Mit Säurebad und Diamantbohrer

Weihnachtliches Kunsthandwerk, das tatsächlich noch welches ist

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Gerda Steenblock mit einem Modell ihrer Etageren, die sie mit einem Diamantbohrer bearbeitet.

Visselhövede - Von Angela Kirchfeld. Zurzeit gibt es in fast jedem Dorf und in jeder Stadt in irgendeiner Form Weihnachtsmärkte. Dort wird allerhand Kunsthandwerk verkauft, das aber manchmal diesen Namen nicht verdient. Denn immer öfter wird Schund aus asiatischer Massenfertigung als eigenes Handwerk deklariert.

Nicht so bei der Veranstaltung des Visselhöveder Kultur- und Heimatvereins. Dort stehen eigene Kreationen der Aussteller zum Verkauf. Und die werden vor allem mit viel Liebe zum Detail hergestellt. Wir haben einigen Ausstellern mal etwas genauer über die Schulter geguckt.

Und das muss man bei den Etageren von Gerda Steenblock ganz besonders intensiv machen, um zu erkennen, aus was das Gestell für Kekse oder andere Dinge denn überhaupt besteht. Es sind nämlich Kuchenteller unten, eine Untertasse in der Mitte und oben die Kaffee- beziehungsweise Teetasse. „Ich habe die Etageren in dieser Form mal gesehen und beschlossen, meine ebenso zu bauen“, berichtet Gerda Steenblock, die im Heimathaus erstmalig dabei ist.

„Zu Anfang habe ich noch eigene Tassen und Teller genommen, doch nun kaufe ich das Geschirr bei Flohmärkten“, informiert die Hobbykünstlerin, die sich die Technik autodidaktisch angeeignet hat. Mit einem Diamantbohrer wird vorsichtig ein Loch in die Mitte des feinen Porzellans gebohrt und dann die stabförmige Halterung aufgesteckt. Unglaublich, dass dabei der Künstlerin noch nie ein Teil zu Bruch gegangen ist „Es kommt schon mal vor, dass es Kratzer gibt, das ärgert mich zwar, ist aber nicht weiter dramatisch“, versichert die Visselhövederin.

Bei Kai Vesper gibt es besondere Schalen aus geöltem Holz und nach Wunsch mit einem metallenen Steuerrad-Nussknacker.

Auch die Silberschmuckstücke von Karen März und Thomas Bösewill sind alles Unikate, die mal etwas ganz anderes waren – nämlich Besteck aus Omas Zeiten. Sie werden in den Händen von März und Bösewill zu Kettenanhängern, Ringen, Broschen, Ohrschmuck und auch Garderobenhaken verarbeitet. „Wir bekommen das Besteck häufig auf Flohmärkten, aber mittlerweile stellen die Kunden es uns auch vor die Tür, meistens mit einem Auftrag verbunden“, schmunzelt Bösewill, der von Beruf Kfz-Mechaniker ist. 

Am Stand der beiden Hobbykünstler funkelt und glitzert es auffällig, dabei kennt man altes Silber eher als stumpf und angelaufen. „Man benötigt einen besonderen Brenner für die Hitze und Spezialwerkzeug, um das Silber zu formen. Dann kommt der fertige Schmuck in ein Säurebad und wird drei Mal poliert“, verrät der Rethemer. 20 Hobbymärkte besucht er mit Partnerin Karen März im Jahr und hält immer fünf große Kästen voll Schmuck für die Kunden parat.

Kai Vesper hat schon überlegt, sein Hobby zum Beruf zu machen, „Doch mit der Selbstständigkeit ist das so eine Sache“, weiß der gelernte Elektriker. In seiner Freizeit arbeitet er schon immer mit Holz aus aller Welt, das er zu wahren Kunstwerken verarbeitet. Der Naturstoff hat exotische Namen wie „Ovankol“, „Padouk“ oder „Bilinga“. Aus einem einfachen Stamm werden so edle Nussschalen, Kerzenständer, Zettelhalter und vieles mehr.

Beim Weihnachtsmarkt hat der 26-Jährige seine Werkstatt im Harm-Becker-Speicher hinter dem Heimathaus aufgebaut. „Das ist ein toller Standort, einfach top!“ Vesper behandelt und poliert seine fertigen Werke mit „Danish-Oil“, einem besonderen Öl, das auch für Kinderspielzeug unbedenklich ist, wie er versichert. Der klare Renner während des Markts ist eine Nussschale mit eingebautem Steuerrad als Nussknacker. Dafür nimmt der Hobby-Holzwurm sogar einige Bestellungen mit nach Hause, die er nun noch bis Weihnachten fertig bekommen muss.

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