Querdenkender Ex-Pastor aus Jeddingen gerät mit seiner Nahost-Ideologie immer mehr ins Abseits

„Bode sollte Parteibuch abgeben“

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Friedrich Bode

Visselhövede - Von Jens Wieters. Jetzt hat es Friedrich Bode offenbar selbst für die Visselhöveder Grünen zu doll getrieben. Denn der Pastor im Ruhestand aus Jeddingen kritisiert den grünen Bundespolitiker Sven-Christian Kindler in einem Schreiben scharf, das unserer Zeitung vorliegt. Dazu Hedi Schmidt, Sprecherin der Vissel-Grünen: „Ich finde, Bode sollte endlich die Konsequenzen ziehen und sein grünes Parteibuch abgeben. Und ich glaube, keiner im Ortsverband würde diesen Schritt bedauern.“

Was war passiert? Der Jeddinger Bode, der für die Grünen auch im Ortsrat sitzt, hatte in diversen Schreiben an Zeitungen und auch an grüne Funktionsträger das Auftreten Kindlers mit einer Israel-Flagge während einer Demonstration kritisiert.

„Mit dem Davidstern bei einer Demonstration verzweifelter, um ihre Verwandten bangenden Palästinenser zu wedeln, ist grotesk abgeschmackt und politisch absolut instinktlos“, ließ Bode verlauten. Um diesen abenteuerlichen Fehlgriff Kindlers einzuordnen, gebe es laut Bode nur zwei Möglichkeiten: „Entweder ist er ein mutmaßlicher Sympathisant des talmudisch zionistischen Weltbildes oder ein Populist, der meint, seine Stunde sei gekommen, um auf sich bundesweit aufmerksam zu machen.“ Beide Haltungen gehörten laut Bode nicht in den Bundestag.

Der Ex-Pastor geht in seinen diversen Schreiben detaillierter „auf das gegen jegliches Kriegsrecht verstoßende Bombardement der israelischen Luftwaffe im Gazastreifen“ ein und bezichtigt die Israelis dem Denkschema: „Alles, was sich nicht jüdisch herleiten lässt, ist minderwertig und dementsprechend rechtlos.“

Starker Tobak – zu stark für Hedi Schmidt: „Für Grüne steht das Existenzrecht Israels nicht in Frage, bei Friedrich Bode klingt mir das nicht so.“ Er versuche den Ortsverband für seine Sicht der Dinge zu instrumentalisieren und lasse in der Regel keine andere Meinung gelten, „wenn man nicht mindestens all die Bücher gelesen hat, die er für richtig hält“. Dass man auch auf andere Weise seine Meinung bilden könne, sei nicht vorgesehen. „Darin kann ich kein demokratisches Verhalten erkennen, was er ja für sich immer in Anspruch nimmt“, so Schmidt in einer Stellungnahme.

Die Ottingerin stellt auch klar, dass Bode sowohl im Kreis- als auch im Ortsverband keine Ämter mehr ausübe, zu keinen überregionalen Treffen als Delegierter geschickt werde und auch seine ständigen Leserbriefe nicht im Namen der Grünen, sondern nur als Privatmann schreiben dürfe. „Ich kenne eigentlich keine Diskussion, bei der er nicht die Grünen aufs Schärfste kritisiert oder sie für seine jeweiligen Kreuzzüge instrumentalisieren möchte.“ Sein Hauptargument, so Schmidt, sei immer, er wolle wach rütteln und die Wahrheit ans Licht bringen. „Wenn er das möchte, kann er das auch ohne grünes Parteibuch.“

Der Kreisverband der Grünen distanziert sich offenbar ebenfalls von Bodes Ideologien. „Ich möchte von Dir nichts mehr bekommen  und auch in keinem Verteiler mehr auftauchen“, schreibt beispielsweise Geschäftsführer Ragnar Kaesche in einer Mail, deren Auszug unserer Zeitung vorlegt.

Auf wenig Gegenliebe stoßen Bodes Anmerkungen zum gegenwärtigen Nahostkonflikt auch beim Verdener Kreisverband der Grünen. „Dass Du aus Kindlers Verhalten einen antisemitischen Artikel gestrickt hast, finden wir höchst unanständig, und in keiner Weise mit besonnener grüner Friedenspolitik vereinbar“, teilten die Verdener Bode per E-Mail mit.

Sie finden auch die öffentliche Kritik an Sven-Christian Kindler „nicht nachvollziehbar“. „Es sollte doch möglich sein, Meinungsunterschiede persönlich zu sortieren, bevor einem gewählten Volksvertreter die Eignung als Bundestagsabgeordneter in Frage gestellt wird“, heißt es weiter. Auch die Grünen aus dem Kreis Verden bitten darum, „uns aus Deinem E-Mail Verteiler zu entfernen“.

Bode selbst sieht sich als Ur-Grüner und „denkt nicht daran, das Parteibuch abzugeben“. Er werde die grünen Prinzipien nicht verleugnen. „Schließlich habe es auch sehr lange gebraucht, bis die Partei begriffen hat, dass der deutsche Bundeswehreinsatz in Afghanistan ein Fehler war.“

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