Heinz Norden steht mit 86 Jahren immer noch in der Werkstatt und restauriert Trecker-Oldies

Sein Herz schlägt im Viertakt

Ein echter Hingucker bei vielen Ausstellungen: Der von Heinz Norden perfekt restaurierte Ritscher aus dem Jahr 1958. - Fotos: Wieters

Jeddingen - Von Jens Wieters. 59 Jahre alt ist der Ritscher, aber die sieht man ihm nicht an. Kein Tropfen Öl unter dem 14 PS starken Dieselmotor, keine klitzekleine Roststelle auf der halbrunden Motorhaube und natürlich kein Staubkorn auf den roten Felgen. „Das muss auch so sein“, lacht Heinz Norden und wischt liebevoll über seinen Trecker, bevor er wieder seinen Messschieber in die Hand nimmt, um den Durchmesser der Welle zu messen, die er an der kleinen Drehbank selber herstellen will.

86 Lenze zählt Heinz Norden inzwischen und statt den Lebensabend auf dem Sofa zu verbringen, zieht es den Jeddinger fast täglich in seine kleine Werkstatt an der Bremer Straße. „So fünf bis sechs Stunden verbringe ich hier wohl“, erläutert der gelernte Landmaschinenmotorenschlosser, der seine Ausbildung während der letzten Kriegswirren im Betrieb Heideloff in Nindorf-Paterbusch begonnen hatte. Es folgten weitere berufliche Stationen bei den Briten in Bad Fallingbostel, wo „während der Jahre des Wiederaufbaus schwarz mit Benzin gehandelt wurde“, bei Borgward in Bremen, bei der Deutschen Schachtbau, bei Landmaschinen Tiemann und schließlich im Bauwerk 4 der Luftverteidigungsstellung in Drögenbostel. Und immer war Norden derjenige, der die Motoren verschiedenster Ausführungen am Laufen hielt.

„Das macht mir halt am meisten Spaß“, bilanziert der ehemalige Kommunalpolitiker, der im Laufe seines Lebens auch einige Sportflugzeuge selbst gebaut hat. „Die sind auch geflogen, aber leider nicht mit mir als Piloten, weil ich nur die Motorseglerlizenz hatte.“ Die hat er aus Altersgründen aber mittlerweile abgegeben.

Seine große Liebe sind aber alte Schlepper. Vollkommen verrottet und nicht mehr fahrbereit stöbert Norden die Trecker in alten Scheunen oder bei Versteigerungen auf. „Dann werden sie komplett zerlegt und Stück für Stück wieder aufgebaut.“ Und die Restaurierung umfasst nicht nur die Blechteile, die Norden natürlich auch selber wieder zusammenschweißt und lackiert, sondern auch den Motor und das Getriebe. „Die Aggregate werden komplett zerlegt, Zahnräder und Wellen erneuert und das Ganze dann neu gelagert und natürlich abgedichtet“, erzählt der 86-Jährige so, als wäre das das Normalste der Welt. „Passt irgendetwas nicht, fertige ich es extra an. Das können heute noch die wenigsten Motorenschlosser, die meisten tauschen nur noch aus“, freut sich Norden, dass ihm dieses handwerkliche Geschick in die Wiege gelegt wurde, und „vor allem, dass es im Alter immer noch so gut funktioniert“.

Ab und an muss der Motorenfachmann auch mal seine Kollegen um Hilfe bitten. „Denn es gibt für die alten Trecker so manche Teile einfach nicht mehr. Da muss man seine Kontakte spielen lassen. Zum Glück gibt es immer irgendwo im Land einen alten Schmiedemeister, der noch Ersatzteile im Lager hat.“

Manch ein altes Schätzchen steht schon nach einem guten Jahr wieder auf seinen Rädern, für schwerere Fälle gehen auch schon mal drei bis vier Jahre ins Land, bevor der Diesel nach der Frischventilkur wieder die ersten Töne von sich gibt.

Aber wenn es dann soweit ist, geht es zunächst mal zur nächsten Oldtimerausstellung. Dort werden der Ritscher und Co. natürlich von jungen und alten Trecker-Fans bestaunt und Norden gibt gerne Auskunft. Nur eine Frage beantwortet er grundsätzlich mit einem konsequenten „Nein“. Verkauft werden seine Oldtimer nämlich nicht.

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