Metronom-Kinder machen Theater erstmals Open Air

Segel gesetzt, Kurs auf Kulturbetrieb

Bild
+
Finsteren Gesellen und düsteren Zeiten die Stirn bieten – das schafft „Metronom“-Betreiberin Karin Schroeder mit einer guten Portion Optimismus.

Hütthof – Was machen Kulturschaffende, wenn gar nichts läuft? Wenn Tourneen, Workshops und Schultheater ebenso abgesagt sind wie Gastspiele und Seminare? Im Theater Metronom ist derzeit von Corona-Blues wenig zu spüren. Der Schaffensdrang von Karin Schroeder, die zusammen mit Andreas Goehrt und Tomke Heeren das kleine freie Theater in Hütthof betreibt, ist ungebrochen, genau wie ihr Optimismus. Sicherlich habe man in den vergangenen Monaten den Gürtel etwas enger geschnallt und die Ersparnisse fürs Alter angekratzt, „andererseits haben wir momentan auch weniger Ausgaben“, meint die Schauspielerin und Theaterpädagogin mit bewundernswerter Zuversicht.

Die letzten Wochen, sie seien vom Netzwerken, Anträgen, Umdenken und „Fühler ausstrecken“ geprägt gewesen: „Was geht in heutigen Zeiten, wie machen andere das?“ Die Liste der Ideen war lang, vom Podcast bis zur Premierenaufzeichnung; nicht alles befanden die „Metronomler“ für sich als passend. Zum Beispiel Videoaufnahmen von Produktionen: „Das ist schön und gut für den Werbeeffekt – aber wer zahlt das?“, denkt Schroeder laut. Viel wichtiger noch, abgesehen von der gegenwärtigen Flut der Angebote im Netz: „Es fehlt das Live-Erlebnis. Theater ist ja keine Einbahnstraße, sondern Kommunikation mit dem Publikum – das geht nur live!“

Das Feuer für das jüngste Projekt, es sprang – so platt das klingen mag – ausgerechnet am Lagerfeuer über. Von der Erwähnung eines privaten „Piratenplatzes“ in der Nähe, den Zimmerleute für Feiern errichtet hatten und den Goehrt und Schroeder bei Radtouren entdeckt hatten – als Filmschauspieler und Sängerin beide Corona-gebeutelt – war es nicht mehr weit bis zur Idee eines Open- Air-Theaters dort.

Das Piratenschiff „Cocktail Kogge“ soll zum Mittelpunkt eines Open-Air-Spektakels avancieren.

Die Besitzer des „Piratenplatzes“ in Hartböhm sagten zu; „ihnen ist es sogar eine Ehre, und inzwischen hat sich ein sehr netter Kontakt entwickelt“, so Schroeder. Dem Freilichttheater steht seit der letzten Lockerung der Auflagen vor einigen Tagen nichts mehr im Wege.

Schon der Schauplatz befeuert die Fantasie: Scheinbar aus der Zeit gefallen, bildet das Rund des alten Baumbestands die Kulisse für eine Art Amphitheater. In der Mitte steht eine Holzkogge, gut und gern sieben Meter lang, mit Mast, Steuerstand und allem Drum und Dran. Dazu: eine Art Saloon, ein Hexenhäuschen, Nestschaukel und Skaterbahn – auch aus Holz. Alles in allem eine Fülle von Anregungen für die 25 Teilnehmer des Kindertheaters, die hier vom 17. bis 22. August mit minimalen Vorgaben innerhalb einer Woche in Kleingruppen ein Stück entwickeln und das am Samstag, 22. August, um 17 Uhr Premiere feiert.

In diesem Hexenhäuschen wurde früher gefeiert – jetzt soll es als Kulisse die Kreativität befeuern.

„Die Kinder taten mir am meisten leid“, sagt Schroeder, die mit einiger Erleichterung auf die fast volle Teilnehmerliste blickt, nur noch zwei Plätze sind frei. Bis vor wenigen Tagen stand das Projekt noch auf der Kippe; nun gab es vom Landkreis und Gesundheitsamt grünes Licht und die virtuellen Segel können gesetzt werden mit Kurs auf Kulturbetrieb. Der wird sich zwar etwas anders gestalten – die langen Waschbatterien sind schon bestellt, Massenszenen gehen nur mit Abstand. Trotzdem ist sie froh über diese Lösung. Auch über Zelttheater habe man nachgedacht. „Freunde von uns mit ähnlichen Gegebenheiten haben das mal durchgerechnet: von 250 Plätzen hätten 36 besetzt werden dürfen – das lohnt den Extraaufwand durch die Sicherheitsauflagen nicht“, bedauert Schroeder. Die „Location“ jedenfalls ist für nur eine Produktion fast zu schade und hat definitiv Potenzial für mehr. Schroeder schmunzelt, zuckt mit den Schultern und meint: „Wer weiß?“, bevor sie zum nächsten Planungstermin eilt – wofür, will sie noch nicht verraten.

Anmeldungen für die beiden Restplätze bei „Kinder machen Theater“ im August sind unter der Nummer 04262 / 1351 möglich, Premierenkarten sind über das Kartentelefon 04262/ 1399 erhältlich.  hey

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

„Ist das noch Relegation oder schon Kreisliga?“ - Netzreaktionen zu Werder gegen Heidenheim

„Ist das noch Relegation oder schon Kreisliga?“ - Netzreaktionen zu Werder gegen Heidenheim

"Cyberpunk 2077", "Doom Eternal" und "Half-Life": Diese Spielekracher erscheinen 2020

"Cyberpunk 2077", "Doom Eternal" und "Half-Life": Diese Spielekracher erscheinen 2020

So fährt sich ein E-Klapprad

So fährt sich ein E-Klapprad

Fotostrecke: Werders Wasserschlacht gegen Heidenheim

Fotostrecke: Werders Wasserschlacht gegen Heidenheim

Meistgelesene Artikel

Weder vor noch zurück

Weder vor noch zurück

Gottesdienst mit Taufe von oben

Gottesdienst mit Taufe von oben

Lehrerjob? Läuft bei ihnen!

Lehrerjob? Läuft bei ihnen!

Jugendtreff wieder geöffnet

Jugendtreff wieder geöffnet

Kommentare