Rudolf Lüdemann betreibt seit 50 Jahren Leichtathletik/Zweiter bei den Norddeutschen Seniorenmeisterschaften

„Will als 80-Jähriger noch laufen“

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RUDOLF LÜDEMANN (Zweiter von links) mit seiner Mannschaft, der Leichtathletikgemeinschaft im Kreis Verden.

Nindorf/Daverden - Von Elisabeth Stockinger. Mit seinen 64 Jahren ist er der Jüngste – der Jüngste in seiner Leichtathletikmannschaft der Altersklasse M 65 wohlgemerkt. Rudolf Lüdemann ist 1950 in Nindorf geboren und dort auch aufgewachsen, seit Anfang der 80er-Jahre wohnt er in Langwedel-Daverden. Doch seiner Heimat im Landkreis Rotenburg ist er stets verbunden geblieben, auch weil dort die Wurzeln für den Sport liegen, der ihn sein ganzes Leben begleitet hat: die Leichtathletik, insbesondere das Sprinten.

Rudolf Lüdemann fing als Grundschüler mit dem Laufen an. „Wir hatten an unserer Schule keine Aschebahn, nur eine kleine Laufbahn, da haben wir trainiert“, erinnert sich der 64-Jährige. In der 4. Klasse dann der vorläufige Höhepunkt: die Bundesjugendspiele in Jeddingen. „Das war etwas ganz Besonderes für uns.“ Der kleine Rudolf war im Wettkampf so schnell, dass seine Zeit auf der Punkte-Wertungs-Skala nicht mehr auftauchte. „Das war damals schon auffällig.“

Für den VfL Visselhövede nahm er 1966 an den Kreismeisterschaften für Leichtathletik teil, durfte anschließend für den TuS Rotenburg bei den Bezirksmeisterschaften in der Staffel mitlaufen. 1976 folgten die Deutschen Leichtathletikmeisterschaften in Frankfurt/Main, bei denen er ebenfalls für den TuS Rotenburg startete. Ergebnis: 200 Meter in 21,4 Sekunden, eine Spitzenzeit.

Während seines Studiums – zunächst Agrarwirtschaft in Göttingen, dann Tiermedizin in Hannover – trainierte Lüdemann regelmäßig. Die 100- und die 200 Meter-Distanz: Das waren seine Steckenpferde. In erster Linie aber die 200 Meter, denn „ich konnte den Start nicht so gut“. Die ersten 30 bis 40 Meter liefen bei ihm im wahrsten Sinne des Wortes nicht optimal, über die 200-Meter-Strecke konnte Lüdemann diese fehlende Zeit meist ausgleichen.

„Mein Ziel war damals, 1980 zu den Olympischen Spielen nach Moskau zu fahren.“ Dafür stand der Student fast täglich auf dem Sportplatz des Unigeländes, schaffte gar einen Niedersachsenrekord. Allerdings sei er mit seinen 26 Jahren schon relativ alt für einen deutschen Sprinter gewesen, berichtet Lüdemann. Und dann riss er sich den Adduktorenmuskel. Das war es dann mit der Sportkarriere. „Heute denke ich, dass ich es noch einmal geschafft hätte. Damals sagten mir aber viele Leute, dass ich, wenn ich wieder vollständig genesen sei, erst recht viel zu alt für das Laufen sei.“

Der Tierarzt und Landwirt zog sich aus dem Leistungssport zurück, ließ sich 1982 in Daverden nieder. „Im aktiven Berufsleben habe ich den Sport etwas vernachlässigt“, erzählt er. Vor 20 Jahren dann das Schlüsselerlebnis, als er einen alten Bekannten beim Schmied traf. Dieser ermunterte ihn, doch wieder mit dem Laufen anzufangen. Gesagt, getan: Lüdemann trat dem TSV Daverden bei und anschließend auch der Leichtathletikgemeinschaft im Kreis Verden. Seitdem tritt er auch wieder bei Wettkämpfen an, wie zuletzt Ende Juni bei den Norddeutschen Seniorenmeisterschaften in Jüterborg. Als Vizemeister über die 100 Meter in der Altersklasse M 65 fuhr er wieder nach Hause.

„Das Laufen hat für mich einfach eine große Bedeutung“, sagt Lüdemann. „Manches Schulfach ist mir früher schwer gefallen, im Laufen war ich aber einfach gut. Das hat mich immer wieder aufgebaut.“ Der Wettkampf an sich sei vielleicht ungesund, aber die Vorbereitung darauf hin, das habe ihn stets fit gehalten. „Ich denke, dass ein gesunder Körper auch den Geist gesund hält.“ Der Senior will auf jeden Fall weitermachen, jedes Jahr ein paar Wettkämpfe absolvieren. „Ich will auch als 80-Jähriger noch laufen“, sagt er. „Wenn ich es denn noch kann.“ Denn gesund und überhaupt in der Lage zu sein, Sport zu machen und das in diesem Ausmaß, „das ist schon ein Privileg“.

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