„Taktile Elemente“ leiten fehl

Mit Pech macht es für Blinde kräftig „bumm“

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Klaus-Dieter Burmester vom Seniorenbeirat möchte den Missstand schnellstmöglich beendet sehen.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Normal sehenden Menschen fallen die besonderen Gehwegplatten kaum auf.

Für Blinde und Sehbehinderte sind die sogenannten taktilen Elemente allerdings lebensnotwendig, um zum Beispiel die Große Straße in Visselhövede an der Bedarfsampel gefahrlos zu überqueren. Nur sind dort diese Führungssteine so verlegt, dass deren Benutzung unweigerlich direkt vorm Ampelmast endet. Das könnte zu äußerst schmerzhaften Folgen führen.

„Das geht gar nicht“, sagt Klaus-Dieter Burmester vom Visselhöveder Seniorenbeirat. „Es muss dort dringend etwas geändert werden.“

Normalerweise hätte auch Burmester diesen Fauxpas gar nicht bemerkt, aber der Seniorenrat hat jetzt eine Spezialistin in seinen Reihen. „Regina Stumm war im vergangenen Jahr bei einem Lehrgang, bei dem genau auf solche Mängel bei der Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehrsraum aufmerksam gemacht wurde“, erläutert Burmester. Bleibe das Pflaster mit den Rillen- und Noppensteinen, die sowohl mit den Blindenstöcken als auch mit den Füßen wahrgenommen werden können, so könnte es unter Umständen dazu führen, dass stark sekbehinderte oder blinde Menschen direkt gegen die Ampelmasten laufen. „Das kann im Extremfall ernsthafte Verletzungen nach sich ziehen“, vermutet Burmester.

Es könne ja auch kein großer Aufwand sein, ein paar von diesen besonderen Platten aus dem Pflasterverbund vor den Ampelmasten herauszunehmen und sie so wieder einzuarbeiten, dass sie rechts und links an den Metallrohren vorbeiführen.

Das Blindenleitsystem führt direkt vor den Ampelmast. Eine Kollision könnte für Sehbehinderte unangenehme Folgen haben.

Rein technisch ist das sicherlich mit ein paar Schaufeln, kräftigen Männern und ein wenig Pflastersand innerhalb von ein paar Stunden zumindest an dieser Ampelanlage machbar. Das Problem ist aber offenbar die Zuständigkeit.

Denn Burmester war mit diesem Thema bereits im vergangenen Herbst beim Visselhöveder Bauamt vorstellig, das nach Auskunft des Amtsleiters Gerd Köhnken „auch sofort eine entsprechende Mail an die Straßenmeisterei Rotenburg“ geschickt habe. „Seitdem haben wir aber nichts mehr aus der Kreisstadt gehört“, so Köhnken.

Nachbesserung notwendig

Das wird sich jetzt aber umgehend ändern, denn wie Margit Schröder, Chefin der Rotenburger Straßenmeisterei der Verdener Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, auf Nachfrage unserer Zeitung berichtet, sei diese Sache sehr wohl eine Angelegenheit der Stadt. „Es handelt sich nämlich um einen kombinierten Geh- und Radweg an der Bundesstraße 440, für dessen ordnungsgemäßen Zustand die jeweilige Kommune die Verantwortung trägt“, macht Schröder deutlich, die im Visselhöveder Fall „umfangreiche Recherchen“ betrieben habe.

Sie schränkt aber ein, dass es 2010, als die Bundesstraße und damit auch die Nebenanlagen, wie die Geh- und Radwege im Beamtendeutsch heißen, noch keine echten Gesetze zum Thema Barrierefreiheit gegeben habe. „Es wurde sich lediglich an Richtlinien entlanggehangelt“, so Schröder. Das habe sich jetzt geändert und es müsse entsprechend nachgebessert werden.

„Das hätte man uns aber auch mitteilen können“, entgegnet Vissels Bauamtsleiter Gerd Köhnken scharf, „aber auf die Mail im November gab es bisher keine Antwort.“ Die Stadt sei beim Umbau der Bundesstraße und den Geh- und Radwegen nur finanziell mit im Boot gewesen, ansonsten habe man sich auf die Planungen und Ausführungen der Verdener Landesbehörde, als zuständiger Träger der Maßnahme verlassen müssen. „Wir haben nur bezahlt, aber hatten mit der Bauausführung nichts zu tun“, ergänzt die städtische Ingenieurin Gaby Behrens.

„Wer wann oder wie zuständig ist, ist uns ziemlich egal. Wichtig ist, dass sich diese Situation schnellstmöglich ändert“, will Burmester lediglich eine schnelle Lösung. Das Visselhöveder Bauamt verspricht, dass man die Angelegenheit prüfen und gegebenenfalls schnell nachbessern werde, wenn die Zuständigkeit geklärt sei.

Hintergrund: Rippen und Noppen

Gehwegplatten mit auffälligem Rillenmuster werden schon lange als Hilfe für Sehbehinderte in Deutschland eingesetzt. Sie sind zwar genormt, die dort definierten schmalen Rillen lassen sich mit den heute üblichen Spitzen des Blindenstocks aber kaum vom Umgebungsbelag unterscheiden. Deshalb werden zunehmend Platten mit breiteren Rillen und trapezförmigen Rippen eingebaut. Über das Umgebungsniveau hinausragende Rippen sind zudem besser ertastbar. Platten mit Noppen werden ebenfalls immer häufiger eingesetzt. Sie lassen sich nicht nur mit dem Langstock, sondern zumeist auch mit den Füßen ertasten und sind deshalb zur Warnung besonders geeignet.

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