Familie Löding blickt auf 818 Jahre Handwerkstradition zurück

In Stein gemeißelte Geschichten

Dieter Löding, Steinmetz aus Leidenschaft. Foto: Wieters

Schwitschen - Von Jens Wieters. „Was ist das?“, fragt der Schwitscher Dieter Löding. „Ein Baum“, antwortet der Angesprochene. „Nein, nicht nur ein Baum, sondern ein stattlicher Lebensbaum, der jetzt seine Blätter verliert. Das bedeutet, dass der Tod dem Leben ein Ende gesetzt hat und die herunterfallenden Blätter, die so langsam auf und in der Erde vergehen, symbolisieren die Bestattung des geliebten Menschen“, klärt Dieter Löding auf.

Der 73-Jährige ist zwar ein Handwerker, aber seine Arbeit hat auch viel mit Kunst und Feingefühl zu tun. Denn Löding ist Steinmetz. Ein Beruf mit einer irren langen Tradition in seiner Familie, denn seit nachweislich 818 (!) Jahren greifen die Lödings zu Hammer und Meißel. Früher per Hand, heute mit technischer Unterstützung.

Und seine Werke auf Granit und anderen langlebigen Steinen erzählen kleine Geschichten, so zum Beispiel auf den Grabsteinen der Verstorbenen wie eben mit dem Lebensbaum. „Was braucht man für den Beruf?“, stellt sich Löding selbst die Frage, um die Antwort gleich parat zu haben: „Man braucht viel Fingerspitzengefühl und vor allem muss man mit den Kunden sehr sensibel umgehen, denn sie haben ja gerade einen engen Angehörigen verloren. Da muss man die Motive, die den Grabstein schmücken sollen, schon ein wenig erläutern“, sagt der Schwitscher. Aber nicht nur mit Tod und Trauer hat die Familie Löding seit Jahrhunderten zu tun, sondern mit allem, was „irgendwie in Stein gemeißelt werden soll“, sagt Löding lachend.

Das erste Mal wurde ein Urahn von Löding in eine Liste im Jahr 1201 in Hamburg eingetragen, die heute im Urgeschichtlichen Museum der Hansestadt liegt. Dort sind alle Handwerker wie Zimmerer, Maurer und eben auch Steinmetze erfasst, die von Hamburg zum Bau einer Festung in Riga abgestellt worden sind. „Unter ihnen auch ein Carl Hühn, einer unserer Vorfahren“, berichtet Dieter Löding. Das Meisterstück des Ur-Steinmetzes war ein jahrhundertelang öffentlich ausgestelltes Kulturdenkmal in Hamburg und sei erst im vergangenen Jahrhundert von einem ignoranten Zeitgenossen entsorgt worden. „Mein Vater hatte noch vergeblich versucht, den Stein für die Familie zu retten, und als ich in Hamburg nachgefragt habe, war es schon zu spät“, so Löding, der zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn mit der Behauen von Steinen „eigentlich nichts am Hut hatte“. Denn in der Werkstatt seines Vaters Ernst Löding „musste ich oft nur die Drecksarbeit machen“. Als der starb, wollte Dieter Löding die begonnenen Werke seines Vaters fertigstellen. „Und so bin ich dabei geblieben und bin immer noch mit Leidenschaft dabei, trotz meines Rentenalters.“

Mittlerweile teile er sich die Zeit ein bisschen freier ein, aber „ich habe immer noch viel Spaß bei der Arbeit“. Unterstützung bekommt er bereits von seiner Enkelin Meike. Und so stehen die Chancen gut, dass die Zehnjährige irgendwann mal die Steinmetz-Tradition der Familie fortsetzt. „Denn obwohl sie erst zehn Jahre alt ist, kann sie schon besser mit dem Computerprogramm umgehen als ich“, lobt Löding, der als Schwitscher Filialleiter des Betriebs Naturstein Schaab aus Buchholz/Nordheide tätig ist.

Denn heutzutage wird nicht mehr so viel per Hand gezeichnet und gemalt, sondern auf dem Bildschirm puzzeln die Steinmetze die Buchstaben, Symbole und Daten so zusammen, das nicht nur die Fakten stimmen, sondern auch die Proportionen. Sind die Kunden mit dem Entwurf einverstanden, wird eine Folie hergestellt und dessen Inschriften und Zeichnungen auf den Stein übertragen. „Und dann kann ich endlich mit Hammer und Meißel ran“, freut sich Löding immer noch auf die Arbeit mit Steinen aus Asien, Skandinavien und Afrika, „weil es in Deutschland wenige Steinbrüche gibt“.

Obwohl immer weniger große Grabsteine verlangt werden, ist Löding nicht bange um die Zukunft: „Der Trend der Anonymität der Verstorbenen auf Gräbern ist wieder rückläufig“, so der 73-Jährige. Und wenn nicht? „Dann kann meine Enkelin auch andere schöne Dinge kreieren, die viele Jahrhunderte überdauern.“ So wie das Akkordeon aus Granit, das Dieter Löding seiner Tochter Svenja gestaltet hat, die im Visselhöveder Akkordeonorchester aktiv ist.

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