Landvolk gegen Einmalzahlung

Stromautobahn „SuedLink“: Bauern wollen regelmäßig Geld

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Lex Hartman (l.), Mitglied der Tennet-Geschäftsführung, erläuterte die nächsten Schritte bei der Planung der Stromtrasse „SuedLink“. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil will die Entschädigungsregelung für die Landwirte schnell klären.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Windstrom möglichst schnell auf kurzem Weg vom Norden der Republik 800 Kilometer weit in den Süden zu transportieren, das ist die Aufgabe der Trasse „SuedLink“. Aber wo genau verläuft das Erdkabel? Und wie werden die Landwirte entschädigt, in dessen Grund und Boden die rund zehn Milliarden teure Gleichstromautobahn verläuft? Antworten darauf versuchte Lex Hartman, Geschäftsführer des holländischen Staatsunternehmens Tennet zu geben, das gemeinsam mit „TransnetBW“ die Trasse baut.

Hartman war auf Einladung des SPD-Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil ins Visselhöveder Café NebenAn gekommen, um dort mit Vertretern des Landvolks aus vier Landkreisen und einigen Bürgermeistern die nächsten Schritte bei der „Mammutaufgabe“ zu erörtern.

Demnach gibt es bis zum Jahresende, aber spätestens Anfang 2019 konkrete Korridore für einen möglichen Trassenverlauf, der auch den Altkreis Rotenburg durchqueren könnte. Dann prüft die Bundesnetzagentur anhand eines Kriteriumpapiers aber noch die möglichen Verläufe auf ihre Realisierung.

Und Eile ist offenbar geboten, um die Stromleitungen von Brunsbüttel in Schleswig-Holstein nach Großgartach in Baden-Württemberg sowie von Wilster in Schleswig-Holstein nach Grafenrheinfeld in Bayern 1,8 Meter tief in die Erde zu bringen. Die Trasse soll die „Hauptschlagader“ der Energiewende werden. „Erst im Sommer 2015 wurde der Vorrang für Erdverkabelung politisch umgesetzt, sodass wir drei Jahre bei der Planung für eine sieben Milliarden Euro günstigere Freilandleitung verloren haben“, erläuterte Hartman, der es als sehr „sportlich“ betrachtet, die Trasse bis 2025 fertig zu bekommen. Ursprünglich sollten die Leitungen sofort dann genutzt werden, wenn die letzten Atomkraftwerke 2022 in Deutschland abgeschaltet werden.

Schnelle Lösung auf der Agenda

„Zurzeit prüfen wir, ob sich eine 525-KV-Trasse besser realisieren lässt, als eine 320-KV-Leitung“, erläuterte Hartman. Der Vorteil läge auf der Hand: „Bei 525 KV brauchen wir nur vier stärkere Kabel, statt acht dünnere bei der 320-KV-Leitung. Beide werden übrigens nur handwarm.“ Entsprechend ändere sich auch der Bodenverbrauch. „Liegt die Trasse in der Erde, ist ein 18 Meter breiter Schutzstreifen nötig. Während des Einbaus brauchen wir einen 50 Meter breiten Arbeitskorridor. Bei der Acht-Kabel-Lösung verdoppeln sich die Werte in etwa.“

Aber bevor die Bagger anrollen und das Land der Bauern aufreißen, muss vor allem die Frage der Entschädigung für die Eigentümer geklärt werden. „Wir fordern nämlich fortlaufende Zahlungen statt einer einmaligen Summe für den Ausfall der Ernteerträge und die Nutzung unserer Flächen“, so Jörn Ehlers, Vorsitzender des Landvolks Rotenburg/Verden.

Es könne nämlich nicht sein, dass den Bauern der Schwarze Peter zugeschoben werde, um bei der Bevölkerung durch das Erdkabel eine Akzeptanz für die Trasse zu erreichen. Ehlers nannte als Beispiel zwei Strommasten, die auf seinen Feldern stünden. „Mein Großvater hatte vor 60 Jahren einer Einmalzahlung zugestimmt. Jetzt bekomme ich Post, dass Leitungen erneuert werden müssten und die Firmen auf meinen Flächen arbeiten dürften, schließlich habe es damals eine Unterschrift gegeben.“

„Wir sind nicht gegen einen Ausbau“

Auch weil man nicht wisse, was in hundert Jahren sei, plädierten die Landwirte für eine Art wiederkehrende Pacht statt einer Einmalzahlung. „Wir sind nicht gegen einen Ausbau der Infrastruktur, weil wir alle davon profitieren. Mit einer einmaligen Entschädigung sind die Landwirte aber nicht einverstanden, weil man nicht einschätzen kann , wie sich die Stromtrassen auf die Erträge auswirken. Der Boden leidet immer“, betonte Jochen Oestmann, Chef des Landvolks Lüneburger Heide.

Er befürchtet eine Flut von Klagen und mögliche Baustopps, wenn die Forderungen der Landwirte nicht erfüllt würden. „Sonst könnten sich die Bauern vor die Bagger werfen und damit ist letztlich niemandem geholfen.“

Laut Lex Hartmann sei es seinem Unternehmen egal, ob die Landwirte einmal oder rhythmisch entschädigt würden: „Am Ende zahlen die Verbraucher dafür. Nur ist es natürlich viel weniger Aufwand, einmal zu entschädigen, als eine Verwaltung für eine immer wiederkehrende Zuwendung aufzubauen.“ Aber letztlich entscheide das nicht Tennet oder „TransnetBW“, sondern die Politik.

Lars Klingbeil betonte, dass in Berlin zurzeit genau über das Thema diskutiert werde. „Wie auch immer die Entscheidung in diesem Bereich fällt: Wir brauchen eine schnelle Lösung“, so der SPD-Generalsekretär, der von seinen Kollegen in der Bundeshauptstadt mehr Tempo bei dieser Frage fordert.

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