Goebel räumt Fehler bei Schulhofverkauf ein

„Rückversicherung hätte besser laufen können“

Der sogenannte Schulgarten an der Kastanienschule wird von vielen Kinder genutzt. Sein Verkauf wurde im Ausschuss diskutiert.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Eigentlich ist die Geschichte ganz einfach: Eine Visselhöveder Familie möchte auf ihrem Grundstück ein Carport bauen. Das geht aber nicht, weil es es eine Grenzbebauung wäre. Daraufhin macht die Stadt ihr den Vorschlag, doch das angrenzende, rund 550 Quadratmeter große Grundstück zu kaufen, das zum Schulhof der Kastaniengrundschule gehört, um dort den Carport zu erstellen. Die Familie nimmt das Angebot an. In den Sommerferien werden die entsprechenden Verträge unterzeichnet – allerdings ohne die Schule darüber zu informieren.

So stellt sich die Vorgeschichte des Verkaufs des sogenannten Schulgartens an der Visselhöveder Grundschule dar, der jetzt in der Stadt für Wirbel sorgt und auch Thema im Schulausschuss am Donnerstagabend war. Hintergrund des Streits ist wohl eine Kommunkationspanne zwischen Kastanienschule und Stadtverwaltung. Bürgermeister Ralf Goebel räumte während der Sitzung ein, dass er den Grundstücksverkauf ein wenig nach Aktenlage entschieden habe: „Es gab vor dreieinhalb Jahren einen Schriftverkehr mit der Erkenntnis, dass die Schule einem Grundstückstausch nicht ablehnend gegenüber steht.“ 

Diese Korrespondenz habe er als Grundlage für Gespräche mit dem Kaufinteressenten genommen. „Wir haben dann ein Verkaufsangebot zu den ortsüblichen Preisen gemacht“, betonte Goebel, der bedauerte, dass er sich aufgrund der Vorlagen „nicht so weit Gedanken gemacht“ habe, welche „Welle“ dieser Verkauf auslösen könnte.

Wegen Carport in der Schusslinie

„Die Rückversicherung mit der Schule hätte vielleicht ein bisschen besser laufen können“, betonte der Bürgermeister. „Schlimm ist aber vor allem, dass die Käuferfamilie nun so in die Schusslinie geraten ist, obwohl sie nur einen Carport bauen wollte.“

Die neuen Eigentümer wurde nach eigenen Angaben „nach dem Zeitungsbericht bei Facebook und Co. übel beschimpft, mit Hasskommentaren überschüttet und „auf der Straße nicht mehr gegrüßt“, wie sie im Ausschuss emotional berichteten. Sie vermuten ein „Kampagne der Schule“ hinter der plötzlich in den Blickpunkt gerückten Angelegenheit.

Das sei es aber auf gar keinen Fall, wie Bärbel Lattemann, Leiterin der Kastanienschule, erklärte: „Ich kann sehr wohl nachvollziehen, dass man sein eigenes Heim entsprechend gestalten will. Und dazu gehört sicherlich auch der Kauf eines Grundstücks, wenn man es von der Stadt angeboten bekommt“, so die Rektorin. Die Kritik habe sich lediglich in Richtung Stadt gerichtet, dass aus dem Rathaus heraus eine „so schnelle Entscheidung getroffen“ worden sei, ohne Rücksprache mit der Schule zu halten.

Gerade Grundstücksgrenzen

„Der Schulgarten ist ein Kleinod unseres Schulhofs, das dringend gebraucht wird. Wir hatten im September 2013 während einer Dienstbesprechung lediglich die Bereitschaft als Diskussionsgrundlage signalisiert, einem Grundstückstausch zuzustimmen – mehr nicht–, und schon gar nicht einem Verkauf“, so Lattemann. Der Tausch hätte zum Inhalt gehabt, dass die Familie ein Stück ihres Gartens der Schule und damit der Stadt überlässt, während sie einen Teil des Schulgartens bekommt.

Aber das war und ist offenbar nicht im Sinne der Stadtverwaltung, wie Bürgermeister Goebel durchblicken ließ. „Wir haben Interesse an relativ geraden Grundstücksgrenzen.“

Er betonte, dass der Kauf nicht mehr rückgängig zu machen sei und es müssten andere Überlegungen getätigt werden. „Vielleicht können wir auf der restlichen Fläche des Schulhofs einen ähnlichen Garten anlegen.“

Georg Helle-Feldmann, Lehrervertreter im Schulausschuss, glaubt, dass das nicht so einfach ist: „Das braucht 15 Jahre. Überhaupt hat dieser Verkauf eine starke Empörung bei der gesamten Visselhöveder Lehrerschaft hervorgerufen. Denn genau diese Rückzugsorte brauchen die Kinder. Dort erleben sie kleine Abenteuer.“

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