Stadtelternrat fordert zügige Sanierung der sanitären Anlagen in den Schulen

Protest mit Klo-Poesie

Auf dem Marktplatzbrunnen protestiert der Stadtelternrat gegen eine erneute Verschiebung der Sanierung der Toiletten in der Oberschule. Fotos: Wieters

Visselhövede - Von Jens Wieters. „Ekel dich nicht vor den Nischen, nimm dein Töpfchen mit zum Pieschen.“ Oder: „Musst du in der Schule strullern, nimm dein Töpfchen mit zum Pullern.“ Deutlicher, aber zugleich auch mit einem Augenzwinkern kann der Visselhöveder Stadtelternrat den Protest gegen die erneute Verschiebung der Sanierung der Toiletten in den beiden Oberschulstandorten Auf der Loge und Lönsstraße nicht äußern.

Der Ort des „moralischen Zeigefingers“, wie Stadtelternratsvorsitzende Esther Michalske es ausdrückt, ist auch bewusst gewählt: Der Brunnen mitten auf dem Marktplatz, in Sichtweite des Rathauses. „Wir haben uns nach der vergangenen Schulausschusssitzung zusammengesetzt, um zu überlegen, wie wir die Öffentlichkeit auf das Problem aufmerksam machen können“, so Michalske. Herausgekommen sei ein „Stück weit Klo-Poesie und einige Kleinkind-Toilettentöpfchen“, die am Brunnen drapiert worden seien.

Hintergrund des Protestes ist die vergangene Sitzung des Schulausschusses, von der Lehrer, Eltern und vor allem auch die Schüler sich erhofft hatten, dass der Startschuss für die Sanierung der sanitären Anlagen verkündet werde. Doch daraus wurde nichts. Stattdessen hat die Verwaltung bekannt gegeben, dass ein Fachmann die Maßnahme begutachtet hatte und eine Sanierung 815  000 Euro verschlingen würde. Und das wiederum würde die Haushaltsplanungen für dieses Jahr sprengen. 315 000 Euro würden die Arbeiten an der Lönsstraße kosten und und 485 000 Auf der Loge, hat der Experte errechnet. Hinzu kämen noch Planungskosten. Für diese Maßnahme ist nach Ansicht der Verwaltung ein Objektplaner für die Koordinierung des Gesamtprojekts und der einzelnen Gewerke nötig.

Das bedeutet wiederum für die Schüler: Warten auf neue Klos. „Und es kann einfach nicht sein, dass die Kinder aufhalten und erst Zuhause auf die Toilette gehen, weil sie es sich in der Schule nicht trauen“, begründet Michalske die Brunnenaktion, die zum „Schmunzeln bringt, aber auch zum Nachdenken“ anregen soll.

In den beiden Oberschulhäusern ist seit mehr als 30 Jahren hinsichtlich der Toiletten nichts gemacht worden. „Wir wurden immer wieder vertröstet, und jetzt taucht plötzlich eine so riesige Summe auf, dass wieder erst mal nichts passiert“, sagt die Elternvertreterin, die allerdings glaubt, dass in dem Gutachten ein bisschen „nach oben gerechnet“ worden sei. „Ich bin zwar keine Fachfrau, aber ich kann mir vorstellen, dass man die Sanierung deutlicher günstiger hinbekommen würde.“

Im Übrigen gelte die Beschwerde auch für die beiden Grundschulstandorte Jeddingen und Visselhövede, wo die Lehrer, Schüler und die Reinigungskräfte Tag für Tag mit „übel riechenden Toiletten“ zu kämpfen hätten. Auch für das Visselhöveder Image seien solche Zustände sicher nicht gut: „Wenn Eltern sich mit ihren Kindern, die bald die Grundschule verlassen müssen, zufällig in den Toiletten der Oberschule umsehen, werden sie sich sicher eine andere Schulmöglichkeit in Betracht ziehen“, vermutet Michalske.

Und auch aus diesem Grund habe der Stadtelternrat diesen Brunnenprotest initiiert. „Damit sich die Entscheidungsträger vielleicht doch nochmal Gedanken machen, wie eine Sanierung zügiger umzusetzen ist.“

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