„Tod auf Raten“ für das Hallenbad

SPD-Umfrageaktion zum Thema Ansiedlung eines Edeka-Marktes in Visselhövede

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Jochen Orthmann (l.) bezieht in Beisein von SPD-Mann Lothar Cordts Stellung.

Visselhövede - Von Angela Kirchfeld. Fest steht noch nicht, ob Edeka sein Vorhaben tatsächlich wahr macht und sich in Visselhövede ansiedelt. Zumindest die Bürger, die sich an der Umfrageaktion der SPD am Samstag beteiligt haben, waren vor allem nicht vom möglichen Standort am Vissel-Bad überzeugt – die Wogen schlugen hoch. „Das Hallenbad ist unser Edelstein!“, betonte zum Beispiel Jochen Orthmann.

„Wir haben hier, nachdem wir 2001 grünes Licht für die Städtebauförderung erhalten haben, in mühevoller Kleinarbeit einen einmaligen Ortskern geschaffen, in dem man alles fußläufig erreichen kann“, so der gebürtige Visselhöveder. Hinzu komme noch der idyllische Hof am Heimathaus und das Naherholungsgebiet. „Viele Camper kommen hier her, um auf diesem Hallenbad-Parkplatz zu campen. Durch den geplanten Edeka-Markt würden wir uns den ganzen Ortskern zerpflücken, und es wird zu Leerständen der Geschäfte kommen“, ist sich der 61-Jährige sicher.

Riesige Verkehrsprobleme erwartet

Er selbst nutze wie seine Familie regelmäßig das Bad und machte auch deutlich, dass die Kaufkraft einen weiteren Markt „garantiert nicht hergibt“ und der Combimarkt in die Knie ginge. „Außerdem führt es zu riesigen Verkehrsproblemen auf der B440.“ Orthmann schlug vor, die Planung schnell ad acta zu legen, um weitere Kosten zu sparen.

Die Umfrage der SPD-Ortsgruppe Visselhövede zur möglichen Ansiedlung eines Edeka-Marktes zieht viele Interessierte an.

„Wir stehen hier ganz am Anfang“, beteuerte Dagmar Kühnast von der SPD und fügte hinzu: „Wir möchten gerne wissen, was die Menschen bewegt und die Stimmungen einfangen.“ So verteilte Kühnast mit ihren Mitstreitern die Zettel, mit einfachen fünf Fragen. „Eltern und Kinder sollten das Vissel-Bad nutzen und nicht in Spaßbäder fahren“, appellierte Ulrike Prellwitz, die für den Erhalt des Hallenbades ist. „Die Kinder können zu Fuß oder mit dem Rad hier her. Sie lernen hier Schwimmen und können toben.“ Bezüglich eines weiteren Vollsortimenters betonte die Rentnerin: „Wir haben doch alles hier vor Ort. Das macht nur anderen Geschäften das Leben schwer!“

Schwimmbad: „Notwendiger Bestandteil einer attraktiven kommunalen Infrastruktur“

Von der Umfrageaktion hatten auch auswärtige Nutzer des Bades erfahren, die den SPD-Stand aufsuchten, um Stellung zu beziehen. „Es ist nicht nur eine zentrale Bildungsaufgabe, die Kinder an das Wasser heranzuführen, sondern auch eine kulturelle Errungenschaft und notwendiger Bestandteil einer attraktiven kommunalen Infrastruktur“, verdeutlichte Ulrich Gronau, der aus Neuenkirchen gekommen war. „Wir haben hier keine großen Konzertsäle, aber wir haben Natur und banale Infrastruktur, die erhalten werden muss, egal aus welchen Topf die Gelder für das Bad kommen“, so der 64-Jährige, der jeden Freitag zum Schwimmen ins Vissel-Bad komme.

Den Parteimitgliedern war es wichtig, die Umfrage vor der Sitzung des Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung am kommenden Donnerstag ab 17 Uhr auszuwerten. „Es sind noch viele weitere Fragen offen, unter anderem, was aus dem nahe gelegenen Naturschutzgebiet wird“, verdeutlichte Parteivorsitzender Torsten Burmester, der auch die Auswertung vornahm. Einen weiteren Vollsortimenter können sich die Befragten demzufolge durchaus vorstellen, jedoch nicht an dem geplanten Standort, sondern lieber auf einer Wiese neu gebaut. Ein klares „Nein“ sei die Antwort auf die Frage „Reicht die bisherige Verkehrsführung aus?“ gewesen. Sicher seien sich auch alle, dass nach dem Verkauf des Hallenbads, das Bad nicht erhalten bleibt, das sei „ein Tod auf Raten“.

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