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Studien auf Riepholmer Modellacker

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Von: Jens Wieters

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Landwirtin Nadia Bremer (l.) und Yuki Henselek
Landwirtin Nadia Bremer (l.) und Yuki Henselek erwarten vom Modellacker viele Erkenntnisse zum Thema Landwirtschaft im Klimawandel. © Jens Wieters

Wie Bauern durch die Aussaat von Sonderkulturen auf den Klimawandel reagieren können, das wird jetzt auf dem Modellacker bei Riepholm erforscht. Und nicht nur das: Nordpfad-Wanderer bekommen detaillierte Infos zu Schwarzkümmel und Co.

Riepholm – Wachsen in der norddeutschen Tiefebene die Kartoffeln und Rüben noch so wie jetzt, wenn der Klimawandel immer weiter fortschreitet? Müssen sich die Fruchtfolgen ändern? Müssen Bauern generell umdenken, wenn sie ihr Saatgut beschaffen? Antworten darauf gibt in den kommenden Jahren der Riepholmer Modellacker, direkt an der Bahnlinie Visselhövede-Uelzen. Und nicht nur das: Interessierte bekommen ausführliche Informationen über Sorten und Arten, die auf dem Acker angebaut werden – und zwar beim Wandern auf dem Nordpfad Riepholm-Gilkenheide.

Seit Freitag ist der kleine Ort Riepholm im Visselhöveder Osten mit dem Bioland Modellacker und dem Lehrpfad Landwirtschaft um zwei Attraktionen reicher. Auf dem rund 25 Hektar großen Feld – einem in Art und Umfang einzigartigen Kooperationsprojekt des in Visselhövede ansässigen Bioland Landesverbandes Niedersachsen/Bremen und der beiden Riepholmer Bioland-Betriebe Bremer und Wilkens – werden mehrere Sonderkulturen angebaut. „In dem Projekt soll Praxiserfahrung für eine Landwirtschaft im Klimawandel gesammelt werden“, so Bioland-Geschäftsführerin Yuki Henselek während der Eröffnung.

Infotafeln erläutern Projekt und Anbau in Riepholm.
Infotafeln erläutern Projekt und Anbau in Riepholm. © Jens Wieters

Denn um sich mit den Begebenheiten eines veränderten Klimas zu arrangieren, seien dringend Anpassungsstrategien notwendig. Neue Kulturen könnten dabei eine Möglichkeit sein, der Klimakrise zu begegnen. Durch eine zunehmende Trockenheit in Norddeutschland werde zudem der Anbau von Sonderkulturen interessanter.

Auf dem Riepholmer Modellacker untersucht der Bioland Landesverband laut Mitteilung außerdem Fragen zu Unkrautregulierung, Düngung, Aussaat- und Erntetechnik und erfasst außerdem „qualitative und sensorische Parameter von Ertrag und Humusaufbau“. Die Arbeit wird öffentlich dokumentiert und die neu gewonnenen Erkenntnisse geteilt. „Auf dem Acker sind darüber hinaus mehr als 814 Meter Hecke und ab dem Frühsommer 2022 eine größere Blühfläche zu finden“, berichtet Nadia Bremer, die den Riepholmer Betrieb aus der Familie übernommen hat. Ihr geht es nicht um einen Labor-Versuch, sondern um ein Praxisprojekt unter realen Bedingungen. „Die Bestellung des Modellackers mache ich innerhalb der normalen Flächenbewirtschaftung meines Bioland-Betriebes “, sagte Bremer. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf jährlich rund 15 000 Euro und werden durch Sponsoren gedeckt.

Picknick mit Bildung

Besucher des Nordpfads Riepholm-Gilkenheide können sich am Lehrpfad Landwirtschaft für einen Abstecher oder für eine Abkürzung des rund elf Kilometer langen Rundwanderwegs bei Visselhövede entscheiden. Eine neue Picknickbank – bereitgestellt durch den Touristikverband Landkreis Rotenburg und aufgebaut durch die Stadt Visselhövede – lädt zum Verweilen und Rasten ein. Gebaut wurde die Bank im Rotenburger Diakonissen-Mutterhaus von Flüchtlingen. Alle Informationen und Inhalte sind auch unter www.modell-acker.de im Internet zu finden. Flächeneigentümerin Nadia Bremer plant gemeinsam mit dem Bioland-Landesverband Veranstaltungen am Modellacker. Es gebe noch keinen Fahrplan, aber „wir stellen uns Info-Termine für Firmen, aber auch spannende Vormittage für Kinder und Jugendliche vor“, so Bremer.

Der entlang des Ackers führende Lehrpfad Landwirtschaft soll vor allem interessierte Laien ansprechen und für Verständnis und Aufmerksamkeit in landwirtschaftlichen Belangen werben. „Wir möchten Landwirtschaft und insbesondere den Ökolandbau gerne für die Bevölkerung erfahrbar machen und Landwirtschaft und Gesellschaft wieder stärker verbinden, was zuletzt nicht mehr ganz so gut funktioniert hat“, betonte Yuki Henselek. „Der Acker und der Lehrpfad sind eine offene Einladung an alle, die sich für die Herkunft ihrer Nahrungsmittel und die Landwirtschaft interessieren.“

Immer wieder hätten die Riepholmer von Wanderern, die auf dem Nordpfad unterwegs waren, Fragen gehört: „Was wächst denn da? Wie heißen die Ackerkulturen? Was lässt sich in Riepholm überhaupt anbauen?“

QR-Codes für mehr Informationen

Das sei laut Bioland-Sprecherin Angelika Franz Inspiration für die Themen des Lehrpfads gewesen, der durch die Felder und Wiesen um Riepholm führt. „Denn diese Fragen beantworten elf Themen-Schilder und ein Info-Schild zu Hintergrund und Inhalt des Modellackers entlang des 800 Meter langen Privatweges zwischen den beiden Bahnübergängen des Dorfs“, so Franz.

Die Schilder erklären die angebauten Kulturen. Und die sind so mal ganz anders als die konventionellen Arten, denn Buchweizen, Erbsen, Hafer, Linsen, Öllein, Schwarzkümmel oder Sonnenblumen sind noch nicht die Regel auf den Feldern der Region. Auf den Tafeln werden Herkunft, Verbreitung und Verwendung der Kulturen thematisiert und Besonderheiten aufgegriffen. Aber auch Fachbegriffe wie Blühwiese, Knick und Fruchtfolge werden erklärt.

Und ein bisschen was wird auch zum Dörfchen Riepholm erläutert, denn zum alten Bahnhof und der Bahnstrecke gibt es ebenfalls eine Tafel. QR-Codes und Kurzlinks verweisen auf die Internetseite des Modellackers, dort werden noch weitere Informationen zur Verfügung stehen.

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