Atemschutzgeräteträger stellen sich Belastungstraining

Test für die Helden der Feuerwehr

Der Prüfer kennt kein Pardon: Der schwere Kanister muss 25 Mal hochgezogen werden.
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Der Prüfer kennt kein Pardon: Der schwere Kanister muss 25 Mal hochgezogen werden.

Nindorf/Visselhövede – 100 Meter laufen mit je einem 20 Kilo-Kanister an den Handgelenken, dann ruckzuck in voller Montur die Treppenstufen möglichst rasch hinaufhetzen, um oben angekommen, wieder runter sprinten, um anschließend durch einen Parcours von Bänken und Tischen zu kriechen: Die 64 Atemschutzgeräteträger der Feuerwehren des Visselhöveder Stadtgebiets mussten an den vergangenen beiden Samstagen auf der Hofanlage der Familie Lüdemann in Nindorf bis an die Grenzen ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit gehen, um die vorgeschriebene Belastungsübung zu bestehen.

„Diese Fitness ist auch unbedingte Voraussetzung, um überhaupt als Atemschutzgeräteträger eingesetzt werden zu können“, informiert Jonas Hermonies, der stellvertretende Feuerwehrsprecher. „Denn diese Jungs gehen im Ernstfall dahin, wo es wehtut und wo es auch richtig gefährlich werden kann.“ Darum sei neben einer guten Konstitution auch absolute Teamfähigkeit Bedingung für den Einsatz.

Da solche heißen Fälle aber zum Glück nicht an der Tagesordnung stehen, müssen die Helden der Feuerwehr aber regelmäßig trainieren, um zum Beispiel dafür gerüstet zu sein, in ein völlig verqualmtes, lichterloh brennendes Haus vorzudringen, um Menschenleben und Sachwerte zu retten.

„Darum ist jeder Atemschutzgeräteträger verpflichtet, sich einmal im Jahr einem sogenannten Belastungstest in einer Atemschutz-Übungsanlage zu stellen“, so Hermonies. Das verlange die Feuerwehrunfallkasse (FUK), die die Feuerwehrleute im Einsatz versichert.

Das Problem in diesem Jahr: Die Übungsanlage der feuerwehrtechnischen Zentrale in Zeven ist wegen der Covid 19-Pandemie geschlossen. „Zum Glück hat sich die FUK großzügig gezeigt und eine Übergangsregelung für die Atemschutzgeräteträger auf den Weg gebracht, die diese Belastungsübung nicht mehr innerhalb eines Jahres durchführen konnten.“

Diese Regelung läuft aber jetzt aus und die Übungsstrecke auf der Anlage in Zeven bleibt mindestens bis Ende des Jahres geschlossen. „Darum mussten wir uns eine Alternative überlegen, um die Übung unter halbwegs realistischen Bedingungen zu absolvieren“, sagt Hermonies. Der Kontakt zur Familie Lüdemann war schnell hergestellt und der Bereich an der Biogasanlage als „Einsatzort“ deklariert. „Das ist zwar nicht mit dem sogenannten Zevener Käfig zu vergleichen, in dem sich die Feuerwehrleute in einem zweistöckigen und völlig dunklem Labyrinth orientieren müssen und dabei immer Kindergeschrei aus den Lautsprechern hören, aber immerhin haben wir trainiert“, so Hermonies. In Zusammenarbeit mit der Kreisausbildungsleitung sei im Vorfeld ein Parcours festgelegt worden, damit eine annähernd gleiche Belastung erreicht werde, wie sie in der Atemschutz-Übungsanlage verlangt worden wäre.

An den beiden Samstagvormittagen mussten die Teilnehmer unter den derzeitigen Hygienevorschriften auf Landkreis- und Stadtebene einzeln zur Abnahme am Ziegeleiweg in Nindorf antreten.

„Neben einem Hindernisparcours bestehend aus Tischen und Bänken, die mit Ausrüstung durchlaufen und durchkrochen werden musste, stand das Auf- und Abrollen eines C-Schlauchs an. Die Treppe musste fünf Mal rauf und runter absolviert werden und auch der Lauf mit den schweren Kanistern verlangte schon eine Menge Kraft und Kondition.“ Außerdem mussten die Helfer 25 Mal einen mit Wasser gefüllten Kanister an einem Seil einen Meter nach oben ziehen. Das Ganze aber nicht nach Belieben, sondern innerhalb einer Zeit von maximal 14,5 Minuten und nur mit der Luft aus einer Atemluftflasche, die die Absolventen auf dem Rücken mitführen mussten.

„Aufgrund von Corona haben wir die Gruppen gesplittet, sodass wir jeweils 32 Atemschutzgeräteträger bei echt ungemütlichen Wetter und nur rund fünf Grad testen konnten“, so Hermonies, der der Familie Lüdemann auf diesem Wege für das Bereitstellen des Geländes dankt.  jw

Training in voller Montur: Die Atemschutzgeräteträger müssen den Parcours auch kriechend absolvieren.
Testvorbereitung unter Corona-Bedingungen: Die Atemluftflaschen werden desinfiziert.

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