„Flockdown“ im Griff

Schneesturm bereitet Visselhöveder Bauhof keine Probleme

Hinnerk Witte steuert den Schneepflug.
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Hinnerk Witte steuert den tonnenschweren Schneepflug der riesigen Maschine ganz filigran mit einem Joystick.

Schneefall und dazu kräftiger Ostwind: Tief Tristan hat Wochenende die Region erreicht. Für die Bauhöfe in den Kommunen bedeutet das ein Sondereinsatz. Auch die Mitarbeiter des Visselhöveder Bauhofs haben die Schneepflüge eingesetzt - das erste Mal seit mehreren Jahren.

  • Tief Tristan bringt Schneefall und kräftigen Ostwind.
  • Der Visselhöveder Bauhof räumt mit dem Schneepflug: erst der Stadtkern, dann weniger befahrene Wege.
  • Einige Unfälle mit Blechschaden auf der Autobahn, ansonsten bleibt das Einsatzgeschehen im Kreis ruhig.

Visselhövede – Schon um kurz vor vier am Sonntagmorgen steckt Reiner Franz die Nase aus der Haustür. „Noch ist ja alles gut“, sagt der stellvertretende Leiter des Visselhöveder Bauhofs. Aber er weiß, was kommt: Die Schneewalze Tristan, die im Internet in Anspielung auf die aktuelle Situation „Flockdown“ genannt wird, hat sich angekündigt. Darum hat Franz seinen Männern Überstunden verordnet.

Und tatsächlich, vier Stunden später schneit es wie seit Jahren nicht mehr. Dazu bläst ein schneidender Wind aus Ost, der ruckzuck für starke Verwehungen auf den Straßen sorgt. „Zum Glück ist heute Sonntag. Wir haben keinen Berufsverkehr und die Schulbusse stehen wegen Corona sowieso in den Garagen“, freut sich Franz, der die Bauhoffahrzeuge auf die Handvoll Männer aufteilt. „Unsere Schneepflüge haben wir seit 15 Jahren nicht mehr vor den Autos gehabt.“

Obwohl der Begriff Auto eher untertrieben ist, denn Hinnerk Witte steuert einen riesigen Fendt-Traktor, der kurzerhand zum Räumfahrzeug umgebaut wurde. „Das funktioniert ganz einfach“, sagt der Mann, dessen Finger seiner rechten Hand mit äußerster Präzision über die Schalter des Joysticks fliegen. „Ich muss immer darauf achten, dass ich den richtigen Winkel des Schilds eingestellt habe, sodass der Schnee in einem schönen Bogen an den Straßenrand geräumt wird.“ Jetzt kommt eine Grundstückeinfahrt in Sicht, vor der ein Mann im Schneesturm mit einem kleinen Plastikschneeschieber mühevoll die weiße Pracht entfernt. „Vor Einfahrten stelle ich das Werkzeug natürlich gerade, wir wollen ja nicht die Arbeit der Leute zunichtemachen“, sagt Witte.

Bauhof hilft auch auf der Bundesstraße aus

Der bekommt gerade eine Nachricht, dass auf der Bundesstraße 440 in Höhe der ehemaligen Kaserne ein paar Autos die kleine Anhöhe wegen der Verwehungen nicht hochkommen würden. „Das ist zwar eine Bundesstraße und wir sind dafür nicht zuständig, aber dennoch helfen wir den Leuten natürlich“, sagt Ordnungsamtsleiter Mathias Haase, der sich am Sonntagmorgen ebenfalls ein Bild von der Lage macht, und schickt Witte samt Fendt in Richtung Ottingen. Dort angekommen, ist aber von stecken gebliebenen Autos nichts zu sehen. „Macht nix“, sagt Witte und befreit auch Teile der Bundesstraße vom Schnee. „Wenn wir schon mal hier sind.“

Witte steuert den Trecker ins Gewerbegebiet, um die Zufahrt zu einem Mineralölunternehmen zu räumen. „Nicht auszudenken, wenn ein Laster mit Gefahrstoffen wegen des Schnees verunglücken würde.“

Auf dem Weg dahin rumpelt es einmal laut und kräftig. „Das war ein Gullideckel“, vermutet der Mann in orange. Aber im Rückspiegel ist nichts zu sehen – kein umhereiernder Gullideckel und auch kein Loch in der Straße. „Das passiert auch nicht“, informiert Witte. Denn der dicke Stahl des Räumschilds klappt bei zu viel Widerstand blitzschnell hoch. Klar, sonst müssten die Männer nach dem Tauwetter eine Menge Schächte wieder einbauen und vielleicht sogar ganze Straßen neu pflastern.

Viel befahrene Straßen haben Vorrang

Rund vier Stunden ist Witte mit seinem Fendt im Stadtgebiet unterwegs, um die Gemeindestraßen zu räumen. „Wir arbeiten uns von innen nach außen“, sagt Mathias Haase. Das bedeutet, dass immer zunächst der Stadtkern und dabei vor allem die Anfahrten zu den Pflege- und Seniorenheimen bearbeitet werden. „Die wenig befahrenen Gemeindeverbindungswege kommen ganz zum Schluss.“ Aber alles hänge natürlich mit dem weiteren Wettergeschehen zusammen: „Dort, wo es zuerst wieder dicht ist und viel Verkehr herrscht, müssen wir auch als erstes wieder hin.“ Der Bauhof unterstützt übrigens nur bei der Schneeräumung. Denn eine Firma ist damit beauftragt. Eigentlich. „Aber bei solchen Verhältnissen sind wir natürlich auch mit im Einsatz“, betont Haase.

Gegen halb fünf am Nachmittag schwingt sich Reiner Franz in seinen Lkw, an dem ebenfalls ein großes Räumschild angebracht ist. „Ich fahre über die Dörfer und kratze die Straßen und Wege frei. Jetzt lohnt es sich, und es kommt auch Salz drauf“, sagt der Visselhöveder mit Blick auf sein Handy. Dort erfährt er die aktuelle Wetterlage „wie jeder andere auch“. Es gibt also keinen besonderen Wetterservice für das Räumkommando? „Nein, ich habe genauso ein Wetter wie meine Nachbarin“, lacht Franz und hofft, „dass morgen die Schilde wieder 15 Jahre im Schuppen verschwinden“.

Unfallgeschehen im Kreis bleibt überschaubar

Die Rotenburger Polizei ist am Abend erleichtert: „Es gab am Nachmittag zwar einige Verkehrsunfälle auf der Autobahn 1, die zum Glück aber alle mit Blechschäden endeten. Ansonsten haben wir keine witterungsbedingten Vorkommnisse zu verzeichnen“, heißt es aus der Wache. Auch die Feuerwehren im Altkreis meldeten nichts: „Alles ruhig“, hieß es von den Helfern.  

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