Hiddinger Kartoffelexperte Dr. Rolf Peters macht mit beim Forschungsprojekt

Tea Time mit „Doc Potato“

Dr. Rolf Peters mit Teebeutel.
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An jedem Standort werden je drei Beutel mit grünem Tee und drei mit Rooibostee vergraben, nach drei Monaten wird das Gewicht gescheckt, um die Zersetzung in bestimmten Bodenarten zu bestimmen.

Hof Tadel – Erst hat er Unterhosen mitten zwischen die Kartoffelpflanzen eingegraben, jetzt versenkt er Teebeutel in exaktem Abstand und bestimmter Tiefe in die Erde auf dem riesigen Feld in der Gemarkung bei Hof Tadel. Dr. Rolf Peters aus Hiddingen, in Fachkreisen auch „Doc Potato “ genannt, weil er sich aus seiner jahrzehntelangen Arbeit in der Versuchsstation Dethlingen und bei der Landwirtschaftskammer mit den Erdfrüchten auskennt wie kaum ein anderer, nutzt seinen Ruhestand, um weiter im Dienste der Wissenschaft tätig zu sein.

Dieses Mal steht die Aktion auf dem Acker der Familie Lüdemann unter dem Titel „Expedition Erdreich“. Dabei handelt es sich um eine bundesweite Bodenforschung, an der nicht nur Fachleute wie Peters, sondern auch Bürger ohne wissenschaftlichen Hintergrund teilnehmen.

„Es geht darum, Erkenntnisse zu sammeln, wie künftig Böden nachhaltig, aber dennoch effektiv genutzt werden können. Und dazu gehört eben auch das Experiment mit den Teebeuteln“, sagt Peters, der gerne bei der Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Wissenschaftsjahr der Bioökonomie mitmacht.

Dazu vergräbt Peters wie viele andere echte und Hobby-Wissenschaftler genormte Teebeutel für einen Zeitraum von drei Monaten acht Zentimeter tief in einem Abstand von 15 Zentimetern in die Erde.

In den drei Monaten unter Tage verlieren die Teebeutel an Gewicht, da die Teeblätter durch Mikroorganismen im Boden zersetzt werden. Anhand des Gewichtsunterschieds, der durch Messungen vor dem Eingraben und nach dem Ausgraben erhoben wird, lässt sich dann der sogenannte Tea-Bag-Index berechnen.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Methode geben Aufschluss über die Zersetzungsrate und die biologischen Aktivitäten im Boden.

„Dazu suche ich zwei bestimmt Standort. Einen mit einem leichten Boden, sprich Sand, und den anderen mit einem schweren, weil lehmigen Boden. Dort kommen jeweils drei Teebeutel grüner Tee und Rooibostee. Denn die grüne Version beinhaltet eher Blätter, während die Rooibos-Art eher härtere Stängel im Beutel hat“, erklärt Peters, der auch noch weitere Tests durchführt, um zum Beispiel die Bodeneigenschaften wie pH-Wert oder die Bodenart überhaupt zu untersuchen.

Rolf „Doc Potato“ Peters versenkt die Teebeutel.

Im Vorfeld hatte der Hiddinger Aktions-Kits bekommen, mit einer detaillierten Anleitung für den Versuchsaufbau. „Denn auch Kinder und Jugendliche sind aufgefordert, den Boden in ihrer Region zu erforschen, und die Verantwortlichen haben wirklich an alles gedacht.“ Aber Peters nimmt zum Eingaben aber dann doch lieber die kleine Metallschaufel statt dem mitgelieferten Exemplar aus Kunststoff, dass da doch eher in Kinderhände passt.

Mitte September wird Peters die Beutel, oder das, was noch von ihnen übrig ist, wieder ausgraben und auf die mitgelieferte Federwaage legen, nachdem er sie bei Raumtemperatur getrocknet hat. Alle Daten werden dann in ein Formular eingetragen und mithilfe einer Website kann das Ergebnis auch ganz einfach ausgewertet werden.

Dr. Rolf Peters misst die Abstände.

Die Ergebnisse werden außerdem in eine europäische Datenbank eingespeist und von Wissenschaftlern für die Verbesserung von Boden- und Klimamodellen verwendet. Aber: „Wer bei der Expedition Erdreich mitmacht, lernt den Boden in seiner Region aus einem ganz neuen Blickwinkel kennen und schätzen“, so Peters.

Und mit dieser Ansicht steht er nicht allein da, denn auch Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) lässt verlauten: „Mit der Expedition Erdreich können Bürger selbst direkt zu wissenschaftlichen Erkenntnissen beitragen. Diese Zusammenarbeit mit der Wissenschaft schafft Vertrauen und ein neues Verständnis für wissenschaftliche Methoden. Gleichzeitig profitiert die Forschung vom Wissen und den Erkenntnissen der Bürgerforscher.“

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