Anklage gegen zwei Männer erhoben

Mord in Visselhövede: Staatsanwaltschaft geht von Blutrache als Motiv aus

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9. Januar: Nach den tödlichen Schüssen vor der Kastanien-Grundschule in Visselhövede sichern Ermittler die Spuren.

Visselhövede / Verden - Von Wiebke Bruns. Von Blutrache als Tatmotiv geht die Staatsanwaltschaft in Verden bei der Ermordung eines 46 Jahre alten Mannes am 9. Januar dieses Jahres in Visselhövede aus.

Aus maximal einem Meter Entfernung sollen auf offener Straße zwölf Schüsse auf den Albaner abgefeuert worden sein. Die Staatsanwaltschaft Verden hat nun Anklage beim Landgericht Verden wegen Mordes gegen zwei 23 und 24 Jahre alte Männer erhoben. Die Angeklagten sollen heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen gehandelt haben.

Auf einem Motorrad hatten sich die zwei Täter an jenem Montagmorgen gegen 11 Uhr dem 46-Jährigen genähert, der zu Fuß an der Großen Straße unterwegs war. „Als sie auf Höhe des Opfers waren, sollen sie das Tempo gedrosselt haben“, sagte Katja Kruschke, Sprecherin des Landgerichts, auf Nachfrage. Der Sozius habe dann mit einer halbautomatischen Kurzwaffe auf das Opfer geschossen.

Tod durch Kopfschüsse

„An zwei Kopfschüssen ist das Opfer gestorben“, so Kruschke zum Inhalt der Anklageschrift. Zu den Schüssen kam es direkt vor der Grundschule. Die Täter konnten zunächst flüchten. Die Festnahme der beiden Angeklagten erfolgte im April im Rahmen einer europaweiten Polizeiaktion in Seelze und Amsterdam.

Hintergrund der Blutrache soll ein Tötungsdelikt in Albanien gewesen sein. Der Getötete soll dort in einer „notwehrnahen Situation“ einen Verwandten des 24 Jahre alten Angeklagten getötet haben, erklärte die Gerichtssprecherin. 

„Die Angehörigen des damaligen Opfers hatten Blutrache geschworen, die in Albanien auch heute noch illegaler Weise zur Sühnung von Tötungen und Ehrverletzungen gewohnheitsrechtlich vollzogen wird“, teilte die Staatsanwaltschaft bereits im Rahmen der Fahndung nach den Tätern mit.

Ein Angeklagter gesteht Beteiligung

Der 24 Jahre alte Angeklagte aus Seelze soll bereits unmittelbar nach seiner Festnahme eine Tatbeteiligung an dem Mord in Visselhövede eingeräumt haben. Er soll der Fahrer des Motorrades gewesen sein. Der 23 Jahre alte Angeklagte wurde in Amsterdam festgenommen, aber erst Ende Juni nach Deutschland ausgeliefert. Beide Angeklagten sitzen derzeit in Untersuchungshaft beziehungsweise verbüßen eine Ersatzfreiheitsstrafe.

Schießerei vor Grundschule in Visselhövede

Dem 46 Jahre alten Opfer war laut Kruschke von der Bundesrepublik Deutschland „subsidiärer Schutz“ gewährt worden. Ein Grund dafür kann eine „individuelle Bedrohung des Lebens“ sein. Dieses Schutzrecht wurde nun auch weiteren Angehörigen zugebilligt, erklärte die Gerichtssprecherin. „Weil befürchtet wird, dass die Blutrache noch nicht beendet sei“, so Kruschke.

Ein Termin für den Prozessauftakt in Verden steht noch nicht fest.

Rotenburger Polizei zur Schießerei in Visselhövede

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