Reine Geschmackssache: Beim Baum scheiden sich die Geister

Ein bisschen Lametta darf schon sein

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Hauptsache er steht gerade: Der Weihnachtsbaum bildet an Heiligabend den Mittelpunkt der Familienfeiern.

Visselhövede - „Früher war mehr Lametta“, stellte schon Opa Hoppenstedt in der Loriot-Fernsehsatire fest. Nun hat auch der letzte deutsche Hersteller die Produktion des Christbaumschmucks aus Staniol eingestellt. Damit endet eine jahrhundertealte Fertigungstradition. So wird in den kommenden Jahren das Lametta langsam aber sicher von den Weihnachtsbäumen verschwinden. Schlimm, oder doch nicht? Unsere Zeitung fragte nach.

In Visselhövede gibt es tatsächlich noch Familien, die an den glitzernden Zauberfäden festhalten. „Unser Weihnachtsbaum wurde schon am Wochenende von den Kindern geschmückt. Wir haben dieses Jahr ausnahmsweise einen aus Plastik, sonst nehmen wir auch immer eine Tanne“, berichtet Mareike Reinke.

Aber Lametta müsse immer noch sein. Die Farbe hänge von den bunten Kugeln ab. „Dieses Jahr haben wir den Baum in Blau und Rot geschmückt, so Reinke. Die Visselhövederin verzichtet bei drei Kindern auf echte Kerzen. „Das ist einfach zu gefährlich!“

Familie Bockelmann dagegen schließt einen Kompromiss. „Ein paar echte Kerzen werden zur Bescherung angezündet, dafür schmücken wir den Baum ohne Lametta und Plastik, sondern mit Papier- und Strohsternen, die die Kinder in den vergangenen Jahren gebastelt haben“, informiert Anja Bockelmann aus Wittorf. Tochter Marie besteht auf einen großen Baum, den sie mit den Geschwistern und dem Papa in Wittorf vor Ort aussucht.

„Dieses Jahr erledigt das Baumschmücken komplett meine Frau, da ich zur Nachtschicht bin“, gesteht Rüdiger Hörl aus Visselhövede. Die wichtigste Aufgabe, das Anbringen des traditionellen Weihnachtssterns übernimmt Sohn Felix. „Echte Kerzen hat nur die Schwiegermutter. Da wir zwei Katzen haben, gibt es bei uns Lichterketten, denn die Tiere spielen auch schon mal mit den Kugeln am Baum, da muss man schon aufpassen. Der Baum wird auch mit Strohsternen, aber aus Umweltgründen ohne Lametta geschmückt.“

Erst seit zwei Jahren verzichtet Roswitha Köll auf die silbernen Streifen. „Jetzt bastele ich immer mit meinem Enkel Baumschmuck. Der Baum ist kunterbunt – alles durcheinander“, teilt die Visselhövederin mit. Der Besuch staune und freue sich immer darüber. „Ich habe sogar 60 Jahre alten schönen Baumschmuck. Bei einigen Vögeln fehlt zwar der Schwanz, aber es sieht immer noch toll aus. Es gibt auch noch alte Ketten, die meine Tochter damals in der Schule gebastelt hat. Wir schmücken immer erst zu Heiligabend. Echte Kerzen haben wir im vergangenen Jahr abgeschafft.“

Am Heiligabendmorgen wird der Weihnachtsbaum von den schon erwachsenen Kindern im Haus von Familie Michaelis hergerichtet. „Alles was da ist, kommt rauf. Auch echte Kerzen müssen sein! Wir passen aber auf, dass sie sicher sitzen. Und wenn wir rausgehen, machen wir sie aus. Wir lassen sie nie unbeobachtet!“, betont Elke Michaelis.

Ob mit Lametta oder ohne, ob echte Kerzen oder elektrische, dem Zauber eines geschmückten Weihnachtsbaumes kann sich kaum jemand entziehen, er ist und bleibt ein Hingucker.

aki

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