Dorfjugenden lassen sich von Corona nicht unterkriegen / Viele Hilfsaktionen

Starke Gemeinschaften

In Hiddingen hat der Dorfnachwuchs am Silvestertag eine Müllsammelaktion gestartet.
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In Hiddingen hat der Dorfnachwuchs am Silvestertag eine Müllsammelaktion gestartet.

Hiddingen – Keine Partys, keine Treffen, nicht mal ‘ne Runde Tischkicker: Junge Leute leiden besonders unter den Corona-Beschränkungen – so die landläufige Meinung. „Na klar, wir würden uns gerne alle mal wieder treffen und gemeinsam feiern, aber es geht nun mal nicht. Und unser Zusammenhalt hat darunter nicht gelitten – ganz im Gegenteil“, sagt Theresa von Loh von der Dorfjugend Hiddingen. Denn im Gegensatz zu anderen Generationen sei es für die Gruppe der 16- bis 24-Jährigen ganz normal, regelmäßig über die Dienste „WhatsApp“ und Instagram zu kommunizieren. „Das haben wir vor der Pandemie auch gemacht, jetzt halt nur ein bisschen intensiver“, betont die 22-Jährige, die in Braunschweig Pharmazie studiert.

Heimliche Treffen in abgedunkelten Vereinsheimen oder Scheunen, wie sie deutschlandweit immer wieder mal vorkommen, gibt es in Hiddingen nicht. „Da sind wir sehr diszipliniert und es gibt auch keinen Ausreißer. Da halten wir alle zusammen“, so von Loh. Und genau dieser Zusammenhalt mache es auch möglich, gemeinsame Aktionen zu starten. „So haben wir bereits zu Beginn des ersten Lockdowns Zettel mit unserem Hilfsangebot an die ältere Generation im Dorf verteilt, die nicht wusste, wie sie sich jetzt mit Lebensmitteln oder ähnlichen Dingen versorgen sollte.“

Die Einkaufs- und Botengänge seien bereits damals sehr gut angenommen worden. „Und aktuell haben wir die Aktion einfach nochmal neu gestartet, und so etwas schweißt uns noch mehr zusammen“, ist sich die angehende Apothekerin sicher, die zurzeit im Homeoffice online studiert.

Aber so ganz digital bleibt es auch in Hiddingen nicht, wie die Dorfjugend bei der vergangenen Müllsammelaktion bewiesen hat. „Zwölf von uns sind am Silvestermorgen in Zweiergruppen durch das Dorf gezogen und haben in eineinhalb Stunden 30 Kilo Müll gesammelt. Da wir momentan keine Veranstaltungen haben, wollten wir einfach auf diese Weise etwas Gutes für das Dorf tun“, so von Loh.

Ein paar Kilometer weiter wird ähnlich gedacht. „Für uns ist das Thema Dorfgemeinschaft enorm wichtig. Anderen Menschen zu helfen, ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Wir haben uns mit dem Bürgerverein zusammengetan und eine Einkaufshilfe für unsere Bürger organisiert, an der 25 Leute unserer Gruppe teilgenommen haben“, berichtet Jonas Jäger von der Wittorfer Dorfjugend „Die Eiersucher“. Ziel sei es gewesen, Risikogruppen oder Menschen, die ihr Zuhause nicht verlassen können, zu unterstützen und zu schützen. „Die Einkaufshilfe läuft auch jetzt wieder.“

Dennoch sei der Beginn der Pandemie für die jungen Wittorfer eine ernüchternde Situation gewesen: „Das Virus in China war ja weit weg und plötzlich steht dann das öffentliche Leben auch bei uns still. Sonst ist immer etwas los, aber im Frühjahr konnten unsere Jungs keine Pfingstbäume mehr verteilen, unsere Mädels an Ostern keine bemalten Eier mehr ausgeben, die traditionelle Maitour fiel ins Wasser“, erinnert sich Jäger.

Seit fast einem Jahr seien Treffen mit der gesamten Dorfjugend nicht möglich. Bei mehr als 50 Mitgliedern sei an ein gemütliches Beisammensein derzeit natürlich nicht zu denken. „Nötige Vorstandssitzungen werden online abgehalten – alles ist auf ein Minimum reduziert.“

Auch Jäger hofft, dass sich die Lage in den nächsten Monaten entspannt: „Hoffnungsschimmer dafür ist der entwickelte Impfstoff, aber auch das Wissen, dass wir über eine enorm starke Gemeinschaft innerhalb der Dorfjugend, aber auch im gesamten Ort über alle Vereine und die Feuerwehr und Schützen hinweg, verfügen.“

Die Pandemiezeit sei für sie schon eine Herausforderung, sagt Tina Stimbeck von der Kettenburger Dorfjugend, denn gemeinsame Veranstaltungen und Unternehmungen würden die Gemeinschaft zu normalen Zeiten festigen. „Wir hatten darum befürchtet, dass die Einschränkungen genau diese Gemeinschaft bröckeln lassen würden. Aber dem war nicht so. Soweit es die Regeln zugelassen haben, haben sich alle gegenseitig unterstützt und viel dafür getan, die Gruppe am Leben zu halten.“

Aber auch Stimbeck und den anderen jungen Kettenburgern fehlen die dörflichen Veranstaltungen wie das traditionelle Schützenfest an Himmelfahrt, das bunte Erntefest im Herbst oder der gemütliche Glühweinabend jetzt im Winter. „Derzeit halten wir den Kontakt über regelmäßig stattfindende Online-Meetings, bei denen wir Spiele spielen und auch das ein oder andere Feierabendbier gemeinsam genießen. Das ist zwar ganz gut, aber diese Meetings reichen nicht an unsere physischen Veranstaltungen heran.“

Alle Dorfjugenden hoffen, dass die Impfungen möglichst schnell erfolgreich sind und überall auf den Dörfern „bald gemeinsam das Ende der Pandemie gefeiert werden kann“.

Von Jens Wieters

Theresa von Loh von der Hiddinger Dorfjugend sieht ihre Gruppe trotz der Pandemie noch enger zusammengeschweißt.

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