Skribo-Chef Rohde will „Knebelvertrag“ nicht unterschreiben / Neuer Betreiber

Post zieht vom Marktplatz an die Goethestraße

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Die Postagentur wird in diesem Laden an der Goethestraße eingerichtet.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Die Visselhöveder Postkunden werden sich umgewöhnen müssen, denn die Agentur im Geschäft Skribo am Marktplatz stellt zum 30. September die Arbeit ein. Eine neue Poststelle soll an der Goethestraße in den Räumen der ehemaligen Bäckerei Hewekerl eingerichtet werden.

Skribo-Chef Reent Rohde, der sein Schreibwarengeschäft am Marktplatz aber weiter betreiben wird, lässt den Vertrag mit der Deutschen Post zum Ende des kommenden Monats auslaufen und wird keinen neuen unterschreiben. Das gilt nicht nur für Visselhövede, wo Rohde seit dem 1. Juni 2013 die Agentur betreibt, sondern auch für das Stammgeschäft der Familie in Neuenkirchen.

„Wir sind einfach nicht mehr bereit, die Knebelverträge mit der Post zu unterzeichnen“, schimpft Rohde auf den Konzern, der seiner Meinung nach nur den Gewinn bis 2020 von derzeit drei auf fünf Milliarden Euro steigern will. Und das funktioniere nunmal nur mit einem drastischen Sparkurs, der zu Lasten der kleinen Agenturbetreiber gehe, wie Rohde formuliert.

Wie immer geht es ums Geld. „Hätte ich den neuen Vertrag unterschrieben, würde ich nur noch Geld wechseln und nichts mehr verdienen, wenn ich meine Angestellten angemessen bezahlen will“, so der Neuenkirchener. Bereits seit längerem habe die Post die Schrauben immer wieder angezogen. „Noch im vergangenen Jahr gab es zähe Verhandlungen. Wir haben schon einige Kürzungen hingenommen, aber irgendwann ist Schluss.“

2014 sei ein neuer Vertrag entworfen worden, mit dem „weitere Kosten und Risiken auf die Agenturbetreiber verlagert werden sollen“. Gespräche hätten nichts ergeben, sondern die Zugeständnisse der Post hätten so ausgesehen, dass künftig wenig feste Vergütungen für Angebote und Dienstleistungen gezahlt werden sollen, sondern Provisionen in Abhängigkeit von Einnahmen. „Auf der anderen Seite werden Auflagen, Zeitaufwand und zu leistender Service immer umfangreicher“, schimpft Rohde, der in Neuenkirchen 14 Jahre lang mit der Post „gut und gerne“ zusammengearbeitet hat. „Ich lasse mich aber nicht erpressen“, so der Firmenchef, der aufgrund der Umstrukturierung in seinen Läden sechs Teilzeitkräfte entlassen muss.

Neue Agentur in

Ex-Bäckerfiliale

Die Post muss sich derweil landauf, landab nach neuen Agenturbetreibern umsehen, denn viele bisherige Partner ziehen nicht mehr mit. Man müsse den Veränderungen Rechnung tragen, wird ein Postsprecher in den Medien zitiert. Regelmäßige Vertragsuntersuchungen und Anpassungen seien ein normaler Vorgang, um auf verändertes Umsatzverhalten reagieren zu können.

Da es gesetzlich verankert ist, dass die Post ihr Angebot in Orten von der Größe Visselhövedes vorhalten muss, war der Konzern auf der Suche nach einer neuen Bleibe – und ist in den Räumen der Familie Schlake an der Goethestraße, wo bisher Bäcker Hewekerl Brot verkaufte, fündig geworden.

Noch in den nächsten Tagen wird der Laden umgebaut, so dass bereits am 1. Oktober der Betrieb am neuen Standort aufgenommen werden kann. Dem Vernehmen nach handelt es sich um einen Betreiber, der mehrere Postagenturen betreut. Laut Post-Sprecher Martin Grundler sei der Vertrag nur noch Formsache und die Kunden würden sich nicht umgewöhnen müssen: „Es werden die gleichen Dienstleistungen angeboten wie bisher auch.“ Bleibt nur das Problem des Anlieferverkehrs. Während der Post-Laster bei Skribo genügend Platz hatte, bleibt an der Goethestraße nur die Fahrbahn selbst, was sicherlich für Staus sorgen könnte.

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