Prozessauftakt in Verden

Probleme an der Werkbank: 48-Jähriger greift zum Messer

Visselhövede/Verden - Von Wiebke Bruns. Seit Montag muss sich ein 48 Jahre alter Angeklagter aus Bendingbostel (Gemeinde Kirchlinteln) vor dem Landgericht Verden wegen versuchten Totschlags verantworten. Er soll im August 2017 einen damals 46-jährigen Arbeitskollegen aus Visselhövede nach Schichtende an der Stechuhr des ebenfalls in Bendingbostel ansässigen Fahrzeugbauunternehmens mit einem Messer angegriffen haben.

Eine Tötungsabsicht bestreitet der Angeklagte und in seiner Einlassung klingt es mehr wie die Verzweiflungstat eines Mobbing-Opfers. „Der Angeklagte glaubte, dass die Arbeitskollegen schlecht über ihn reden und Gerüchte über ihn verbreiten würden“, heißt es in der Anklageschrift. Die Stimmung sei schon lange angespannt gewesen. Am Vormittag des 31. August 2017 sei es erneut zum Streit über Belanglosigkeiten gekommen. „Seine Wut wuchs so sehr, dass er beschloss, den Kollegen zu töten oder so erheblich zu verletzen, dass er sterben würde“, heißt es in der Anklageschrift.

Wie üblich verbrachte der Angeklagte die Mittagspause zu Hause. Mit einem Filetiermesser mit 18 Zentimeter Klingenlänge sei er zur Arbeit zurückgekehrt und habe bis zum Schichtende gewartet. An der Stechuhr des Unternehmens soll er das Messer dann gezogen und in Richtung des Opfers gestochen haben.

„Ich stech dich ab“, habe er dem in Visselhövede wohnenden Opfer angekündigt. Doch Arbeitskollegen seien eingeschritten und hätten Schlimmeres verhindert. Das Opfer wurde lediglich leicht verletzt.

„Weiß nicht, was im Kopf vor sich gegangen ist“

„Ich weiß nicht, was in meinem Kopf vor sich gegangen ist“, heißt es in der von Verteidigerin Daniela Post verlesenen Einlassung. „Wütend, traurig, hilflos“ sei seine Gefühlslage gewesen. Eine Nachricht an seinen Sohn kann auch als Verabschiedung aus dem Leben verstanden werden. Offensichtlich nicht nur wegen sprachlicher Probleme tat sich der gebürtige Argentinier mit italienischer Staatszugehörigkeit Montag  schwer, darüber zu sprechen. Bei seinem Arbeitgeber sei der 48-Jährige offenbar ein geschätzter Mitarbeiter, doch es habe zunehmend Probleme mit Kollegen, insbesondere dem späteren Opfer gegeben. Anfangs hin und wieder mal nur ein paar Reibereien, so die Anwältin.

Gesteigert habe es sich nach dem Finale der Fußball-WM 2014. Deutschland siegte gegen Argentinien. Rüde sei der Angeklagte danach von einem betrunkenen Kollegen angegangen worden.

Danach sei es immer extremer geworden. Nachweisbar hat der Angeklagte, der zurzeit in Untersuchungshaft sitzt, 2016 Anzeige gegen das Opfer der jetzt angeklagten Tat erstattet. Doch das Verfahren wurde eingestellt.

Am Donnerstag soll der am Montag wegen eines fehlenden Schöffen mit dreistündiger Verspätung gestartete Prozess fortgesetzt werden.

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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