Produktion des Theater Metronom feiert Premiere

„Blackout“: Apokalypse zwischen Slapstick und Sinnfindung

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Eine der stärksten Szenen: Astronaut Wischna opfert sich, während seine Mitstreiter gen Erde schweben.

Hütthof - „Völlig losgelöst“ fand sich am Freitag das Premierenpublikum im Hütthofer Theater Metronom. Die Anspielung an den Hit „Major Tom“ der 1980er Jahre ist kein Zufall, spielt die neue Inszenierung „Blackout“ unter Regie von Andreas Goehrt doch im All.

Wie die Protagonisten Karin Schroeder als überkorrektes „Mädchen für alles“ eines Hotels, die überdrehte Blondine Ragna (neu dabei: Sissi Zängerle) und Looser Jan Fritsch per Fahrstuhl an Bord der durch den Weltraum torkelnden, altersschwachen „Mir“ geraten sind?

Astronaut Wischna (großartig und spielbestimmend: Erwing Rau), der dort seit 20 Jahren seinen Dienst schiebt, hält das schräge Trio jedenfalls erst einmal für Spione. So ist die erste Hälfte der Satire denn auch geprägt von Slapstick, allerlei Wortspielen und – eine der unbestrittenen Bereicherungen des Stücks – eingeworfenen Songs, die sich immer wieder aus den auf der Schrottkapsel geklopften Rhythmen herausschälen.

Aus Spaß wird schnell Ernst, spätestens, als das unfreiwillige Quartett immer wieder Kollisionen mit Weltraumschrott ausweichen muss. Das schweißt ein Stück zusammen – auch wenn der kroatische Astronaut, der die Eindringlinge, „schlimmer als japanische Touristen“, bald gern wieder loswerden würde. Erste Annäherungen finden ausgerechnet im Garten Eden, dem Versorgungsmodul ab, und Ragnas Verzehr des Apfels ist nur eine von vielen Anspielungen des Stückes. Viele Themen werden nur gestreift: Die Frage nach dem Sinn des Lebens, die sich im doppeldeutigen „Warum sind wir hier“ manifestiert, ebenso wie danach, ob eine schöne neue Welt wirklich besser wäre.

Bei Klaustrophobie- und Panikanfällen im Angesicht der Apokalypse hilft ein Tässchen Tee.

Sehr spät merken die Protagonisten, was die Zuschauer schon längst wissen: Sie werden durch künstliche Intelligenz (KI) gesteuert. „Helga“, die Stimme aus dem Off, hat zwar keine Gefühle, sich aber nach genauem Studium der „Humanoiden“ das Vokabular der Protagonisten angeeignet.

Warum die vernetzte Welt per „Blackout“ vernichtet werden soll, bleibt leider eher nebulös. Dabei war die Grundüberlegung von Regisseur Andreas Goehrt ebenso logisch wie konsequent: „Die KI-Systeme beobachten die Menschen und lernen von ihnen. Und sie sind auf Effizienz ausgelegt – was liegt näher, als die Erde effizienter zugrunde zu richten als die Menschen?“

Es beginnt ein Kampf um die Rettung der Erde: Ein genialer Regieeinfall, das KI-System mit einem Paradoxon in eine Endlos-Rechenschleife zu schicken. Am Ende opfert sich der Astronaut für die Menschheit, mit großartigem Minenspiel zwischen Genugtuung, Adrenalinschub, Panik und Trauer im Angesicht des Todes: einer der stärksten Momente eines Stückes, das zum Denken anregt. Gleichwohl bleibt der Ausgangspunkt für das Szenario, die Beschäftigung mit den Gefahren künstlicher Intelligenz und der Vernetzung der Welt, eher an der Oberfläche.

Dass nach zwei Stunden kein Happy End steht, obgleich es die Weltenretter auf die Erde zurückgeschafft haben, ist nur konsequent. Helga ist per Smartphone mit dabei – ganz wie im richtigen Leben. Der Blick in die Zukunft: ein durch und durch sehenswerter Exkurs.

hey

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