„Nicht mehr die Jüngsten“

Schluss nach mehr als 80 Jahren: Geschäft Karlstedt schließt

+
Elke Karlstedt (r.) und Gerd Karlstedt-Koch wollen es künftig ruhiger angehen lassen. Mitarbeiterin Bettina Jaeschke-Pansegrau wechselt nach 31 Jahren in die Filiale nach Rotenburg.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Schon weit vor dem Zweiten Weltkrieg haben Visselhöveder Einwohner in dem Haus an der damaligen Bahnhofstraße ihren Pott Farbe oder auch mal einen neuen Schürhaken für den heimischen Herd gekauft. Später haben Generationen in dem Geschäft ihren ersten Hausstand erworben. Geschirr, Elektrogeräte und Besteck gingen ebenso über den Ladentisch. Aber in gut vier Wochen ist Schluss, denn Ende Februar schließt das Traditionsgeschäft Karlstedt nach mehr als 80 Jahren seine Türen in der Visselstadt.

„Schreib einfach ,Elke und Gerd sagen Tschüss‘“, sagt Gerd Karlstedt-Koch mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn auf der einen Seite sei es jetzt auch mal an der Zeit, Schluss zu machen, „denn schließlich sind wir ja nicht mehr die Jüngsten“, auf der anderen Seite sei es aber auch nicht ganz so einfach den Weg zu verlassen, den man in den vergangenen Jahrzehnten „Tag für Tag“ gegangen sei, so Karlstedt-Koch. Er feiert morgen seinen 80. Geburtstag , während seine Frau Elke 75 Lenze zählt.

Noch gut einen Monat läuft der Räumungsverkauf in dem gut 400 Quadratmeter großen Geschäft in der besten Innenstadtlage. „Dann müssen wir mal schauen, was mit den Räumen geschieht. Wir möchten schon, dass es wieder einen Laden hier gibt, was sicherlich auch für die Stadt von Vorteil wäre“, betonen beide übereinstimmend.

Einer stand im Laden, der andere war unterwegs

Angefangen hatte die Einzelhandelsvorzeigegeschichte am 1. April 1937, als Willy und Frida Karlstedt ein Fachgeschäft für Eisenwaren, Herde und Öfen, Hausrat sowie Farben und Lacke eröffneten. Zuvor war Frida Uelzen mit dem Fahrrad über Land gefahren und hatte den Bauern Wagenfett, technische Öle, Seifen und Farbe verkauft. Aus Fräulein Uelzen wurde dann Frau Karlstedt und die Ladenräume und Schaufenster an der heutigen Goethestraße wurden Stück für Stück vergrößert. Es folgte die eigentliche Eröffnung des Geschäfts mit Hausrat und Eisenwaren. Beide Sparten liefen wirtschaftlich ausgezeichnet und der Kundenkreis hat sich ständig vergrößert. Die Bereisungen per Fahrrad behielt das Ehepaar bei – einer stand im Laden, der andere war unterwegs.

Ein Bild aus den Anfängen des Geschäfts mit dem Eingang an der Ecke.

Mit Kriegsbeginn wurde die Entwicklung jäh unterbrochen. Ihren absoluten Tiefpunkt hatte die Firma 1943, als der Laden amtlich geschlossen und der größte Teil der Ware konfisziert wurde. Willy Karlstedt kam 1945 aus der Kriegsgefangenschaft wieder, an eine Wiedereröffnung war zunächst aber nicht zu denken. Erst 1950 lief der Handel wieder an – aber an dann mit stetig steigenden Umsätzen.

Mit der Zeit immer größer geworden

Fortan wurde gebaut und gebaut: Wohnungen, Sozialräume für die Angestellten, Garagen und vieles mehr. Der alte Eckladen wurde nach dem Auszug des Mieters in die Verkaufsfläche integriert.

Der Laden Karlstedt aus der Vogelperspektive nach der größeren Erweiterung in Richtung Goethestraße.

1977 zog sich Willy Karlstedt aus dem Geschäft zurück. Seine Tochter Elke und ihr Mann Gerd Karlstedt-Koch übernahmen das Ruder. Sie erweiterten das Sortiment stetig und eröffneten 1995 in Rotenburg eine Filiale, die am Pferdemarkt 1 von Sohn Michael betrieben wird, der die Firma 2005 in der dritten Generation übernommen hatte.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Lagunenstadt El-Guna am Roten Meer

Lagunenstadt El-Guna am Roten Meer

Überbetrieblicher Verbund Landkreis Verden: 20-jähriges Bestehen

Überbetrieblicher Verbund Landkreis Verden: 20-jähriges Bestehen

Kuppeln, Parken, Fluchen auf dem Verkehrsübungsplatz

Kuppeln, Parken, Fluchen auf dem Verkehrsübungsplatz

Das Samsung Galaxy Note 9 im Test

Das Samsung Galaxy Note 9 im Test

Meistgelesene Artikel

Maisfeldfete ein großer Erolg

Maisfeldfete ein großer Erolg

Erfolgsgeschichte: Rotenburg kommt beim Stadtradeln auf Platz eins

Erfolgsgeschichte: Rotenburg kommt beim Stadtradeln auf Platz eins

Bötersener Dorfladen: 104 Gesellschafter im ersten Anlauf

Bötersener Dorfladen: 104 Gesellschafter im ersten Anlauf

Kommentare