58-Jährige „gibt nie auf“

Schulz geht erneut ins Rennen um das Visselhöveder Bürgermeisteramt

Sabine Schulz wird von der WiV und der FDP bei ihrer Bürgermeisterkandidatur unterstützt. Sie lebt jetzt mit ihrem Mann Heinz in Visselhövede.
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Sabine Schulz wird von der WiV und der FDP bei ihrer Bürgermeisterkandidatur unterstützt. Sie lebt jetzt mit ihrem Mann Heinz in Visselhövede.

Visselhövede – „Klar war die Enttäuschung am Wahlabend zunächst sehr groß. Aber die war schon nach ein, zwei Stunden einem ,jetzt erst recht‘ gewichen“, sagt Sabine Schulz, die ihren Holzofen im frisch sanierten Eigenheim an der Visselhöveder Orchideenstraße befeuert, während sie an den 12. September zurückdenkt. Damals hatte sie als Kandidatin für das Visselhöveder Bürgermeisteramt eine Niederlage einstecken müssen – ihr Gegenspieler Gerald Lutz hatte gewonnen, dann aber das Amt nicht angenommen.Darum kommt es am 27. Februar erneut zu einer Bürgermeisterwahl in Visselhövede.

„Und dann wird auch wieder der Name Sabine Schulz auf den Wahlzetteln stehen“, gibt sich die 58-Jährige kämpferisch. „Denn immerhin haben mir 43 Prozent der Visselhöveder, die zur Wahl gegangen sind, ihre Stimme gegeben. Das ist für mich Verpflichtung genug.“

Sie nehme die Geschehnisse vom September auch sehr sportlich und stecke nach einer Niederlage nicht den Kopf in den Sand, sondern werde den Wahlkampf intensivieren, um noch mehr Wähler von sich zu überzeugen. „Schließlich findet sich Werder Bremen auch nicht damit ab, in der zweiten Liga zu bleiben, wenn es mit dem Aufstieg nicht klappen sollte“, zieht Schulz einen passenden Vergleich. „Niemals aufgeben“, gehöre zum ihrem Lebensmotto.

Im Augenblick ist sie damit beschäftigt, im neubezogenen Heim ihr Arbeitszimmer einzurichten, damit sie per Messengerdienste und Mail und ihrer neuen Internetseite die Visselhöveder auch zu Corona-Zeiten auf allmöglichen Plattformen erreichen kann. „Denn der Draht zu den Einwohnern steht bei mir ganz oben“, sagt die Chefin der Achimer Bäderbetriebe.

„Ich bin mir sicher, dass ich den Aufgaben einer Bürgermeisterin gewachsen bin, schließlich habe ich auch in meiner aktuellen beruflichen Tätigkeit viel mit Verwaltungsaufgaben und Personalmanagement zu tun“, hat Schulz keine Furcht vor einem Tausch des Hallenbadbüros mit dem Chefzimmer im Visselhöveder Rathaus.

Die parteilose Mutter einer Tochter und zweier ebenfalls erwachsener Stieftöchter ist neben dem Einrichten des Hauses auch dabei, fleißig Unterstützerunterschriften von wahlberechtigten Visselhövedern zu sammeln, damit ihre Kandidatur rechtlich anerkannt wird. „120 werden gebraucht, aber das dürfte kein Problem sein“, ist sich Schulz sicher, die unter ihrem Mädchennamen Sabine Grigo, ihre Kindheit und Jugend in Visselhövede verbracht hat. Sie braucht diese Unterschriften, da sie nicht für eine Partei kandidiert, sondern von der WiV und der FDP unterstützt wird.

Über die politische und gesellschaftliche Situation an der Vissel hat sich Schulz nach eigenen Angaben auch in den vielen Jahren von Achim aus, wo sie bisher gewohnt hat, immer ein Bild gemacht. „Ich bin ja nie richtig weg gewesen und war mehrmals wöchentlich in Visselhövede. Dadurch habe ich die Entwicklung der Stadt mit seinen 14 umliegenden Dörfern hautnah mitbekommen und miterlebt.“

Dass eine kleine Stadt mit knapp 10 000 Einwohner im kommunalen Wettbewerb steht, ist auch Schulz klar: „Dem Vergleich kann man nur standhalten, indem man stetig an den Entwicklungsschwerpunkten arbeitet, zum Beispiel in den Bereichen Bildung, Wohnen, Einzelhandel, Gewerbe, Tourismus, Freizeit und Kultur. Netzwerkbildung und der Austausch mit vergleichbaren Gemeinden gehören ebenfalls dazu.“ Außerdem müssten die Alleinstellungsmerkmale herausgearbeitet und gestärkt werden.

Dass diese Ideen und Ziele nicht kostenlos umgesetzt werden können und es in Visselhövede den Beschluss gibt, Schulden schnellstmöglich abzubauen, weiß die begeisterte Motorradfahrerin: „Aber bevor der Rotstift angesetzt wird, muss das strukturelle Defizit genau betrachtet und ausgewertet werden. Einsparpotenziale durch Optimierungen in der Organisation und den Arbeitsabläufen innerhalb der Verwaltung und den Einrichtungen müssen erarbeitet und umgesetzt werden.“

Darum werde es umso wichtiger sein, ein Leitbild mit verbindlichen Vereinbarungen zu entwickeln. Klares Ziel ist die Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit.

Aber grundsätzlich sei sie ein Mensch, der erst einmal zuhört, wo es Probleme gebe und Entscheidungen nicht aus dem Bauch heraus treffe. „Mir hat es schon oft geholfen, immer eine Nacht drüber zu schlafen, bevor ich wichtige Entscheidungen gefällt habe.“

Aktuell sei sie sehr gut vernetzt, auch und vor allem mit dem Nachwuchs der Vissel-Stadt. „Darum schwebt mir nicht ohne Grund vor, eine Art Jugendparlament ins Leben zu rufen, um den jungen Erwachsenen bei nachhaltigen Entscheidungen auch eine Stimme zu geben.“ Dennoch will sie „Altbewährtes“ nicht rigoros umkrempeln, aber auch neue Wege mutig und klar angehen.

„Wichtig ist, dass die Politik von der Spitze des Rathauses heraus, für jeden nachvollziehbar und transparent ist“, sagt die Tierfreundin, die wann immer es nötig ist, gemeinsam mit ihrem Mann Heinz die Hunde und Katzen der Verwandtschaft beherbergt.

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