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Sämereien in der Visselhöveder Bücherei

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Von: Jens Wieters

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Büchereileiter Ulli Schröder initiiert die Tauschbörse für erfahrene und angehende Gärtner.
Büchereileiter Ulli Schröder initiiert die Tauschbörse für erfahrene und angehende Gärtner. © Wieters

Neben Liebesromanen und Fachliteratur gibt es auch Saatgut in der Visselhöveder Stadtbücherei. Leiter Ulli Schröder hat eine Tauschbörse gestartet.

Visselhövede – Ulrich „Ulli“ Schröder hatte ein Problem: Als Kürbisfan möchte er im Herbst gerne ein paar Exemplare im eigenen Garten ernten. „Aber woher bekomme ich die entsprechenden Samen?“, hat sich der Leiter der Visselhöveder Stadtbücherei gefragt.

Jetzt weiß er es – und mit ihm auch alle Nutzer der Bücherei, die bekanntlich seit ein paar Monaten in der Oberschule an der Lönsstraße untergebracht ist. Denn dort gibt es ab sofort neben Liebesromanen, Western und jeder Menge Fachliteratur auch Saatgut für Zucchini, Möhren und Co. „Und zum Glück jetzt auch Kürbiskerne“, sagt Ulli Schröder lachend und rückt seine kleinen Gläser zurecht, die auf einem Schrank neben seinem Schreibtisch aufgebaut sind.

„Dort kann sich jeder bedienen, der noch Samen für seinen Garten braucht, um Gemüse anzubauen“, informiert Schröder. „Der Gedanke ist, Sämereien, wie früher überall üblich, nicht einfach so zu kaufen, sondern von Gärtner zu Gärtner einfach weiterzugeben.“ Klar, auch Schröder weiß, dass es noch eine ganze Vegetationsphase dauern wird, bis die Börse so richtig in Gang kommt, weil die gesäten Sorten natürlich erst einmal Samen produzieren müssen und darum die erste Ernte abgewartet werden muss. „Aber vielleicht hat ja jemand noch Saatgut vorrätig. Hier auf dem Land ist das ja noch ein Stück weit üblich, das sieht in den größeren Städten schon ganz anders aus.“

Wer also Samen irgendwo im Keller herumliegen hat, der sollte sich auf den Weg in die Bücherei machen und die Auswahl in der „Saatgutbibliothek“ erweitern. „Jeder kann auch gleich wieder Sämereien mitnehmen“, so Schröder, der damit die Tauschbörse anschieben will.

Bezahlen brauchen die Interessenten übrigens nichts, denn der Handel läuft anders: „Jeder verpflichtet sich, im Folgejahr Samen aus seinen gezogenen Pflanzen wieder bei uns vorbeizubringen, um damit die Saatgutbibliothek aufzustocken.“ Eine Bedingung gibt es aber noch: „Die Sämereien, die uns zur Verfügung gestellt werden, müssen gentechnikfrei und sortenrein sein.“

Durch die Aktion schlagen Schröder und seine Kollegin Bärbel Beyer außerdem zwei Fliegen mit einer Klappe: „Wer sagt denn, dass sich gärtnern und lesen ausschließen? Wenn wir die Leute schon mal hier in der Bücherei haben, dann sehen sie sich sicher auch ein bisschen bei uns um“, vermuten Schröder und Beyer unisono.

Aber grundsätzlich könnten sie sich über mangelnde Arbeit nicht beklagen: „Wir haben nur in den ersten drei Monaten des Jahres 27 neue Anmeldungen. Überwiegend von jungen Leuten, die durch den Umzug in die Schule wohl mehr Interesse an der Stadtbücherei bekommen haben.“

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