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Trecker-Treck Visselhövede: Nur Vollgas reicht nicht

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Von: Jens Wieters

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Michael Twiefel und Jan Schnackenberg (r.) bereiten die beiden Bahnen vor.
Michael Twiefel und Jan Schnackenberg (r.) bereiten die beiden Bahnen vor. © - Wieters

In Visselhövede steigt am Sonntag der Trecker-Treck. Fahrer mit viel Diesel im Blut berichten über ihre Vorbereitungen.

Visselhövede – Auf die Reifen noch ein bisschen weniger Druck, mit den Fingern die Feuchtigkeit des Lehmbodens fühlen, darum noch ein paar Kilo Betonsteine für mehr Gewicht auf die Vorderachse und dann müsste alles passen, damit der Trecker den ebenfalls mit Gewichten vollgepackten Bremswagen möglichst weit auf der 80-Meter-Bahn zieht. „Am besten über die Ziellinie zum Full Pull“, sagt Jan Schneckenberg lachend und streicht liebevoll über die Kotflügel seines roten IHC, den er in jahrelanger Arbeit von einem alten Schrotthaufen in einen Modellathleten verwandelt hat.

Und der muss am Sonntag zeigen, was er unter der Haube hat, denn auf dem Gelände des Visselhöveder Gewerbecampus Lehnsheide steigt nach zweijähriger Corona-Pause der 13. Trecker-Teck des Nindorfer Trecker-Treck-Teams.

PS-Spektakel mit Rahmenprogramm

Zum 13. Trecker-Treck in Visselhövede können sich Interessierte mit ihren Fahrzeugen noch bis Sonntag, 22. Mai, 7.30 Uhr zum Wiegen anmelden. Die ersten Trecker gehen ab 9.30 Uhr auf die beiden Strecken. Mit dem Auto anreisende Zuschauer können problemlos an der Bundesstraße 440 (Celler Straße) auf einer abgemähten Wiese parken. Direkt auf dem Gewerbecampus ist das in diesem Jahr nicht möglich. Die Besucher dürfen nicht nur auf spannende Wettbewerbe hoffen, sondern es erwartet sie ein buntes Rahmenprogramm für die ganze Familie: Hüpfburgen und Bungee-Trampolin für die Kinder, eine Reihe von Verpflegungsbuden vom Frühstück am Vormittag bis zum Kaffeetrinken am Nachmittag für die Erwachsenen.

„Wir starten in 17 Gewichtsklassen, von den kleinen 1,8 Tonnern bis hin zu den 14 Tonnern“, berichtet Michael Twiefel, der Vorsitzende des 60 Mitglieder zählenden Vereins. Damit auch alle die gleichen Chancen haben, gibt es zwei unterschiedliche Startergruppen. Einmal die Farmer, die mit ihren normalen Treckern, wie sie auch auf dem Feldern herumfahren, den Bremswagen angehängt bekommen, und dann die Sportklasse, die mit Showfahrzeugen immer wieder die vielen Hundert Besucher fasziniert. „Die schaffen teilweise bis zu 1 000 PS an den Antriebswellen“, so Twiefel.

Nur knapp 15 Prozent dieser Kraft bringt der Schnackenberg-IHC auf die beiden Bahnen, wobei die eine Lehm und die andere Mutterboden als Untergrund hat. Aber auch mit den weniger PS rechnet sich der zweite Vorsitzende gute Chancen aus, in seiner Klasse erfolgreich abzuschneiden. „Denn nur einfach Vollgas geben, reicht nicht aus.“ Darum tüfteln die Piloten der Farmerklasse an den Drücken in den bis zu 3 000 Euro teuren Reifen ihrer Trecker. Die Einspritzpumpen werden vor den Rennen nochmal fein justiert und ganz wichtig ist auch das Gegengewicht an der Vorderachse, damit der Trecker die Kufen des Bremswagens nicht zu schnell tief in den Boden zieht und schon vorzeitig kapitulieren muss. „Auch die Wahl des richtigen Gangs im Getriebe ist von großer Bedeutung“, erzählt Schnackenberg.

Die Trecker-Treck-Fans seien zwar deutschlandweit eine große Familie und „helfen sich immer mal mit Ersatzteilen oder ähnlichen Dingen aus, aber direkt vor dem Start hat doch jeder sein kleines Geheimnis, um sein Fahrzeug zu optimieren.“

Ganz offen bei ihrer Tuning-Arbeit seien hingegen die Lenker der PS-Monster aus der Sportklasse. „Die machen keinen Hehl daraus, wie sie ihren Motoren mehr Kraft durch Aufbohren der Zylinder, größere Kolben, veränderte Ventilöffnungszeiten und angepasste Einspritzdüsen entlocken können“, spricht Schnackenberg aus Erfahrung. Hinzu kämen oft noch Sportgetriebe mit nur wenigen Gängen „und fertig ist der Renntrecker“.

Pilot Bruno lässt seinen Diesel brennen.
Pilot Bruno lässt seinen Diesel brennen. © - Schnackenberg

Und der muss den angehängten Bremswagen immer in Bewegung halten. Bleibt der Stehen, ist das Rennen vorbei und die zurückgelegte Strecke wird gemessen und entscheidet über Sieg oder Niederlage.

Der Bremswagen ist länglich in Fahrtrichtung konstruiert und hat eine Hinterachse mit Rädern und vorne, anstelle einer Vorderachse, eine Gleitkufe. Durch ein auf dem Bremswagen sich verschiebendes Gewicht ändert sich der Zugwiderstand. Am Start liegt das Gewicht auf der Achse und wird abhängig vom zurückgelegten Weg über Ketten von den Hinterrädern des Bremswagens in Richtung Bremskufe bewegt. Dadurch erhöht sich die Reibung am Boden und der Zugwiderstand des Bremswagens steigt stetig an.

Twiefel und Schnackenberg wissen natürlich, dass sie angesichts der aktuellen Dieselpreise vielleicht mit ein paar weniger Startern rechnen müssen, aber „neun Gastfahrer aus Schleswig-Holstein haben sich aber schon angemeldet. Unter ihnen einige Showtrecker aus der Sportklasse.“

Um die Zukunft ist den beiden nicht bange: „Diesel wird es immer geben und so lange dieser Kraftstoff verfügbar ist, werden wir auch die Trecker-Trecks veranstalten.“

Sie stellen sich auch aufkommenden Bedenken mit Blick auf die Umwelt. „Klar, fast alle Arten von Motorsport verbrennen Sprit und sind damit auch teuer, aber wir haben bei unserer kleinen Veranstaltung kein schlechtes Gewissen.“ Und wer weiß, vielleicht ziehen die Trecker den Bremswagen irgendwann mal elektrisch. „Mit einem kernigen Motorensound aus dem Lautsprecher“, blickt Twiefel eher skeptisch in die Zukunft.

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