Stadt muss viel Geld investieren / Fachmann schlägt Maßnahmenpaket vor

Sanierungsfall Kläranlage

Am Ende sauberes Wasser: Nach dem Reinigungsprozess wird das Wasser der Vissel zugeleitet.

Visselhövede – Die Klärschlammvererdungsanlage zu klein, die eigentliche Kläranlage zu groß, die Pumpen zu alt, der Sandfang zu einfach: Damit die Abwasserreinigung richtig funktioniert und nach und nach auch den entsprechenden gesetzlichen Vorgaben technisch angepasst wird, muss die Stadt Visselhövede in den kommenden Jahren viel Geld in die Hand nehmen.

Rudi Reichert, ehemaliger Chef der Anlage am Waldweg, der nach eigener Aussage „ immer noch ein bisschen an Vissel“ hängt, hatte sich die Mühe gemacht und mögliche Szenarien zur Optimierung der Verfahrenstechnik entwickelt. Und die stellte Reichert am Dienstagabend dem Umweltausschuss vor. Der hat anschließend einstimmig beschlossen, die aufgezeigten Maßnahmen ab 2021 in der mittelfristigen Finanzplanung der Stadt zu berücksichtigen.

„Das Hauptproblem ist, dass wir zu viel Schlamm haben und zu viel Strom für die biologisch-chemisch komplizierte Klärung des Abwassers benötigen“, so Reichert, der jetzt in Beckum (Nordrhein-Westfalen) arbeitet.

Ein erster Schritt, um die Anlage zu modernisieren, könne eine Verkleinerung des Vorklärbeckens sein, das so dimensioniert sei, dass es für eine Stadt mit 15 000 Einwohnern ausreiche. „Das könnte problemlos um zwei Drittel reduziert werden“, so Reichert, der für die Baumaßnahme rund 25 000 Euro kalkuliert. Des Weiteren müsse ein neuer Sandfang installiert werden, der mit rund 40 000 Euro zu Buche schlägt. „Aktuell gibt es eine Art Rinne, die nur einen geringen Sandanteil des Abwassers zurückhält. Der Rest landet im Klärschlamm und vergrößert damit das Volumen. Außerdem schleift der Sand die Pumpen und andere Aggregate nach und nach kaputt“, informierte der Fachmann, dessen Sanierungsplan außerdem einen Austausch einiger Pumpen für etwa 14  000 Euro vorsieht.

Den Löwenanteil der Investitionen verschlingt nach Reicherts Berechnungen aber die Oberflächenbelüftung im sogenannten Belebungsbecken. Denn dort arbeiten bisher nur überdimensionierte Mixer, die vorgereinigtes Wasser mächtig durchquirlen, um mehr Sauerstoff in die Brühe einzutragen. „Aber die Motoren kennen nur zwei Geschwindigkeiten und können darum je nach Sauerstoffgehalt nicht entsprechend gesteuert werden.“ Abhilfe könnten Kompressoren schaffen, die das Becken exakt mit dem gerade benötigten Sauerstoffanteil versorgen. Kostenpunkt? „Etwa 150 000 Euro“, rechnete Reichert dem Ausschuss vor. Diese Installation sei aber auch aus Arbeitsschutzgründen notwendig. Denn die zurzeit aktiven Mixer würden große Mengen von Aerosolen freisetzen, die ungehindert in die Umgebungsluft gelangten. Das wiederum könne die auf der Anlage beschäftigten Mitarbeiter gefährden. „Denn es schweben ja Mikroorganismen durch die Luft“, erläuterte Reichert.

Die gibt es auch im kreisrunden Faulbehälter ein paar Meter weiter, der „heutzutage eigentlich gar nicht mehr gebraucht wird.“ Das Gebäude sei baulich in einem schlechten Zustand und müsse aufwendig und teuer auf eine konstante Temperatur von 37 Grad aufgeheizt werden. „Auch im Winter bei einer Außentemperatur von minus 20 Grad.“ Entweder man nutze das dort entstehende und aufbereitete Gas zum Betrieb eines Blockheizkraftwerks oder die Stadt entschließe sich, den Turm für andere Zwecke zum Beispiel als Lagerfläche zu nutzen.

Der Experte für Abwasserreinigung schlug mit Blick auf die Klärschlammvererdungsanlage, die vor vielen Jahren als die Lösung für die Abwasserprobleme der Kommune angepriesen worden war und an der Vissel nie richtig funktioniert hat, vor, den zu feuchten Schlamm von einem externen Dienstleister mittels einer Zentrifuge entwässern zu lassen, bevor der Schlamm in einer Verwertungsanlage entsorgt wird. Reichert: „Auch das spart Kosten.“ Denn zurzeit lässt die Stadt den Schlamm mit einem hohen Wasseranteil teuer verbrennen. Eine Alternative wäre laut Reichert, die Vererdungsanlage großflächig zu erweitern.

Laut Reicherts Fahrplan sollten alle Maßnahmen Stück für Stück bis 2025 realisiert werden, auch wenn dies eine große finanzielle Belastung darstelle.

Heiner Gerken (Grüne) entgegnete, dass sich eine kommunale Kläranlage nie rechne und Bauamtsleiter Gerd Köhnken klärte auf, dass sich die Kosten über die Abwassergebühren der Beitragszahler nach und nach refinanzieren würden.

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