Ausschuss verschickt Blauen Brief

Protest gegen Bahnpläne

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Beispiel Walsrode: Barrierefreier Übergang von einem Bahnsteig zum anderen. Der Bauausschuss würde diese Variante auch gern in Visselhövede sehen.

„Unzumutbar!“ „Ganz schlecht, richtig Murks!“ „Dann können wir es gleich komplett lassen!“ Die Mitglieder des Visselhöveder Bauausschusses sind überhaupt nicht gut auf die Bahn zu sprechen.

Visselhövede - Denn deren Umbaupläne für barrierefreie Bahnsteige passt den Politikern überhaupt nicht, weil Reisende, die von einem Bahnsteig zum anderen wollen rund 300 Meter Fußweg auf sich nehmen müssten. Eine Abkürzung um rund 100 Meter ist aktuell nicht möglich, weil ein Anlieger keinen Quadratmeter verkaufen will und die Reisenden somit zunächst die Bahnhofstraße, dann den Übergang Rosenstraße nutzen müssten, um über den Wehnser Weg auf den anderen Bahnsteig zu gelangen. Denn nach den Plänen der Bahn wird die Unterführung nicht mehr angefasst und über kurz oder lang dichtgemacht.

Darum ist es auch keine reine Stellungnahme des Ausschusses im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens, sondern hat schon eher den Charakter eines Blauen Briefs, der jetzt zur Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr nach Hannover geschickt wird.

Darin heißt es unter anderem, dass die unverhältnismäßig langen Wege zwischen den Bahnsteigen den Bahnreisenden nicht erklärbar seien und sicher zu einer spürbar negativen Bewertung der Verkehrsstation Visselhövede führen würden. „Die gewünschte Steigerung der Fahrgastzahlen von jetzt rund 150 auf 300 täglich ist vor dem Hintergrund dieser kundenunfreundlichen Rahmenbedingungen absolut nicht zu erwarten“, so Bauamtsleiter Gerd Köhnken. Der lang gehegte Wunsch der Stadt für Bürger und für Besucher endlich eine zeitgemäße Verkehrsstation zu erhalten, werde durch die vorgelegte Planung absolut nicht erfüllt.

Köhnken erläuterte dem Ausschuss auch warum, die Bahn so bauen will und nicht anders: „Aufgrund der geringen Fahrgastzahlen wird Visselhövede in die Kategorie sechs eingestuft. Und das bedeutend eine Sanierung mit minimalsten finanziellen Aufwand.“

Der Planung der Bahn können Politiker und Verwaltung nur eine gute Seite abgewinnen: Dass die Bahnsteige rund 55 Zentimeter angehoben werden, sodass auch Rollstuhlfahrer problemlos in den aktuell auf der Strecke verkehrenden Erixx einfahren können.

„Allerdings“, so schränkte Köhnken ein, „wird diese Strecke neu ausgeschrieben, sodass nicht unbedingt gesagt ist, dass der Erixx wieder den Zuschlag bekommt. Fährt eine andere Gesellschaft, haben die Züge vielleicht wieder andere Höhen.“

Nach den Plänen der Bahn müssen Reisende den Übergang an der Rosenstraße nutzen: „Ein riesiger Umweg und zudem gefährlich“, sagen die Visselhöveder Politiker.

Der Ausschuss regt auch „dringend an“, dass der Tunnel für Reisende, die gut zu Fuß sind, erhalten und zeitgemäß saniert werden muss. Damit sei zumindest einem Großteil der Reisenden geholfen.

Die fehlende Barrierefreiheit des Tunnels führt auf der anderen Seite aber dazu, dass mobilitätseingeschränkte Reisende den Umweg über den Bahnübergang Rosenstraße machen müssen.

Aber es kam noch eine Idee auf, die für alle Zugfahrer geeignet ist: Eine Verbindung zwischen den Bahnsteigen als barrierefreie oberflächige Querung, gesichert durch eine kleine Schranke. Genau solch eine ist am Walsroder Bahnhof eingerichtet. Aber auch dafür lässt sich die Bahn offenbar auch nicht begeistern: „Die stellt sich mit Blick auf die Kategorie stur“, so Gerd Köhnken.

Aber die Bahn hat ihre Hausaufgaben nicht restlos erledigt, denn der Übergang an der Rosenstraße gehört nicht zum Planfeststellungsgebiet, obwohl die Maßnahmeträger eine Querung der Schienenkörper darüber erwarten. „So muss dieser Bereich aufgenommen und für mobilitätseingeschränkte Reisende saniert und barrierefrei hergestellt werden. Das sollte in Form einer eigenen Führung für Radfahrer und Fußgänger – außerhalb der Fahrbahn – geschehen“, fordert nicht nur der Ausschuss, sondern auch Zuhörer Thomas Buchholz, der sich in der Einwohnerfragestunde entsprechend zu Wort meldete.

Die WiV-Fraktion hatte außerdem eine Verlegung der Bahnsteige in Richtung Westen gefordert, weil die Züge dann nicht in der Nähe der Schranke Rosenstraße halten und sich so sie Schließzeiten deutlich verkürzen würden.

Bürgermeister Ralf Goebel gab bei allem Verständnis für die sicher nicht zielführenden Planungen der Bahn aber zu bedenken, dass „die Planungen in deren Büros schon sehr weit fortgeschritten sind“. Kämen aus Visselhövede Signale die Haltepunkte gänzlich zu verschieben, könne es sein, dass ein Umbau 2021 wohl nicht mehr realisiert werden würde. „Dann sind vielleicht andere Städte aus dem Förderprogramm am Zug.“

Das ist Hartmut Wallin (Grüne) egal: „So ist das großer Murks, dann können wir den Umbau ganz lassen und lassen auch den Tunnel so wie er ist.“

Auch für Torsten Burmester (SPD) ist die Unterführung in dieser Form „sehr wichtig, und die weiten Wege wie sie sie Bahn vorsieht, sind nicht akzeptabel“. Karin Stegmann vom Bauamt schränkte mit Blick auf den maroden Tunnel aber ein, dass der „auch von heute auf morgen dichtgemacht werden kann, wenn die Bahn ihn als nicht mehr sicher einstuft.“

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