Auf den Schnitt kommt es an

Pomologe Nils Supthut gibt Tipps für eine reiche Apfelernte

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Nils Supthut beim Visselhöveder Apfelmarkt.

Visselhövede - Von Angela Kirchfeld. „Hmm, die Äpfel schmecken echt gut“, sagt der Enkel zur Oma. „Aber welche Sorte ist das? Wachsen die hier überall?“ Oma zuckt mit den Schultern, sie weiß es einfach nicht. „Solche Szenen gibt es immer wieder und auch darum kommen die Leute zu mir“, sagt Nils Supthut. Er ist nämlich einer von wenigen Pomologen in Niedersachsen, die Apfelsorten bestimmen können. Unter anderem war er jetzt beim Visselhöveder Apfelmarkt aktiv und stand Rede und Antwort, wenn um es um die Bestimmung der Früchte geht, die aktuell noch an den Bäumen der Region hängen.

„In diesem Jahr war die Zahl der Besucher, die ihre Apfelsorte bestimmen lassen wollten, allerdings recht überschaubar. Das liegt wohl auch am trockenen Sommer. Es gibt kaum Äpfel dieses Jahr. Und wenn, dann sind sie recht klein“, erzählt der 36-Jährige, der auf seinem Hof in Dörverden (Kreis Verden) selbst 30 Obstbäume – überwiegend Apfelbäume – stehen hat und pflegen muss. „Von den paar Apfelbestimmungen im Herbst kann man natürlich nicht leben. Hauptberuflich bin ich Lehrer für Mathematik und Chemie am Domgymnasium in Verden.“

Und wie wird man nun Pomologe? „Dafür gibt es keine spezielle Ausbildung. Ich bin vor rund zehn Jahren dazu gekommen, als ich einen Apfelbaum im Garten bestimmen wollte. Ich wurde von einem angeblichen Fachmann zum nächsten geschickt, bis mir endlich jemand sagen konnte, um welche Sorte es sich handelt“, berichtet der Autodidakt, der quasi ins Hobby reingerutscht ist.

Lange Zeit ist er mit Apfel-Experten mitgelaufen und bestimmt nun seit sechs Jahre selbst.

„Gelloway Pepping“ heißt die Apfelsorte, die ihm selbst am besten schmeckt. „Eine Kindheitserinnerung, mit der ich aufgewachsen bin. Er ist ausgereift ein vollgelber Apfel“, so der Fachmann, der im Pomologenverein, Landesgruppe Niedersachsen-Bremen, aktiv ist.

Eine exakte Bestimmung sei nicht einfach, so der Pomologe, der nebenbei noch einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb führt. „Besonders wenn die Leute nur einen Apfel mitbringen. Je mehr Früchte, umso besser. Es gibt tausend Apfelsorten und es werden immer mehr. Die Neuen haben oft dieselbe Abstammung und sind sich daher sehr ähnlich.“

Die Blätter seien bei der Bestimmung nicht entscheidend, nur wenn es sich um spezielle Sorten handele. „Entscheidend ist die Frucht, das Fleisch, die Konsistenz und das Kerngehäuse.“

Supthut gibt auch gerne Tipps für eine reiche Apfelernte. „Der richtige Schnitt des Baumes ist das, was hauptsächlich eine Ernte ausmacht und was den meisten Bäumen fehlt, weil die Hobbygärtner nicht über das Wissen verfügen.“

Dafür gebe es Kurse oder Gärtner, die das Schneiden vor Ort übernehmen. „Ein Apfelbaum wird an die 80 Jahre alt. Je nach Wuchs, Boden und Sorte, ist auch der Schnitt immer anders“, informiert der Studienrat. Schwerer ist es hingegen, die berüchtigte Apfelmade zu bekämpfen. „Dafür gibt es Pheromonfallen, das sind besondere Duftfallen. Doch der Aufwand ist sehr hoch und der Erfolg eher dürftig.“ Wichtiger sei es, das Fallobst regelmäßig zu entfernen, damit sich der Falter nicht weiter verbreite.

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