Rettungshunde in der Diers Heide

Supernasen trainieren in Visselhövede

Joachim Raddatz vor dem Tunnel- und Röhrensystem.
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Joachim Raddatz vor dem Tunnel- und Röhrensystem.

Visselhövede – Pinscher Bubi hat den Bogen raus: Zunächst mal für den Fotografen stark in Pose setzen und danach erst das weitverzweigte und labyrinthartige Röhrensystem erkunden, denn schließlich ist ja gerade kein Mensch zu retten. Aber wenn doch mal irgendwann und irgendwo, dann weiß der Bubi wie es geht, denn er hat ausreichend Gelegenheit, die Suche nach verschütteten oder eingeschlossenen Menschen zu trainieren.

Und zwar auf dem Trainingsgelände des Visselhöveder Fördervereins für das Rettungshundewesen, das am Dienstag offiziell seiner Bestimmung übergeben wurde.

„Ein in Deutschland einmaliges Röhren- und Tunnelsystem, das schon jetzt von vielen Einsatzkräften, die mit Hunden arbeiten, ausgiebig genutzt wird“, so Vereinsvorsitzender Joachim Raddatz, der in den vergangenen Jahren unermüdlich für das ehrgeizige und etwa 150 000 Euro teure Projekt gearbeitet und es jetzt endlich „mithilfe vieler privater und öffentlicher Sponsoren“ auch realisiert hat. „Mehr noch: Er hat das Gelände förmlich gelebt“, wie Visselhöveder Bürgermeister Ralf Goebel während der Einweihung lobte.

Pinscher Bubi hat den Ausgang gefunden.

„Die biologische Suche mit den Hunden ist effektiver als eine Suche mit 30 Mann“, informierte Raddatz. Aber damit die Tiere zum Beispiel im Katastrophenfall verschüttete Menschen effektiv suchen und möglichst schnell finden, müssen sie trainieren. Und dazu haben sie jetzt ein Übungsgelände mit Außenmaßen von etwa 30 mal 30 Metern und einer Hohe von drei Metern.

Im Innern dieses Komplexes sind unzählige Betonröhren scheinbar wahllos über-, neben-, auf- und durcheinander verlegt. Das Ganze wurden mit Steinen und Mutterboden und viel Beton aufgefüllt, sodass auf dem oberen Plateau nur ein paar Schächte den Blick in die Tiefe zulassen. Ansonsten ist es stockdunkel in den Röhren, denn die Hunde sollen dort unten nur ihre Spürnasen arbeiten lassen.

„Aktuell stehen die Rettungsorganisationen bereits Schlange, um Termine für das effektive Training zu bekommen“, informiert Raddatz. Dazu zählen Polizeihundestaffeln, alle Arten von Katastrophenschutzeinsatzkräften, Berufsfeuerwehren, das DRK oder auch das THW – und das sogar auf internationalem Niveau: „Hundestaffeln der holländischen Polizei kommen regelmäßig zum Trainieren hierher“, so Raddatz voller Stolz. Zur Einweihung des Übungsareals hatten die Niederländer extra einen Stein fertigen lassen, mit dem sie ihren Glückwunsch zur Realisierung des Projekts ausdrücken.

Hollands Polizei ist dabei.

Aber damit noch nicht genug: „Wir sind gerade in Gesprächen mit den Fallschirmjägern des Bundeswehrstandorts Seedorf“, berichtete Dieter Löding vom Vorstand des aktuell 31 Mitglieder zählenden Fördervereins. Demnach ist geplant, dass die Fallschirmspringer mit ihren Sprengstoffspürhunden per Hubschrauber auf dem gut zwei Hektar großen Gelände an der Diers Heide landen und sich dann auf die Suche nach Sprengstoff im Tunnelsystem machen, das dort vorher versteckt worden ist“, so Löding, der diese doch eher spektakuläre Trainingseinheit gerne einer breiten Öffentlichkeit präsentieren möchte, um „auch den Visselhövedern ohne Hunde zu zeigen, was wir hier auf die Beine gestellt haben.“

Das Tunnelsystem ist im Miniaturformat zu bestaunen.

Und das sei seit 2003 eine ganze Menge, wie Joachim Raddatz unterstrich. Zum Glück habe die Stadtverwaltung mitgezogen, als es um das Gelände ging. „So haben wir uns nach und nach entwickelt und aus einem ehemaligen Acker ist ein weitläufiges Hundeübungsgelände geworden.“ Das habe nicht nur ein richtiges Haus für Schulungszwecke, sondern eine Freilaufzone, eine Fläche für Hundesport, einen kleinen Park mit vielen gepflanzten Bäumen im Eingangsbereich und als absoluten Höhepunkt eben das jetzt fertiggestellte Tunnel- und Röhrensystem.

Während der Planungszeit haben Raddatz und Löding, der als Steinmetz übrigens alle Sponsoren auf dem Übungsrondell verewigt hat, quasi jeden geeigneten Steinhaufen gesichtet und bei Eignung nachgefragt, ob man den Baustoff günstig erwerben könne.

„Selbst bei einer Gondeltalfahrt im Harz, mussten wir erst nach Steinen fragen, die uns aufgefallen waren, bevor wir wandern gehen konnten“, erinnerte sich Cord Averbeck an eine Urlaubstour mit Raddatz. „Aber dieser Einsatz hat sich gelohnt, wie man jetzt sieht.“

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