Gefräßiger Fuchs plündert regelmäßig Hühnerställe mitten in der Stadt

Schlauer Räuber

Hahn und Hühner von Erwin Lange leben jetzt in einem Hochsicherheitskäfig und nachts im Bauwagen. Foto: Wieters

Visselhövede - Von Jens Wieters. „Fuchs, du hast die Gans gestohlen ...“ heißt ein altes Kinderlied. Aber in Visselhövede wird es zurzeit umgedichtet, denn Hühner sind offensichtlich die bevorzugte Beute des schlauen Räubers, der in den vergangenen Wochen gleich eine ganze Reihe von Hühnerställen rechts und links der Soltauer Straße geplündert hat – in den meisten blieb außer ein paar Federn und hier und da mal ein Hühnerbein kaum etwas übrig.

Zuletzt hat der Rotfuchs im Garten der Familie Leibrand getötet. „Wir hatten acht Legehennen, jetzt haben wir kein einziges Huhn mehr“, klagt Edith Leibrand. Mitte April sei der Räuber das erste Mal in den gesicherten Stall eingedrungen. „Damals hat er sich zwei Hühner geschnappt. Von einem blieben nur noch Reste übrig, das andere war ganz verschwunden“, erinnert sich Leibrandt, die seit „gut 20 Jahren“ Legehennen hält und sie mit viel Liebe versorgt, weil das Federvieh die Familie und auch die Nachbarn jeden Tag mit frischen Eier erfreut.

„Aber jetzt geben wir die Hühnerhaltung auf, denn im Mai gab es das nächste Massaker.“ Obwohl Leibrandts den Hühnerstall mit einem hohen Zaun und nach oben mit einem Netz gesichert hatten, hat der Fuchs das Hindernis überwunden und die verbliebenen sechs Hühner verschleppt. „Wir haben festgestellt, dass er einfach den Draht durchgebissen hat. „Er hat scheinbar kaum Scheu vor Menschen, denn Nachbarn haben ihn am hellen Tag durch die Gärten und zwischen den Häusern herumschleichen sehen, wahrscheinlich, um auszuspionieren, wo er wieder zuschlagen kann “, sagt Leibrandt, die sich jetzt nach einer anderen Eierquelle umsehen muss.

Einige Straßen weiter war der gefräßige Räuber ebenfalls im Blutrausch. Erwin Lange, der seine Hühner an der Soltauer Straße hält, vermisst gleich 17 Tiere, „obwohl wir einen 1,2 Meter hohen Zaun um den Hühnerbereich gezogen haben“. Jetzt hat Lange das Areal auch nach oben gesichert und seine Hühner verbringen die Nacht in einem alten Bauwagen, der laut Lange „fuchssicher“ gemacht wurde.

Helmut Pilchowski hat sogar ein Fahndungsfoto von dem vierbeinigen Wildhund angefertigt. „Nach dem er mir bei seinem ersten Besuch zwei Hühner gestohlen hat und eine Woche später nochmal vier Hennen sogar aus dem geschlossenen Stall geholt hat, wobei ich immer noch nicht weiß, wo er reingekommen ist, habe ich eine Fotofalle aufgestellt“, erzählt der Visselhöveder Rentner. Und siehe da: Der ausgewachsene Rotfuchs, der bis zu einem halben Meter (Schulterhöhe) groß werden kann, blickte kurz vor Mitternacht Nacht in die Kamera. Pilchowski blieb also nichts anderes übrig, als beim Geflügelhändler anzuklopfen, um neue Hühner zu kaufen und den Stall einbruchssicher zu machen, denn auf frische Eier will er nicht verzichten.

Für Hans-Jürgen Ohlhoff, Vorsitzender des Visselhöveder Hegerings, sind solche Beutezüge mitten in der Stadt nicht ungewöhnlich: „Die Füchse suchen sich genau wie die Waschbären mittlerweile menschliche Nähe. Und der Grund ist einfach: Sie finden in den Gärten leichter Beute als im Wald.“

Jagen dürfe man die erwachsenen Raubtiere zurzeit nicht, weil sie sich in der „Aufzuchtphase“ befänden. Die ende am 16. Juni. Aber natürlich dürften sie im Stadtgebiet auch danach nicht geschossen werden, sondern lediglich Lebendfallen seien erlaubt. Ohlhoff vermutet, dass der gefräßige Fuchs seinen Bau auch irgendwo in der Stadt hat und seinen Nachwuchs mit Futter versorgen muss. „Wir haben neulich einen Fuchsbau entdeckt, in den die Elterntiere 16 kleine Hasen verschleppt hatten, obwohl die Fuchsbabys noch nicht einmal die Augen geöffnet hatten. Die Eltern haben halt einen Vorrat angelegt.“ Grundsätzlich sei es aber so, so Ohlhoff, dass es dem Hegering lieber ist, dass sich die Füchse Hühner aus den Gärten holen, statt sich die Feldhasen als Beute auszusuchen, die in ihrem Bestand doch bereits arg dezimiert seien.

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